RIPE spĂĽrt schlechte Marktlage

Der operative Arm des Reseaux IP Européen hat im vergangenen Jahr zum ersten Mal in seiner Geschichte Verluste gemacht.

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Von
  • Monika Ermert

Das RIPE NCC hat 2002 zum ersten Mal in seiner Geschichte Verluste gemacht. Im Jahresbericht und Ausblick auf 2003 beziffert der operative Arm des Reseaux IP Européen (RIPE) das Defizit auf rund 2,4 Millionen Euro. Die um rund 11 Prozent geschrumpften Einnahmen seien der Krise auf den TK-Unternehmen geschuldet, heißt es in dem Bericht. Dank satter Rücklagen konnte das RIPE NCC aber beim Personal weiter zulegen und damit die Reaktionszeiten auf Anfragen nach IP-Adressen -- die Hauptaufgabe von RIPE NCC -- zulegen. 2004 will man wieder mehr verdienen und rund eine halbe Million plus machen.

Vor allem kleinere Unternehmen sind die Verlierer der schlechten Marktlage. Ihre Zahl unter den zahlenden RIPE-Mitgliedern ging deutlich zurück. Ingesamt verbuchte das RIPE netto damit nur 147 Neuzugänge. 2001 waren es dagegen fast 600 gewesen. Für das laufende Jahr rechnet man sogar mit einem Nullwachstum oder sogar einem leichten Rückgang auf dann insgesamt 3250 Unternehmen. Auch geographisch ergab sich eine Verschiebung in der Mitgliedschaft, wie die Statistik zeigt: Neuzugänge verbucht man derzeit eher in Osteuropa. Für das kommende Jahr sollen die Mitgliedsbeiträge etwas günstiger werden.

Auf die verkürzten Reaktionszeiten bei Anfragen verweist das RIPE NCC natürlich mit besonderem Stolz. Innerhalb eines Jahres hat man diese von rund einer Woche auf ein bis zwei Arbeitstage verkürzt, obwohl die Zahl der Anfragen zugenommen hat. Zusätzlich zur bisherigen Vergabe von Ipv4-Adressen (2002 waren es ingesamt mehr als 20 Millionen) kommen nun mehr und mehr die Vergabe von neuen Ipv6-Adressen und die Delegation von ENUM-Adresszonen. Keine andere Regional Internet Registry (RIR) hat so viele Ipv6-Blöcke vergeben wie die Registry in Amsterdam. 2002 hat man insgesamt 70 /32-Blöcke vergeben.

Trotz der positiven Bilanz nennt der Jahresbericht das laufende Jahr ein "Jahr der Veränderungen für das RIPE NCC". Bei der Generalversammlung im September sollen die Weichen für eine stärkere regionale Repräsentanz und einen Ausbau der Internet-Traffic-Analysen und daraus resultierende Informationsdienste gelegt werden. Man reagiere mit den Veränderungen auf eine Mitgliederumfrage des Beratungsunternehmens KPMG.

Auch das veränderte Umfeld in der Internet-Selbstregulierung verlangt eine Antwort. Ein besonderes Augenmerk liegt auf dem Verhältnis zur Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN), deren Reform allen RIRs einiges Bauchweh bereitet hatte. "Es bleibt abzuwarten, ob und wie die Vorschläge der RIRs von ICANN umgesetzt werden", schreibt RIPE NCC Geschäftsführer Axel Pawlik zu der leidigen Frage. Beim jüngsten RIPE-Treffen in Barcelona hatte Pawlik auch betont, dass man die eigene Expertise stärker einsetzen wolle, um das Selbstregulierungsmodell der RIRs den über Regulierung nachdenkenden Regierungen nahe zu bringen. (Monika Ermert) / (anw)