Online-Abstimmung fĂĽllt die Reisekasse
Der ZDF-Reporter Dara Hassanzadeh will in 80 Tagen die Erde umrunden, die Hälfte liegt fast hinter ihm. Sein Tagesbudget weisen ihm die Leser einer Internetseite per Mausklick zu.
In 80 Tagen will er die Erde umrunden, die Hälfte liegt fast hinter ihm: ZDF-Reporter Dara Hassanzadeh eifert seit Mitte Juni Jules Vernes Romanheld Phileas Fogg nach und hat es auf Umwegen bis nach Lhasa im Himalaya geschafft -- Halbzeit einer abenteuerlichen Reise, deren Tagesbudget im Internet per Mausklick festgelegt wird.
Hassanzadeh schreibt täglich auf der Online-Seite des Magazins "ZDF.reporter" über seine Erlebnisse und bekommt von den Lesern dafür zwischen null und 100 Euro für seine Reisekasse zugesprochen. Zum Glück für den mit Laptop, GPS-Navigationsgerät und Digitalkamera ausgestatteten Reporter gab es bisher meist den Höchstsatz. "Einmal habe ich für drei Artikel nacheinander null Euro bekommen, da hatte ich aber schon einiges angespart", erzählt der Weltreisende, der sich gerade von einem Schwächeanfall im Himalaya erholt.
Im Sommer 2001 machte der aus Bad Dürkheim in der Pfalz stammende Reporter seine erste nicht alltägliche Sommerreise: Ohne Bargeld, nur mit Tauschware wie Kugelschreibern und T-Shirts bestückt, reiste er auf rund 12 000 Kilometern von Mainz bis nach Peking.
Schon damals berichtete Hassanzadeh im Internet während der Sommerpause des Fernsehmagazins "ZDF.reporter" täglich über seine Erlebnisse. In diesem Jahr hängt es nun von den Berichten ab, wie aufwendig der 30-Jährige reisen kann. Damit besonders begeisterte Leser die Abstimmung über das Reisebudget nicht mit mehreren Stimmen täglich manipulieren, kann von jedem Computer pro Tag nur ein Votum abgegeben werden. Mehrere hundert Leser beteiligen sich jeden Tag an der Abstimmung.
"Die Zahl der täglichen Leser unserer Internetseite ist natürlich viel höher, weil längst nicht alle mitstimmen", sagt Philipp Müller aus der Redaktion "ZDF.reporter", der die Berichte seines Kollegen bearbeitet und ins Internet stellt. Müller selbst war im vergangenen Sommer für das ZDF-Magazin als "Mietmensch" unterwegs und machte auf Wunsch der Internet-Leser alle erdenklichen Jobs -- als Tellerwäscher, Vortänzer oder Barmann.
Bei Hassanzadeh lief es zuletzt alles andere als glatt: Auf dem Weg von Kathmandu in Nepal nach China steckte er fest, weil ihn die chinesischen Behörden nicht als allein Reisenden nach Tibet lassen wollten. Schnell mit einem Flugzeug Zeit gut zu machen -- das war für Hassanzadeh nicht drin: Er reist auf den Spuren von Jules Vernes Romanfigur Phileas Fogg, dessen Abenteuer der französische Schriftsteller 1873 unter dem Titel "Die Reise um die Erde in 80 Tagen" veröffentlichte.
Vom Weg Foggs ist Hassanzadeh schon früh abgekommen: Von London aus ging nicht wie geplant über Nordafrika, Saudi-Arabien und Bombay in den Fernen Osten, sondern durch die Türkei und Iran. Gleich am Anfang der Reise verpasste der 30-Jährige in London den Zug nach Frankreich -- die Reiseplanung war schnell über den Haufen geworfen. "Von der eigentlichen Route ist nicht viel übrig geblieben", sagt Müller.
Am 5. August muss Hassanzadeh auf jeden Fall in Yokohoma in Japan sein, weil er von da aus in einem reservierten Frachter zehn Tage lang über den Pazifik nach San Francisco reisen will. Fünf Tage hat er dann Zeit, um von der West- an die Ostküste der USA zu kommen und dort am 20. August einen Frachter nach Antwerpen zu erreichen.
Am 1. September soll die Reise laut Plan in London zu Ende gehen. Damit das klappt, mietete Hassanzadeh in Nepal für 600 Dollar einen Kleinbus und bekam so auch als allein Reisender ein Gruppenvisum zur Einreise nach Tibet. "Schließlich hat auch Phileas Fogg ganze Schiffe kaufen und sogar verheizen müssen, um einmal um die Welt zu kommen", schreibt Hassanzadeh im Internet. (Thomas Struk, dpa) ()