Überwachung als Komfortmerkmal
In der Altersgruppe über 50 Jahren scheint die Akzeptanz für SmartHome-Anwendungen zu steigen.
"Schick muss es sein, bloss nicht Oma- oder Reha-mäßig", zitierte die Geschäftsführerin des Berliner Instituts für Sozialforschung (BIS), Sibylle Meyer, die Anforderung einer Seniorin an das Leben im SmartHome, dem intelligent vernetzten Haushalt von morgen. Meyer referierte auf dem Workshop e/home update im Rahmen der IFA.
Einer Studie des BIS zufolge steigt gerade in der Altersgruppe über 50 Jahren die Akzeptanz der Heimvernetzung. Der Anteil derjenigen, die dieser Technik positiv gegenüberstehen, wuchs im Vergleich zu einer im Jahre 2000 durchgeführten Untersuchung von 42 auf 54,3 Prozent; unschlüssig in Bezug auf die Vor- und Nachteile waren nur noch 33,7 statt 50 Prozent wie vor drei Jahren. "Ungefähr zwölf Prozent sagen, das möchte ich nicht", berichtete die Berliner Sozialforscherin und kritisierte, dass sich die Industrie "nach wie vor zu stark auf die jungen, innovativen und technik-affinen Nutzer" konzentriere und darüber die interessantere Zielgruppe der Senioren aus den Augen verliere.
"Es geht den Älteren um Komfort, Erleichterung und Sicherheit", erläuterte Meyer die Ergebnisse der Erhebung. Zu den Automatisierungsfeatures, die bei der silberhaarigen Generation auf die höchste Zustimmung stoßen, zählten die Weiterleitung von Alarmen, die Regulierung der Heizung, die Bewässerung der Pflanzen -- obwohl doch der Faktor Zeit für die Früh- und Vollrentner eigentlich kein Thema mehr sein sollte -- sowie der Schnappschuss von dem Besucher an der Haustür. "Die Überwachung gilt zunehmend als Komfortmerkmal", haben die BIS-Forscher ermittelt; sie werde nicht mehr als beängstigend empfunden. "Die Kameras stören mich nicht, ich fühle mich sicherer", führt die Studie als Beleg die typische Äußerung eines Bewohners des Cohnschen Viertels in Hennigsdorf bei Berlin an, das von der Wohnungsbaugesellschaft voll vernetzt wurde. "Der Vandalismus in der Anlage hat abgenommen, seit die Verwaltung die Kameras in Aufzügen und an Grünflächen installiert hat". (Richard Sietmann) / (jk)