Mobilfunkforschung nach Wunsch
Das Bundesamt für Strahlenschutz will bei der Erweiterung des EMF-Forschungsprogramms auch online eingereichte Vorschläge von Bürgern berücksichtigen.
Während die Öffentlichkeit bei der Festlegung von Mobilfunkstandorten noch wenig Einfluss hat, will das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) jetzt in seinem Einflussbereich zeigen, dass es auch anders geht: Ein neu eingerichtetes Portal zum EMF-Forschungsprogramm informiert nicht nur, sondern stellt auch die Vorschläge des BfS und der Strahlenschutzkommission (SSK) zur weiteren Entwicklung der deutschen Mobilfunkforschung öffentlich zur Diskussion. "Alle bis zum 16. September eingegangenen substantiellen Anregungen werden wir in unsere Diskussion aufnehmen", versichert Wolfram König, Präsident des BfS. Die Ergebnisse der Internet-Öffentlichkeitsbeteiligung sollen in ein Fachgespräch im September einfließen.
Das BfS will danach die Schwerpunkte für eine Erweiterung des Forschungsprogramms festlegen, das im Jahr 2002 als Teil des Umweltforschungsplans des Bundesumweltministeriums angelaufen ist. Die Mobilfunknetzbetreiber hatten sich im Dezember 2001 verpflichtet, für das laut BfS unabhängige Programm die Hälfte der Kosten in Höhe von 17 Millionen Euro zu übernehmen. Nach einem ersten BfS-Fachgespräch im Juni 2001 hatte das Bundesamt die Forschungsfelder "Wirkungsmechanismen der hochfrequenten Felder", "Auswirkungen bei Tieren und Menschen", "epidemiologische Untersuchungen", "Erfassung der Exposition", "Elektrosensibilität" sowie "Risikokommunikation" festgelegt. Das neue Portal soll auch einen Überblick geben über das, was hierzu bereits läuft oder geplant ist, sowie demnächst Stellungnahmen des BfS zu den Ergebnissen der Vorhaben des Mobilfunk-Forschungsprogramms und zu Veröffentlichungen anderer nationaler und internationaler Arbeitsgruppen zugänglich machen.
Wissenschaftlich belegt sind bisher lediglich thermische Wirkungen der elektromagnetischen Felder des Mobilfunks, die als Basis für die derzeit angewandten Grenzwerte herangezogen wurden. Weitere Forschungen sollen die möglicherweise auch unterhalb der gültigen Grenzwerte vorhandenen Wirkungen elektromagnetischer Felder auf den menschlichen Körper untersuchen. Ergebnisse sind allerdings erst in zwei bis fünf Jahren zu erwarten.
Parallel sollten nach Ansicht des BfS Vorsorgemaßnahmen getroffen werden. Um die Ansichten hierzu von Verbänden, Initiativen, Wissenschaftlern, Behörden und Mobilfunkbetreibern zu sammeln, gab das BfS eine im vergangenen Herbst vom Ecolog-Institut durchgeführte Umfrage in Auftrag. Diese ergab eine Fülle von mehr oder weniger realistischen Vorschlägen, die in einer Studie (PDF) zusammengefasst und vom BfS bewertet wurden. (anm)