Koscheres Licht

Befinden sich moderne Technik und konservative religiöse Prinzipien auf Kollisionskurs?

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Von
  • Peter Glaser

Die britische Schuldirektorin Dr. Dena Coleman und ihr Mann Gordon haben ihre Hausverwaltung verklagt, weil die ein ĂĽber einen Bewegungsmelder gesteuertes Treppenhauslicht hatte installieren lassen, um Energie und Kosten zu sparen. Die Colemans beklagen, dass sie nun an Samstagen in ihrer Wohnung eingesperrt seien.

Das Licht einzuschalten bedeute für sie als orthodoxe Juden einen schwerwiegenden Verstoß gegen ein religiöses Gebot. Von Freitagabend nach Sonnenuntergang bis Samstagabend, wenn die ersten drei Sterne am Himmel zu sehen sind, an Sabbat also, ist es orthodoxen Juden unter anderem nicht erlaubt, Feuer anzuzünden – darunter fällt heutzutage auch das Einschalten von elektrischem Licht. Das Ehepaar sieht sich in seinen Menschenrechten verletzt. Die 35 Miteigentümer wurden aufgefordert, die Hausverwaltung zur Installation eines speziell anzufertigenden Überbrückungsschalters zu veranlassen, der den Bewegungsmelder an Sabbat außer Kraft setzt. (Bei der Unterkunft in der Wohnanlage handelt es sich um die Ferienwohnung von Familie Coleman.)

Sind moderne Technik und konservative religiöse Prinzipien inkompatibel? Die Frage, wie man zum Teil jahrtausendealte Regeln zeitgemäß auslegt, wird immer wieder neu verhandelt. Wobei "zeitgemäß" heute unumgänglich heißen sollte: im Sinne eines demokratischen Zusammenlebens unterschiedlich denkender Menschen. Und Demokratie muss die Gemeinsamkeiten fördern, nicht die Unterschiede. Oft finden sich pragmatische Lösungen, mit denen sich religiöse Anweisungen alltagstauglicher machen lassen, ohne die strengen Buchstaben des Gesetzes zu verletzen.

Auch orthodoxe Juden sind keineswegs Maschinenstürmer. "Im Bus surfen Haredim mit ihren iPhones durch den Internet-Talmud, im Sammeltaxi hören sie laut Thora-Techno auf ihrem iPod", berichtet Svenia Kleinschmidt in ihrem Blog "Zwischen Techno und Talmud" aus Israel. Die Kontrolleure der jüdischen Speisegesetze in Restaurantküchen sollen bald Webcams weichen. Und Gebete kann man nun direkt an die Klagemauer twittern.

Vielleicht macht jemand die Streithähne in England darauf aufmerksam, dass es zumindest eine technische Teillösung für das Problem mit dem Treppenhauslicht gibt: die KosherLamp. Sie besteht aus einem kleineren Zylinder, der in einem größeren steckt, beide undurchsichtig, aber mit einem kleinen Sichtfenster ausgestattet. Wenn man den inneren Zylinder, in dem sich die Glühbirne befindet, so dreht, dass die beiden Fensterchen sich decken, gibt die Lampe Licht; dreht man den Zylinder weiter, wird das Licht wieder verdeckt. Wird die Glühbirne vor Sabbat eingeschaltet, gibt es kein Problem mehr mit dem Feuermachen. Da die Birne im Inneren der KosherLamp den ganzen Samstag hindurch unverändert brennen müsste, ist das allerdings weder ein ökologischer noch ein ökonomischer Fortschritt. (bsc)