SAP überdenkt Mitarbeiter-Boni
Der Walldorfer Software-Riese SAP grübelt über die Fortsetzung seiner Sonderzuwendungen an Mitarbeiter.
Der Walldorfer Software-Riese SAP grübelt über die Fortsetzung seiner Sonderzuwendungen an Mitarbeiter. Unternehmenssprecher Bill Wohl erklärte am Freitag, alle variablen Teile der Vergütungen für SAPs 29.000 Mitarbeiter stünden auf dem Prüfstand.
Bislang ähnelt die Situation in der Softwareschmiede einem Optionendschungel: etwa 2000 Führungskräfte profitieren von verschiedenen Aktienoptionsprogrammen, die ihnen den verbilligten Erwerb von SAP-Aktien oder Wandelschuldverschreibungen ermöglichen. Die seit dem Jahr 2000 angebotenen Vergünstigungen ergänzen das STAR-Programm, das altgedienten Mitarbeitern eine jährliche Barvergütung in Aussicht stellt. Deren Höhe richtet sich nach der Entwicklung des SAP-Aktienkurses; bei sinkenden Kursen kann der Bonus auch ausbleiben.
Unmittelbar, nachdem Microsoft die Anreize seiner Mitarbeiter von Aktienoptionen auf tatsächliche Aktien umgestellt hat, trat nun ein SAP-internes Vergütungskomitee zu Tage. Dieses laut Wohl schon seit einigen Monaten aktive Gremium soll klären, ob die Walldorfer Gratifikationsgepflogenheiten noch dem Industriestandard entsprechen. Als Ziel erwartet SAP eine weltweite Vereinheitlichung seiner Vergütungsregeln, die auch steuerliche Gesichtspunkte berücksichtigen soll. Der Konzern könnte sich davon erhoffen, dass die Ausgaben für ein künftiges Stock Options Program (SOP) nach internationalen Bilanzierungsregeln nicht als gewinnschmälernder Personalaufwand gebucht werden müssen.
Die begünstigten Mitarbeiter beurteilen die Lage vielleicht anders: Sie müssen die Zuwendungen ihres Arbeitgebers grundsätzlich mit dem Finanzamt teilen. Eine einfache Prozedur im Falle der Barzahlungen im Rahmen des STAR-Programms, aber ein zweischneidiges Schwert im Zusammenhang mit zugeteilten Belohnungs-Aktien: Deren Besitz verursacht zum Stichtag eine Steuerschuld, die vielleicht nur durch den Teilverkauf ebendieser Aktien zu begleichen ist. Und -- wenn das viele Mitarbeiter zugleich tun -- den Wert der verbliebenen Aktien zumindest vorübergehend in die Knie zwingt.
Auf der anderen Seite verkörpert eine Bonus-Aktie auf jeden Fall einen gewissen Wert, anders als das Recht, diese Aktie heute oder irgendwann zum vermeintlich günstigen Preis X kaufen zu dürfen. Sinkt nämlich der Aktienkurs unter diesen Betrag X, hat der Mitarbeiter als Belohnung ein wertloses Bezugsrecht erhalten. Selbst bei fallenden Börsenkursen dürfte das SOP seine Nutznießer also immer noch besser stellen als die STAR-geförderten Kollegen.
Welchen Weg SAP beschreiten wird, steht in den Sternen -- noch ist das Vergütungskomitee an der Arbeit, und wenn es Ergebnisse vorlegt, müssen eventuelle Konsequenzen erst auf der SAP-Aktionärsversammlung beschlossen werden. Bis dahin ist aber noch fast ein Jahr Zeit. (hps)