Die Open Group in der Sinnkrise
Open-Source-Experte Bruce Perens findet, dass die Aktivitäten der Open Group nicht ausreichend den Namen der Organisation widerspiegeln. Er will die Besitzer der UNIX-Marke auf den rechten (Open-Source-) Weg bringen.
Eine Strategie ist etwas Feines, dachte sich die Open Group. Und sie ist optimal, wenn der Name einer Organisation sie widerspiegelt. So machte sich im Auftrag der Vereinigung der Open-Source-Protagonist Bruce Perens an die Arbeit, ein Open-Source-Strategiepapier für die mittlerweile etwas von der Realität überholte Open Group zu entwerfen. Die Organisation ist seit 1994 im Besitz der Marke "UNIX". Wegen dieser Marke und dem zugehörigen UNIX-Zertifizierungsprogramm legt man sich auch schon einmal mit Apple an, damit deren Mac OS X nicht etwa ohne Zertifizierung UNIX genannt werde.
Es sei die primäre Aufgabe der Organisation, leitet Perens nun sein Dokument über die Open Group und Open Source ein, ihren Mitgliedern beim Gebrauch von Open-Source-Software und bei der Teilnahme an der Open-Source-Gemeinde eine Stütze zu sein. Niemand hätte voraussehen können, dass Open Source ein derart frappierender Erfolg beschert werden würde -- und tief greifende Änderungen in der Praxis nach sich gezogen habe. Nun sei es an der Zeit aufzuholen und den Open-Source-Gedanken in die Open Group zu integrieren: "Wenn nicht, ist es an der Zeit den Namen unserer Organisation zu ändern."
Zunächst sei festzuhalten, dass Open Source keinen Selbstzweck habe, fährt Perens fort. Alle Mitglieder seien von den Vorteilen von Open-Source-Software (OSS) überzeugt, etwa dass OSS mit geringeren Kosten als proprietäre Produkte verbunden sei oder im Vergleich mehr Funktionalität biete. Dennoch solle man nicht vergessen, dass einige der Mitglieder ihr Geld mit proprietären Produkten verdienten und deshalb der Open-Source-Bewegung gegenüber nicht einhundertprozentig aufgeschlossen seien.
Open Source manifestiere sich in drei Facetten, schreibt Perens. Zum Ersten seien die Open-Source-Methoden als Grundlage der OSS-Entwicklungsprozesse zu erwähnen. Hier könnten die Hersteller noch viel von den oft weltweit verstreuten Programmierern lernen, die mit minimalem technischen Einsatz exzellente Software-Produkte hervorbrächten. In diesem Bereich gelte es bei den Herstellern doppelte Arbeiten zu verhindern, die geistige Kapazität der Entwickler besser auszureizen und die Zufriedenheit der Mitarbeiter zu erhöhen. Perens schlägt daher ein Programm namens Inner Source vor, in dessen Rahmen einzelne Unternehmen die Entwicklungsmethoden der Open-Source-Gemeinde umsetzen lernten.
Zum Zweiten spricht Perens die Lizenzierungsproblematik an. Hier habe sich gezeigt, dass alle Beteiligten von der Fairness der Open-Source-Lizenzen profitierten. Selbst Wettbewerber hätten sich dank Open Source zu gemeinsamen Projekten zusammengefunden. Aber die Zusammenarbeit lässt sich nach Meinung von Perens noch weiter ausbauen, etwa durch Standardisierung der Lizenzen, die einen weitergehenden Austausch von Quellcode erlaubten. Interessengruppen sollten sich daher formieren, die sich der Standardisierung, Zertifizierung und Lizenzierung annehmen.
Zu guter Letzt hebt Perens auf die Open-Source-Gemeinde ab: Eine passende Strategie müsse dafür Sorge tragen, dass jedes einzelne Mitglied einen Nutzen daraus ziehen kann. Auch hier schlägt Perens die Bildung von Interessengemeinschaften vor, die sich einerseits mit den geschäftlichen Anforderungen an OSS auseinandersetzen und andererseits darauf hinarbeiten sollten, die Open Group bekannter zu machen.
Perens Strategiepapier befindet sich ausdrücklich im Entwurfsstadium. Wer Anmerkungen oder Verbesserungsvorschläge loswerden will, kann diese an die E-Mail-Adresse os-strategy@opengroup.org richten. (ola)