Online-Stellenbörsen profitieren von Anzeigenrückgang bei Zeitungen
Jede Krise hat ihre Gewinner: Während sinkende Anzeigenumsätze den deutschen Zeitungen schwer zu schaffen machen, verzeichnen Jobportale von Online-Anbietern immer mehr Zulauf.
Jede Krise hat ihre Gewinner: Während sinkende Anzeigenumsätze den deutschen Zeitungen schwer zu schaffen machen, verzeichnen Jobportale von Online-Anbietern immer mehr Zulauf. Von der Zukunft der virtuellen Stellenmärkte ist auch Frank Hensgens, Group-Marketingdirektor der Online-Stellenbörse StepStone überzeugt: "Das ist nicht zu toppen und wird sich immer mehr durchsetzen." Nicht nur Arbeitssuchende griffen immer häufiger auf das Internet anstatt der Zeitung zurück, auch Firmen nutzten für die Bewerberauswahl immer häufiger virtuelle Angebote.
Nach Schätzung des Verbands der deutschen Internetwirtschaft (eco) gibt es in Deutschland rund 150 Jobbörsen im Netz. Auch der Heise Zeitschriften Verlag bietet das Jobportal heise jobs an mit Stellenanzeigen, Artikeln zur Situation besonders auf dem IT-Stellenmarkt, Gehaltsübersichten und Tipps für Unternehmen und Bewerber. "In fünf Jahren werden rund 50 Prozent aller qualifizierten Arbeitsplätze via Internet besetzt werden", sagt der Geschäftsführer des eco, Harald A. Summa. Während nach Aussagen der Experten im Jahr 2001 noch der Zeitungsbereich führend auf diesem Gebiet war, habe sich der Stellenmarkt im Internet mittlerweile durchgesetzt.
Nach Aussagen der privaten Stellenanbieter wirkt sich die konjunkturelle Missstimmung jedoch auch auf die Portale aus: So habe die Zahl der Unternehmen, die Stellen schalteten, zwar zugenommen, die Anzahl der Angebote jedoch leicht abgenommen. Konnte jobpilot im Februar 2001 in Deutschland rund 85.000 Stellen auf seinen Seiten bieten, waren es ein Jahr später nur rund 39.000. Auch StepStone musste im Januar 2003 im Vergleich zu 2001 einen Einbruch um die Hälfte auf zirka 10.000 Anzeigen hinnehmen.
"Die Unternehmen stellen zurzeit lieber Studenten, Praktikanten und Zeitarbeiter ein", erläutert Kai Deininger, Geschäftsführer der Monster Deutschland GmbH und Leiter der Initiative Arbeitsmarkt beim eco. Dennoch sieht Deininger die Situation am deutschen Arbeitsmarkt nicht mehr so kritisch wie noch vor einigen Monaten. "Zwar ist die Marktlage nicht mehr so gut wie in Boom-Zeiten, aber es gibt noch gute Stellen." Dem Experten zufolge werden die Stellenanzeigen in Zeitungen jedoch auch in Zukunft nicht der Vergangenheit angehören: "Print wirkt für viele Unternehmen marketingstrategisch seriöser. Diesen Bereich wollen und können wir nicht ersetzen."
Vom Entschluss, einen Mitarbeiter einzustellen, bis hin zur Einstellung dauert es nur noch drei Wochen, haben die Online- Jobvermittler herausgefunden. Früher lag diese so genannte Time-To- Hire bei zwei bis drei Monaten. Über die Vermittlungsquote der Bewerber gibt es nach Deiningers Angaben keine Zahlen. Für Arbeitssuchende ist das Surfen über Jobangebote und Tipps zum Schreiben einer Bewerbung in der Regel kostenlos. Ihren Umsatz erwirtschaften die Online-Anbieter unter anderem mit Anzeigen und Bewerberdatenbanken.
Mit dem Wandel der Bundesanstalt für Arbeit hin zu einer "Bundesagentur für Jobvermittlung" setzen auch die Arbeitsämter künftig auf das Internet. Mit Hilfe einer von jedermann nutzbaren Datenbank soll die Personalvermittlung künftig komplett in einem "Virtuellen Arbeitsamt" über das weltweite Netz laufen -- jeden Tag, rund um die Uhr. (Daniela Schmitz, dpa) / (jk)