Robocup-WM 2003: Zwei dritte Plätze für deutsche Teams

Das Finale der Middle Size League in der Weltmeisterschaft der Fußballroboter wurde wie im vergangenen Jahr zwischen zwei japanischen Teams ausgetragen.

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Von
  • Hans-Arthur Marsiske

Das Finale der Middle Size League in der Weltmeisterschaft der Fußballroboter wurde wie im vergangenen Jahr zwischen zwei japanischen Teams ausgetragen: WinKit vom Kanezawa Institute of Technology, Yumekobo, und Fusion von der Kyushu und der Fukuoka University. WinKit schlug sich wacker, kam bis auf 3:2 heran, musste sich am Ende aber nach einem dynamischen und spannenden Spiel mit 6:3 geschlagen geben. Auf Platz drei landete der Newcomer Persia von der Isfahan University of Technology. Die Iraner bekamen die Begegnung, die sie sich gewünscht hatten, wenn auch nicht im Endspiel. Aber den amtierenden Weltmeister Eigen von der Keio University in Kanagawa mit 8:1 zu schlagen ist ja eine Leistung, mit der man sich nicht verstecken muss.

In der Small Size League mussten sich die Berliner FU-Fighters im Halbfinale wieder einmal ihrem ewigen Rivalen Big Red von der Cornell University geschlagen geben. Rein spielerisch wirkten die Berliner sogar überlegen, zeigten hervorragendes Dribbling und beeindruckend präzise Pässe quer über das Spielfeld. "Der Schwerpunkt der Small Size League verlagert sich zunehmend zum kooperativen Spiel", meint Betreuer Raúl Rojas. "Aber für die schnellen Roboter ist das Feld mittlerweile zu klein, um wirkliches Teamspiel entwickeln zu können." Trotz der 5:4-Niederlage durch ein Golden Goal in der Verlängerung fühlt er sich als moralischer Sieger. Gegen CM Dragon konnten die Berliner sich aber mit 6:1 den dritten Platz sichern. Big Red stand im Finale gegen die Roboroos von der University of Queensland, Brisbane. Da beide Teams sich auf eine sehr ähnliche Dribbeltechnik stützten, wurde es ein vergleichsweise langweiliges Spiel, das erst in der Verlängerung durch ein Golden Goal mit 1:0 für Big Red entschieden wurde.

Man kann den deutschen Teams beim RoboCup wirklich nicht vorwerfen, dass sie kampflos das Feld räumen würden. Auf jeden Fall sind sie sich ihrer Verpflichtung gegenüber dem Publikum bewusst und sorgen für starke Abgänge. So lieferte sich das German Team in der Liga der vierbeinigen Roboter gestern im Halbfinale mit den Aibos von der Carnegie Mellon University einen 40-minütigen Elfmeterkrimi. Hinterher wusste niemand mehr genau, wie eigentlich der endgültige Spielstand lautete. Nur, dass Deutschland verloren hatte und damit aus dem Turnier ausschied, war klar.

Natürlich schießen die kleinen Roboterhündchen nicht wirklich Elfmeter. Vielmehr werden ein Spieler und der Ball an unterschiedlichen Punkten des Spielfelds positioniert. Der Roboter hat dann eine Minute Zeit, den Ball in ein zuvor bestimmtes Tor zu befördern. "Wahrscheinlich haben wir unseren Roboter zu sehr auf Gründlichkeit getrimmt, typisch deutsch also", sagte Hans-Dieter Burkhard von der Berliner Humboldt-Universität, der das German Team ins Leben gerufen und als einziger Deutscher an allen bisherigen RoboCup-Weltmeisterschaften teilgenommen hat. "Wir müssten noch einbauen, dass der Roboter einfach schießt, wenn die Zeit knapp wird. Dann gibt es zumindest eine kleine Chance, dass der Ball noch rein geht." Ebenfalls knapp wurde es im Finale der vierbeinigen Roboter. Die Aibos der Upennalizers machten es rUNSWift aus Sydney ganz schön schwer. Beide Teams waren ähnlich sprintstark und sehr zielsicher, immer wieder verknäulten sich die Spieler, ließen dem Gegner kaum einen Zentimeter Raum. Am Ende siegte rUNSWift knapp mit 4:3.

In der Simulationsliga konnten die Brainstormers von der Universität Dortmund ihre Erfolgsserie fortsetzen. Zwar blieb ihnen der Siegertitel weiterhin versagt, doch immerhin konnten sie im Spiel um den dritten Platz den Vorjahres-Vizeweltmeister Everest aus China mit 2:1 relativ sicher besiegen. Richtig spannend war das Endspiel der Simulationsliga. UvA Trilearn von der Universität Amsterdam musste sich mit dem amtierenden Weltmeister Tsinghuaeolus von der Tsinghua University, Peking, messen. Die dribbelstarken chinesischen Spieler machten es den niederländischen Cyberkickern, die mehr auf Kooperation setzen, schwer und gingen zunächst 2:0 in Führung. Doch den von Jelle Kok programmierten Spielern gelang ein rascher Anschlusstreffer. Es schien fast so, als würden sie angesichts des Rückstands verstärkt auf Risiko spielen. Am Ende war deutlich zu erkennen, dass die Chinesen mit ihrem Energievorrat schlecht gehaushaltet hatten. Sie wurden langsamer und unpräziser. Das war die Chance für die Niederländer: Sie wurden mit 4:3 Weltmeister. Ein überglücklicher Jelle Kok musste anschließend viele Hände schütteln.

Sieger in der Rescue Robot League wurde ein Neuling: Robrno von der Brno University of Technology in Brno, Tschechien. Cedra von der Sharif University of Technology, Teheran, schaffte Platz zwei, IUTMicrobot von der Isfahan University of Technology Platz drei. Das IUB 2003 Rescue Robot Team von der International University Bremen schaffte den undankbaren, gleichwohl bemerkenswerten vierten Platz. Wettbewerbsleiter Adam S. Jacoff hob bei der Bekanntgabe der Platzierungen die überragenden Fähigkeiten der Bremer bei der automatischen Kartierung der Katastrophenumgebung hervor. "Schaut euch das an", sagte er zu den übrigen Teams, die ihre Karten alle manuell erstellt hatten. "Im nächsten Jahr solltet ihr das auch können."

Zur Robocup-WM siehe auch:

(Hans-Arthur Marsiske) / (wst)