Tiscali bestätigt Kündigungen (Update)
Der Internetanbieter baut das Geschäft mit den Firmenkunden nicht weiter aus; nach einer Neuausrichtung will Tiscali praktisch nur noch Privatkunden ansprechen.
Der deutsche Ableger des italienischen Internetproviders Tiscali steht vor einer Strategieänderung, die ungefähr 70 der zurzeit etwa 300 Mitarbeitern den Arbeitsplatz kostet. Der bisherige Geschäftsführer Diethelm Siebuhr hat das Unternehmen bereits verlassen. Auf dem Gerüchteportal Dotcomtod etwa wird spekuliert, dass der vor einigen Wochen festgestellte Fehlbetrag von monatlich 600.000 Euro, der aufgrund von Fehlbuchungen längere Zeit übersehen wurde, Hintergrund für die personellen Veränderungen gewesen sei. Gut informierte Kreise widersprachen gegenüber heise online allerdings dieser Darstellung. Vielmehr habe im Management nun eine Fraktion das Heft an sich gerissen, die im Geschäft mit Unternehmenskunden keine Zukunft sehe. Seit zwei Jahren habe es hinter den Kulissen Flügelkämpfe in der Geschäftsführung gegeben.
Dass die bis zu 70 Kündigungen tatsächlich nur Mitarbeiter im Business-to-Business-Segment des Unternehmens betreffen, bestätigte Tiscali-Sprecherin Kathrin Aue auf Anfrage von heise online. "Von der Neuausrichtung sind 70 Mitarbeiter betroffen, wir suchen für so viele wie möglich aber neue Stellen im Unternehmen", sagte sie. Wie die Neuausrichtung genau aussehen werde, wollte sie nicht verraten. Die rund 3000 Firmen, die Tiscali als Internetprovider nutzen, bräuchten sich allerdings keine Sorgen zu machen. Das Angebot werde aufrecht erhalten, aber eben nicht mehr ausgebaut.
Nach Informationen aus Firmenkreisen wird das Geschäft mit den Schwerpunkten New Media (Streaming) und Mobility gestärkt. Den Weg weist vermutlich das Angebot Mobile Office Gateway, das Tiscali in einer Partnerschaft mit IBM entwickelt hat und seit kurzem anbietet. Für diesen Bereich sind am Standort München angeblich auch gerade erst 20 neue Mitarbeiter rekrutiert worden. (tol)