Spiegel von DNS-Root-Server in Korea
Ein Spiegel des J-Root-DNS-Servers bei der sĂĽdkoreanischen ccTLD-Registry KrNIC soll die Antwortzeiten im DNS verbessern und Auswirkungen von DDoS-Angriffen abfangen.
Die südkoreanische ccTLD-Registry KrNIC wird ab Ende des Jahres einen Spiegel der Rootzone des Domain Name System (DNS) beherbergen. Das teilten VeriSign, das koreanische Ministery of Information and Communication (MIC) und das koreanische NIC, Registrierstelle für kr-Adressen, in Seoul mit. Der Spiegel des J-Servers -- um diesen handelt es sich nach Auskunft von VeriSign-Sprecher Chris Parente -- soll die Antwortzeiten bei Domainabrufen für koreanische und andere asiatische Nutzer deutlich verkürzen, da sie nicht mehr über die USA, Japan oder Europa geroutet werden müssen. Schon seit langem haben gerade asiatische Länder auf eine bessere Dezentralisierung der 13 Root-Server des DNS gedrängt. Zehn davon stehen nach wie vor in den USA; VeriSign betreibt zwei davon, allen voran den in letzter Instanz für gültige DNS-Antworten zuständigen A-Root-Server.
Mit der Vergabe des Spiegels nach Korea folgt VeriSign dem Beispiel der Bind-Schmiede Internet Software Consortium, die den F-Root betreibt, und des RIPE NCC in Europa, zuständig für den K-Root. Sie lassen eine dezentralisierte Abfragen nach den Adresszonen im Netz bereits zu. Die Betreiber bedienen sich dazu eines Anycast-Systems. Der F-Root wird unter anderem in Hongkong und in Rom gespiegelt. VeriSigns Sprecher betonte, die Überlegungen des Unternehmens seien unabhängig von dem Vorgehen anderer Root-Server-Betreiber. Der Internet-Verkehr in Asien wächst überproportional schnell, durch den Spiegel sollen die DNS-Zugriffszeiten daher gesenkt werden. Außerdem würden dadurch negative Effekte von DDoS-Attacken in Korea abgemildert, heißt es bei VeriSign.
KrNIC habe man nach sorgfältigen Überlegungen unter mehreren Kandidaten ausgewählt, teilte Parente auf Anfrage von heise online mit. "Viele Kriterien haben dabei eine Rolle gespielt, darunter das technische Know-How, die Zuverlässigkeit der Systeme in der Vergangenheit und die physikalische Sicherheitsvorkehrungen des zukünftigen Standorts." Welche anderen Bewerber es dabei gab, ist nicht bekannt. VeriSigns Verhältnis zu China ist allerdings seit dem Streit um internationale Domains getrübt, beim CNNIC ist nun vor allem Konkurrent Neustar als Technikpartner aktiv.
Nicht zuletzt bietet sich Südkorea wegen seines enormen Internet-Ausbaus und wegen seiner beachtlichen Schnelligkeit beim Einsatz neuer DNS-Techniken als Standort eines Root-Spiegels an. Kyung-won Chung, Generaldirektor Information Infrastructure im MIC sagte: "64,1% der Menschen in Korea haben Internet-Zugang, und mehr als 10 Millionen Haushalte nutzen einen Breitbandanschluss. Deshalb sind wir zu der Überzeugung gekommen, dass ein direkter DNS-Zugriff ein wichtiger Faktor für die Sicherung der Internetkonnektivität in Korea ist." Auch Nutzer in den übrigen asiatischen Ländern würden von dem neuen Spiegel profitieren, sagte Chung. Für kommende Woche kündigte das MIC außerdem den Start koreanischer Adressen an; auch bei den Telefonnummern-Domains via ENUM will man bereits 2004 in den Regelbetrieb. (Monika Ermert) / (jk)