Noch kein Ende der kostenlosen Online-Inserate fĂĽr Gebrauchtwagen

Die Konkurrenten des Online-Gebrauchtwagenhändlers mobile.de wollen nicht mit eigenen Gebühren für Anzeigen von Privatanbietern nachziehen. Beschwerden über Fake-Anzeigen gibt es bei den Verbraucherzentralen bislang nur wenige.

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Von
  • Jens Kampferbeck
  • dpa

Wer sein gebrauchtes Auto verkaufen wollte, hatte es bislang verhältnismäßig leicht: Bei den Gebrauchtwagenbörsen im Internet war eine Anzeige kostenlos. Doch damit soll nach Willen des Marktführers mobile.de in Hamburg bald Schluss sein. Der nach eigenen Angaben größte deutsche Anbieter hat angekündigt, zum 8. September zunächst als Einführungspreis acht Euro pro Inserat auch von privaten Inserenten zu verlangen, mit Beginn des kommenden Jahres dann zehn Euro. Offiziell geschieht dies, um nicht ernst gemeinte Angebote auszuschließen.

Außerdem kündigte mobile.de an, eine Versteigerung von Autos zu ermöglichen. Die Vorbereitungen sollen bis zum Start der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt/Main (11. bis 21. September) abgeschlossen sein. In Deutschland wird eigenen Angaben zufolge jeder fünfte Gebrauchtwagen über mobile.de verkauft, mehr als 840.000 Fahrzeuge stehen dem Unternehmen zufolge zur Auswahl.

Privatleute können jedoch an anderer Stelle weiterhin kostenlos im Internet inserieren. Beispielsweise die Anbieter autoscout24.de in München und automobile.de in Kaiserslautern planen nach eigenen Angaben keine Gebühren für private Anzeigen. "Die Inserate privater Anbieter werden bei uns weiterhin kostenlos sein", erklärt Stefan Dörle, Teamleiter bei automobile.de. Dies gilt für bis zu drei Fahrzeuge. Händler zahlen weiterhin 50 Euro monatlich und können dafür 300 Fahrzeuge online stellen. "Die privaten Anbieter werden als Publikum für die Händler auf dem Markt gebraucht", meint Dörle. Das kostenlose Inserieren sei ein zusätzlicher Dienst für die Händler. Eine Versteigerung von Autos wie bei mobile.de hat der Anbieter, der knapp 30.000 Fahrzeuge in seiner Datenbank hat und im Juli 9,6 Millionen Seitenaufrufe verzeichnete, indes nicht geplant.

Auch autoscout24.de will vorerst keine Gebühren für das Inserieren von privaten Anbietern verlangen. "Die Textanzeige mit einem Bild ist bei autoscout24 kostenlos. Das Einstellen weiterer Bilder, also das zweite bis sechste Bild, ist seit Herbst 2000 kostenpflichtig", erklärt Peter Schmidt, Geschäftsführer von autoscout Deutschland. Darüber hinaus hält sich das Unternehmen, das nach eigenen Angaben knapp 700.000 Fahrzeuge im Bestand hat, eher bedeckt: Zu möglichen Veränderungen wolle man sich gegenwärtig nicht äußern.

Marktführer mobile.de sieht sich mit der Gebührenerhebung auf dem richtigen Weg. "Uns kommt es darauf an, den Qualitätsstandard zu halten", erklärt Pressesprecherin Susanne Fritz. Der Anbieter aus Hamburg rechnet zwar zunächst mit kleinen Rückgängen bei den Anzeigenzahlen, doch werde sich dies bereits im kommenden Jahr wieder dem bisherigen Stand angleichen. Durch die Preiserhebung sollen vor allem unseriöse "Jux-Angebote" vermieden werden. Bei diesen handelt es sich um Autos, die Anbieter weit unter dem üblichen Preis anbieten. Auf Nachfrage des Interessenten erhält dieser dann zumeist die Auskunft, dass der Wagen verkauft sei. Oft versucht der Anbieter dann, den nun bestehenden Kontakt auszunutzen, um weitere vermeintliche Schnäppchen aus seinem Fuhrpark zu veräußern. "Solche Anbieter werden es sich fortan drei Mal überlegen, ob sie eine Anzeige schalten und dafür Geld ausgeben", sagt Susanne Fritz.

Insgesamt scheinen die Gebrauchtwagenbörsen den Nutzern aber keine großen Probleme zu machen: Die Verbraucherzentrale Hamburg beispielsweise erhält nach eigenen Angaben nur sehr selten Beschwerden von verärgerten Autokäufern. (Jens Kampferbeck, dpa) / (jk)