Studie: Minimale Belastung durch Mobilfunk-Antennen in Baden-Württemberg
Die Stärke elektromagnetischer Funkwellen beträgt in ganz Baden-Württemberg im Schnitt lediglich ein Hundertstel des zulässigen Grenzwerts, ergab eine Untersuchung des Landesamts für Umweltschutz.
Die Belastungen durch Mobilfunk-Sendemasten in Baden-Württemberg sind einer Studie des Umweltministeriums zufolge minimal. Die Stärke elektromagnetischer Funkwellen (TV, Radio, Funk, Handy) beträgt landesweit im Schnitt lediglich ein Hundertstel des zulässigen Grenzwerts. "Die Ergebnisse unseres Messprogramms haben bestätigt, dass nach heutigen Erkenntnissen von den Antennen des Handy-Netzes keine Gefahr ausgeht", sagte Umweltminister Ulrich Müller (CDU). Von 2001 bis 2003 war ein bundesweit einmaliges Funkwellen-Messprojekt durchgeführt worden. Im Südwesten gibt es 6.000 Mobilfunk-Sendeanlagen. Für den Aufbau des neuen UMTS-Netzes steigt die Zahl in den nächsten Jahren auf etwa 10.000.
Die Sorge vieler Menschen vor gesundheitlichen Risiken durch Elektrosmog sei verständlich, aber unbegründet. "Ob man mit Fakten Ängste bekämpfen kann, ist eine andere Sache", sagte Müller. Eine von Mobilfunkgegnern geforderte Herabsetzung der Grenzwerte sei nicht notwendig. Bei allen Messungen seien selbst die in der Schweiz geltenden Richtwerte, die zehn Mal strenger als die deutschen sind, unterschritten worden. "Wenn es ein Problem geben sollte, dann nicht bei den Antennen, sondern am Handy." Wissenschaftlich erwiesen ist, dass durch elektromagnetische Felder der Körper erwärmt wird. Gesundheitliche Risiken sind bislang aber nicht zweifelsfrei belegt.
Die von der Strahlenschutzkommission der Bundesregierung festgelegten Grenzwerte sollen eine mögliche Schädigung durch die thermische Wirkung verhindern. Ob die Vorsichtsmaßnahmen ausreichen, ist unter Wissenschaftlern umstritten. Manche Mediziner behaupten, die Strahlung sei für Schlaf-, Gedächtnis- oder Konzentrationsstörungen verantwortlich. Andererseits haben mehrere groß angelegte Studien ergeben, dass es nach heutigem Forschungsstand keine nachweisbaren gesundheitlichen Risiken gibt.
Von Oktober 2001 bis März 2003 waren an 895 Messpunkten in den Regionen Stuttgart, Mannheim/Heidelberg, Oberschwaben und Freiburg elektromagnetische Funkwellen ausgewertet worden. Das Messgebiet umfasste rund zehn Prozent der Fläche Baden-Württembergs, in der mit mehr als drei Millionen Einwohnern ein Drittel der Bevölkerung lebt. In einem Radius von zwei Kilometern war jeweils ein Messpunkt installiert worden. Die stärksten Strahlungen verursachten nicht Mobilfunkmasten, sondern TV- und Radioantennen. Das Land zahlte für die Studie des Landesamts für Umweltschutz (Karlsruhe) 340.000 Euro.
Um den Aufbau des neuen Mobilfunknetzes UMTS voranzutreiben, plant die CDU/FDP-Koalition die Abschaffung der Baugenehmigungen für Mobilfunkantennen. Der Landtag verabschiedet die Neufassung der Landesbauordnung voraussichtlich Ende des Jahres. Der Dachverband der Mobilfunkgegner in Baden-Württemberg (Mobilfunk Bürgerforum) lehnt dies ab. Kommunen und Bürger würden Mitspracherechte einbüßen. Das Forum fordert ein Verbot von Sendemasten in Wohngebieten sowie auf Dächern von Kindergärten, Schulen und Krankenhäusern. Bislang hatte die Telekombranche beim Aufbau ihrer Masten selten Probleme mit den Hauseigentümern. Bei Mietshäusern aber müssen - wegen der ungeklärten gesundheitlichen Folgen - alle Mieter einverstanden sein. Das Oberlandesgericht Hamm hatte im Vorjahr den Aufbau einer UMTS- Antenne auf Antrag eines Mieters gestoppt. Dieser war bei der Eigentümerversammlung überstimmt worden.
Bundesweit gibt es inzwischen rund 11.000 Bürgerinitiativen gegen Elektrosmog. Als Reaktion darauf hat der Telekom-Branchenverband Bitkom einen Arbeitskreis Mobilfunk und Gesundheit etabliert. Verbindliche Erkenntnisse über gesundheitliche Folgen des Mobilfunk-Booms erhoffen sich Befürworter und Gegner von einer Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO. Diese soll im kommenden Jahr veröffentlicht werden.
Zum Thema Mobilfunk und Elektrosmog siehe auch: (jk)
- Dauerstreit über das Gesundheitsrisiko Handy
- Stefan Gneiting, Simon Demmelhuber, Strahleninferno oder Öko-Funk?, UMTS und die Strahlendebatte, c't 3/2002, S. 82
- "Rinderstudie": Keine Schäden durch Elektrosmog - oder doch?
- Richard Sietmann, Störfunk fürs Gehirn, Mythos und Realität von Gesundheitsschäden durch elektronische Geräte, c't 14/2000, S. 218