Behindertengerechte Anpassung für Unix/Linux-Desktop KDE
KDE 3.2 soll weitere Verbesserungen für Behinderte bringen, die KDE-Unterstützung für das Assistive Technologies Service Provider Interface befindet sich aber noch in einem frühen Planungsstadium.
Auf einem Vortrag während der KDE-Entwicklerkonferenz in Novè Hrady stellte der auf behindertengerechte Anwendungen spezialisierte Entwickler Gunnar Schmidt die erzielten Fortschritte vor, den Unix/Linux-Desktop behindertengerechter zu gestalten. So lässt sich bereits seit den frühen KDE-Versionen jede Schrift am KDE-Desktop in ihrer Größe verändern, was stark sehbehinderten Benutzern das Lesen am Bildschirm ermöglicht.
In einem frühen Planungsstadium befindet sich die KDE-Unterstützung des AT-SPI-Protokolls (Assistive Technologies Service Provider Interface). Damit soll spezielle, behindertengerechte Software mit normalen Anwendungsprogrammen Daten austauschen können. Screenreader und Head-Point-Devices sowie die Braille-Zeile, die die Schrift des Bildschirms in Blindenschrift umsetzt, sind denkbare Anwendungen dieser Technik.
Mit der aktuellen KDE Version 3.1 können spezielle Hilfen bei den Eingabegeräten aktiviert werden. So ist etwa eine Feststellfunktion für die Shift- und Control-Taste enthalten sowie die Möglichkeit, die Tastatur langsamer abzufragen. Damit wird bei einer etwas zittrigen Eingabe eine mehrfache Erkennung eines Tastendrucks verhindert. Diese Tastaturhilfen kommen Anwendern mit motorischen Störungen entgegen. Außerdem kann die Bildschirmdarstellung so eingestellt werden, dass die Darstellung der Grafikelemente mit großem Kontrast erfolgt. In der im Dezember erscheinenden KDE Version 3.2 wird es vorgefertigte Themes "black on white" sowie "white on black" für Sehbehinderte, zusätzlich noch "yellow on blue" für Farbschwache geben.
Mit dem Paket kdeaccessibility stehen bereits drei Hilfsprogramme zur Verfügung: KMouth wird als grafisches Frontend zur Sprachsynthese eingesetzt; KMagnifier stellt einen Bereich des Bildschirms extrem vergrößert dar, was jedoch beim Einsatz von Antialias-Schriften zu Artefakten führen kann. Mit dem KMousetool schließlich wird der Mausklick automatisch ausgeführt, sobald der Mauszeiger eine einstellbare Zeit über einem klickbaren Element verweilt. (Michael Renner) / (jk)