Siebel-Aktionäre gegen Siebel

Der Hersteller von Kundenmanagement-Software Siebel muss sich vor Gericht fĂĽr seine Vergabe von Aktienoptionen an Mitarbeiter, insbesondere an Vorstandsmitglieder, verantworten.

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Von
  • Hans-Peter SchĂĽler

Der Hersteller von Kundenmanagement-Software Siebel muss sich vor Gericht für seine Vergabe von Aktienoptionen an Mitarbeiter, insbesondere an Vorstandsmitglieder, verantworten. Ein Gericht beim Firmensitz des Unternehmens im kalifornischen San Mateo hat am gestrigen Montag eine schwerwiegende Aktionärsklage gegen das Softwarehaus zugelassen. Die Lehrer-Pensionskasse von Lousiana hat im September 2002 eine Klage gegen das Unternehmen eingereicht, weil sich etwa dessen Chef und Firmengründer Tom Siebel von 1999 bis 2001 durch die ungerechtfertigte Wahrnehmung verbilligter Kaufoptionen um über 300 Millionen US-Dollar bereichert haben soll. Ähnlicher Praktiken beschuldigen die Kläger den gesamten Siebel-Vorstand, darunter auch Marc Racicot, voraussichtlicher Wahlkampfleiter für George W. Bushs Wiederwahl zum US-Präsidenten.

Laut Presseberichten vom vergangenen Jahr hat die Firmenspitze bis Ende 2001 so viele rabattierte Aktienoptionen verteilt, dass aus dem damaligen Nettogewinn von 255 Millionen US-Dollar ein Verlust von 467 Millionen Dollar geworden und der Aktienbestand um die Hälfte angewachsen wäre, wenn die Begünstigten von ihren Kaufrechten Gebrauch gemacht hätten. Analystenäußerungen suggerieren, die Ausgabe von Firmenanteilen sei eines von Siebels "Hauptprodukten", und der Chef selbst hatte vor Jahren gegenüber Pressevertretern erklärt, man habe ein Unternehmen im Mitarbeiter-Besitz aufbauen wollen.

Seitdem haben sich die Zeiten offenbar geändert. Im Januar hat sich Tom Siebel freiwillig von Aktienoptionen im Wert von 56 Millionen US-Dollar getrennt, wohl in der Hoffnung, damit ein formelles Verfahren und drohende Schadenersatzansprüche noch abzuwenden. Für 2002 und 2003 hat sich der Magnat gar mit einem symbolischen Jahresgehalt von jeweils einem US-Dollar begnügt. Vor einigen Wochen hat die Aktionärsverammlung Siebels Pläne zunichte gemacht, die Ausgabe von Anteilsoptionen als reguläre Kosten zu verbuchen und damit zu akzeptieren. Es kamen sogar weitere Vorwürfe auf, Tom Siebel habe illegitim Firmenkapital verwendet, um Propaganda für seinen Standpunkt zu machen. All dies, ebenso wie Siebels vergebliche Aufrufe an seine Vorstandskollegen, sie mögen doch die anrüchigen Vergünstigungen zurückerstatten, blieben jedoch ohne Erfolg: Das Verfahren ist für den 3. November anberaumt. (hps)