Spiegelreflex-Digicam mit 6 Megapixel für den Massenmarkt
Canon verlangt für die EOS 300D, eine digitale 6-Megapixel-Spiegelreflexkamera mit Wechselobjektiven, einen für heutige Verhältnisse niedrigen Preis von 1199 Euro.
Canon hat heute die EOS 300D angekündigt, eine digitale 6-Megapixel-Spiegelreflexkamera mit Wechselobjektiven und mit einem für heutige Verhältnisse bahnbrechenden Preis von 1199 Euro für den Kamera-Body einschließlich 18-55-mm-EF-S-Objektiv. Damit siedelt sich das Gerät in direkter Konkurrenz zu den gehobenen Sucherkameras à la Minolta DiMAGE A1 an, bietet aber die von der EOS 10D bekannte CMOS-Sensortechnologie, also einen Bildaufnehmer mit 6,3 Millionen Pixeln im großen Format von 22,7 mm× 15,1 mm. Daraus ergibt sich auch hier eine Brennweitenverlängerung der eingesetzten Objektive um den Faktor 1,6. Zudem zeichnet sich Canons CMOS-Sensortechnologie durch eine besondere Rauscharmut auch bei hohen Empfindlichkeitseinstellungen aus.
Der Funktionsumfang der EOS 300D ist gegenüber der größeren Schwester nur mäßig reduziert; allerdings muss sie auf das robuste Magnesium-Gehäuse verzichten und kommt im Kunststoff-Gehäuse und -Chassis daher. Auch die programmierbaren Individualfunktionen der 10D entfallen. Ansonsten bietet die EOS 300D einen 7-Punkt Autofokus mit Messfeldmarkierung im Sucher, 35 Messfelder für die Belichtungsmessung und den aus den neueren PowerShot-Modellen bekannten DIGIC Bildprozessor für schnelle Datenverarbeitung. Die Aufnahmefrequenz soll 2,5 Bilder pro Sekunde betragen, allerdings reicht der Bildpuffer hier nur für 4 Aufnahmen. Gespeichert wird auf CompactFlash-Karten vom Typ I und II in vier Auflösungsstufen und wahlweise im RAW-Format. Das Gesichtsfeld des Suchers umfasst 95 Prozent der tatsächlichen Aufnahme. Der mechanische Verschluss bietet Belichtungszeiten zwischen 1/4000 und 30 Sekunden, und die Kamera ist in das E-TTL-Blitzsystem eingebunden. Der integrierte Miniblitz soll eine Leitzahl von 13 besitzen.
Das TFT-Display ist, zusammen mit einem beleuchtbaren LC-Datendisplay, fest auf der Rückseite der Kamera angebracht und bietet bei 1,8 Zoll Größe 118.000 Pixel Auflösung. Die PC-Verbindung erfolgt über eine USB-Schnittstelle, zudem gibt es einen Video-Ausgang. Die Energie bezieht die EOS 300D aus einem LiIon-Akku. Der Kamerabody soll nur 560 Gramm wiegen und damit 230 Gramm leichter als die EOS 10 D sein. Die Amessungen betragen 142 mm× 99 mm× 73 mm (B × H × T).
Der günstige Set-Preis, der mit 1199 Euro nur 100 Euro über dem Preis für den Kamera-Body allein liegt, resultiert auch aus dem Einsatz eines neuen Objektivtyps, der nur an der EOS 300D einsetzbar ist. Hier nutzt der Hersteller die gegenüber dem Kleinbildformat reduzierte Sensor- und damit auch Spiegelgröße aus und konstruiert ein kompakteres Objektiv mit geringerem Abstand zum CMOS-Sensor. Diese "Short-back-focus"-Technologie liefert das "S" im Namen der neuen "EF-S"-Objektivreihe, die über das ausschließlich im Set zu erhaltende EF-S 18-55 f/3,5-5,6 hinaus ausgebaut werden soll. Einschließlich Brennweitenverlängerung deckt das Starter-Objektiv einen KB-Brennweitenbereich zwischen 28 und 90 mm ab. Aus Kostengründen sind normale Ringmotoren und kein Ultraschall-Antrieb verbaut. Vorhandene Canon-EF-Autofokusobjektive sind übrigens abwärtskompatibel und können an der EOS 300D weiterbenutzt werden.
Canon sieht seine EOS 300D als wichtigste Neuerscheinung "seit 1976 die AE1 herausgebracht wurde" und will sie als "die Kamera in die Geschichte eingehen [lassen], durch die der Wechsel von analogen Spiegelreflexkameras zu digitalen Systemen unwiderruflich vollzogen wurde". Unterfüttert wird dies durch optimistische Prognosen zur Umsatzentwicklung: Bis Ende des Jahres rechnet der Hersteller mit 400 bis 500 Prozent Stückzahlwachsum bei den digitalen Spiegelreflexkameras im Vergleich zu 2002. Vor allem die signifikante Preissenkung durch die EOS 300D begründe diese Erwartung. (Dr. Klaus Peeck) / (jk)