Nieder mit dem Weltspartag!

"Spare in der Zeit, dann hast du in der Not", heißt es. Jetzt haben wir Krise, also Not. Deshalb lautet das Gebot der Stunde, das Geld unter die Leute zu bringen. Daher: Nieder mit dem Weltspartag!

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Lesezeit: 3 Min.
Von
  • Damian Sicking

Lieber Fachhandelsunternehmer Oliver De Girolamo,

morgen, am 30. Oktober, ist wieder Weltspartag. Ich möchte Sie heute schon darauf hinweisen, damit Sie sich darauf einstellen können.

Der Weltspartag mag einmal eine gute Idee gewesen sein und seine Berechtigung gehabt haben. Vielleicht. Doch das ist vorbei. Sparen ist out, total out. Deshalb fordere ich an dieser Stelle ganz offiziell die Abschaffung des Weltspartages. Zumindest vorübergehend. Warum? Ganz einfach. Wir alle kennen den Spruch "Spare in der Zeit, dann hast du in der Not". So, und was wir heute haben, ist ja wohl ganz eindeutig Not (Krise), oder sind Sie anderer Meinung? Das Gebot der Stunde ist daher, das Geld, welches wir "in der Zeit" – also in guten Zeiten – gespart haben, auszugeben. Heute lautet die Handlungsmaxime nicht Sparen, sondern Konsumieren und Investieren. Raus mit der Kohle, zum Wohle Deutschlands und zu unserem Vergnügen. Oder nicht?! Lieber Herr De Girolamo, wenn wir jetzt auch noch anfangen sollen, nicht nur "in der Zeit", sondern auch noch "in der Not" zu sparen, also bitte, man kann es auch wirklich übertreiben!

Außerdem ist Sparen überhaupt total veraltet, "d-markig" sozusagen. "Schulden machen" und "auf Pump leben" dagegen ist modern und auch viel besser, gerade unter volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten. Zumindest ist das doch die Lektion, die uns unsere Politiker derzeit erteilen. Daher brauchen gerade unsere Kinder, für die der Weltspartag ja eigentlich erfunden wurde, völlig neue Lerninhalte, wenn´s ums Geld geht: Nicht Sparen, sondern die "hohe Kunst des Schulden machens“ sollte auf dem Stundenplan ganz oben stehen.

Die Finanzinstitute wissen längst, dass die Zeit des Sparens vorbei und der Weltspartag eigentlich nur noch von historischer Bedeutung ist. Es gibt noch einige verzweifelt anmutende Versuche, den Weltspartag zu modernisieren, wie zum Beispiel den des Wiener Spar- und Kreditinstituts, dessen Vorstandsdirektorin Dr. Ilse A. Vigl in diesem Jahr den "Weltspartag der Frauen" ins Leben gerufen hat. Finde ich persönlich ja ein bisschen diskriminierend.

Nein, es bleibt dabei: Sparen ist out. Das liegt ja immer öfter auch daran, dass einfach nichts mehr da ist, was gespart werden kann. Blicken wir doch nur in Deutschlands Firmen. Wo, frage ich Sie, soll da noch gespart werden? Bei den Druckern, sagte vergangene Woche HP-Geschäftsführer Heiko Meyer. Mag sein, dass er Recht hat, vielleicht aber auch nicht. Wenn er Recht hat, dann hilft dies dem IT-Handel auch nicht, eher im Gegenteil. Für die deutschen IT-Händler ist ja ohnehin jeder Tag Weltspartag.

Gut, was können Sie tun, lieber Herr De Girolamo, und zwar kurzfristig? Das Ziel muss sein, möglichst viele Spargroschen der Verbraucher in Ihre Ladenkasse umzuleiten. Wie kriegt man das hin? Warum nicht Ihren Azubi mit einem Schild vor Brust und Rücken vor die größte Sparkassenfiliale am Ort postieren? Auf dem Schild ein Spruch wie "Wozu sparen? Bei uns finden Sie tolle Sachen, die Ihr Leben reicher machen." Irgend etwas in der Richtung. Ihnen wird sicherlich etwas einfallen. Denn die Not soll ja auch etwas Gutes gaben: Sie macht erfinderisch.

Beste Grüße

Damian Sicking

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