Flackernde Versorgung

Nach dem Blackout: Auf dem New Yorker Times Square fingen um etwa 8 Uhr Ortszeit die Videotafeln wieder an zu flackern, aber in Detroit könnte es noch bis Sonnabend dauern, bis die Stromversorgung wieder funktioniert.

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Von
  • Wolfgang Stieler

Nach dem Stromausfall: Während New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg bereits Aufzeichnungen seiner aktuellen Pressekonferenz im Internet aussenden ließ, war die Website der kanadischen Regierung in Ottawa bis zum Mittag offline. Die Energieversorgung in den vom dem flächendeckenden Stromausfall von gestern Abend betroffenen Regionen ist erst zum Teil wieder hergestellt -- auf dem New Yorker Times Square fingen um etwa 8 Uhr Ortszeit am Morgen die Videotafeln wieder an zu flackern, aber in Detroit könnte es laut CNN noch bis Sonnabend dauern, bis die Stromversorgung wieder funktioniert.

Unterdessen geht das Rätselraten über den eigentlichen Auslöser der sich lawinenartigen ausbreitenden Netzabschaltung und der daraus resultierenden Stromausfälle weiter. Der North American Electric Reliability Council sieht die Ursache in einem Kraftwerk am Lake Erie in Ohio -- Einzelheiten will die Gruppe noch im Rahmen einer Pressekonferenz mitteilen. Kanadische und US-amerikanische Offizielle schieben sich gegenseitig die Schuld zu: Das Büro des kanadischen Premierministers ließ verlauten, ein Blitz habe ein US-Kraftwerk bei Niagara Falls lahmgelegt. Der Gouverneur des Staates New York wies die Vorwürfe zurück, und erklärte, das Kraftwerk arbeite einwandfrei. Wenig später erklärte der kanadische Verteidigungsminister, ein Brand in einem Atomkraftwerk in Pennsylvania habe den Stromausfall ausgelöst -- später sprach er nur noch vom Ausfall eines AKWs in Pennsylvania.

Das Wall Street Journal zitiert nicht namentlich genannte Experten, die das US-Leitungsnetz gegenüber terroristischen Attacken für sehr verletzlich eingestuft hatten. Koordinierte Angriffe auf neuralgische Punkte könnten zu Stromausfällen in mehreren US-Bundesstaaten führen, allerdings seien sehr spezielle Kenntnisse der Infrastruktur notwendig, um solche Angriffe tatsächlich ausführen zu können. Ein FBI-Experte erklärte, man habe sich beim Schutz der Infrastruktur im Wesentlichen auf Atomkraftwerke konzentriert. Wenn man versuche "jeden Transformator" zu schützen, werde der Strom letztendlich unbezahlbar.

Neben einem möglichen Zusammenhang mit dem Wurm W32.Blaster kommt zusätzlich auch in Frage, dass die Netzbetreiber ihre Anlagen am Rande einer Überlastung gefahren haben, um unpopuläre Stromabschaltungen wie im Winter 2001 in Kalifornien zu vermeiden. Allerdings soll gerade die Netz-Kontrollsoftware den Ausfall ganzer Bereiche auf Grund von Problemen in einem Kraftwerk oder in Teilbereichen eines Stromnetzes verhindern.

Siehe dazu auch in Telepolis: (wst)