Elektronik-Industrie wünscht sich "endlich Ruhe an der Preisfront"
Die Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu), Veranstalter der IFA, gab heute die bundesdeutschen Marktdaten für das erste Halbjahr 2003 bekannt.
Angesichts zweistelliger Umsatzrückgänge bezeichnete der Leiter des IFA-Messeausschusses und Vorsitzende des Fachverbands Consumer Electronics im ZVEI, Hans-Joachim Kamp, das erste Halbjahr als kritisch. Bei Röhren-Farb-TV-Geräten musste der Handel auf dem bundesdeutschen Markt Einbußen von 15 Prozent auf gut eine Milliarde Euro hinnehmen, bei Videorecordern um 30 Prozent auf 104 Millionen Euro und bei Camcordern um 17 Prozent auf 204 Millionen Euro. Im HiFi-Bereich verfehlte der Umsatz von 467 Millionen Euro den des gleichen Vorjahreszeitraums um fünf Prozent.
In anderen Bereichen registriert der Verband jedoch ein erhebliches Wachstum. Zu den absoluten Rennern zählten nach Angaben Kamps LCD-Fernsehgeräte, für die in Deutschland im ersten Halbjahr insgesamt bereits 49 Millionen Euro ausgegeben wurden, ein Anstieg um 360 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die zweithöchste Zuwachsrate mit plus 220 Prozent auf 89 Millionen Euro verbuchten Plasma-TV-Geräte für das Kino-Erlebnis daheim; Platz drei belegte die Frontprojektion mit einem Plus von 190 Prozent auf 22 Millionen Euro, und für Rückprojektionsgeräte gaben die Käufer 69 Millionen Euro aus, zwei Prozent mehr als 2002.
Unter dem Strich gingen die Umsätze im Bereich der klassischen Unterhaltungselektronik im ersten Halbjahr 2003 jedoch um sechs Prozent auf rund 3,73 Milliarden Euro zurück. Nicht ganz so negativ war die Entwicklung, wenn man die Konsumelektronik insgesamt betrachtet: Unter Einbeziehung des Handy-, PC- und Digitalkamera-Marktes belief sich das Marktvolumen im ersten Halbjahr auf 7,95 Milliarden Euro. Das entspricht einem Minus von knapp zwei Prozent.
Auch hier zeigt sich eine unterschiedliche Tendenz: Während der Absatz digitaler Fotoapparate einen Umsatzsprung von 40 Prozent auf 512 Millionen Euro machte, fiel das Geschäft mit Heim-PCs um fünf Prozent auf knapp 2,1 Milliarden Euro zurück. Die User veredeln offenbar zunächst das Vorhandene, denn für Peripheriegeräte wie Drucker oder Scanner gaben sie mit 720 Millionen Euro acht Prozent mehr aus.
Bis zum Jahresende erwartet Kamp, dass sich die Lage insgesamt verbessert, wenn nach der IFA das Herbst- und Weihnachtsgeschäft einsetzt und die Verbraucher die in Erwartung der neuesten Produktgeneration aufgeschobenen Käufe nachholen. Die Prognose lautet, dass der Gesamtumsatz in der Konsumelektronik sich um 1,4 Prozent auf 19,32 Milliarden Euro erhöhen wird und in der klassischen Unterhaltungselektronik die Schrumpfung des Marktvolumens auf ein Prozent beschränkt bleibt.
Bei der Vorlage der Branchendaten zeigte sich Kamp, der zugleich Geschäftsführer der Philips GmbH ist, nicht nur mit der Verunsicherung des Konsumklimas durch die Steuer- und Sozialreformdebatte unzufrieden, sondern auch mit der Preispolitik in den eigenen Reihen. "Wir brauchen endlich Ruhe an der Preisfront", meinte er. "Niemandem ist damit gedient, dass die Preise durch ruinösen Wettbewerb ständig nach unten tendieren." Innovationen seien nur von den Markenherstellern zu erwarten. Und wer als Kunde Billigangeboten folge und No-Name-Produkte kaufe, müsse wissen, dass er häufig auf Qualität, günstige Verbrauchswerte und garantierte Ersatzteilversorgung verzichte, ist sich zumindest Kamp sicher. (Richard Sietmann) / (jk)