Zertifizierungsstelle für IT-Fachkräfte geht an den Start

Das neue Cert-IT soll Transparenz und Qualität in den Weiterbildungsmarkt für Spezialisten der Informationstechnik bringen.

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  • Richard Sietmann

Als weltweit erste Zertifizierungsstelle für die berufliche Weiterbildung von IT-Spezialisten hat das in Berlin ansässige Cert-IT die Akkreditierung als Einrichtung zur Anerkennung und Beurkundung beruflich erworbener Kompetenzen erhalten. Es kann nun damit beginnen, Prüfungsverfahren auf der Grundlage internationaler Normen (DIN/EN 45013 und ISO/IEC 17024) durchzuführen.

Cert-IT -- nicht zu verwechseln mit dem Computer Emergency Response Team CERT-IT in Italien -- soll transparente Qualitätsstandards in die mehr als 300 Abschlüsse privatwirtschaftlicher Weiterbildungsträger bringen, die es allein in Deutschland auf diesem Sektor gibt. "Wir wollen, dass die inflationäre Ausbreitung von Berufstiteln ein Ende findet", erklärte Professor Herbert Weber, Cert-IT-Vorsitzender und Leiter des Fraunhofer-Instituts für Software- und Systemtechnik (ISST) dazu heute in Berlin.

Schätzungen zufolge sind von den rund 1,4 Millionen Fachkräften der Informations- und Kommunikationstechnik in der Bundesrepublik zwei Drittel als Quereinsteiger in Bereichen tätig, für die sie keine einschlägige Qualifikation besitzen. Das macht es schwierig, Kompetenzen, die sie im Rahmen ihrer Tätigkeit oder durch die Teilnahme an Weiterbildungsmaßnahmen erwarben, bei einem Wechsel des Arbeitgebers, einer Versetzung ins Ausland oder dem Sprung in die Selbständigkeit nachzuweisen.

Mit der Prüfung, die die Kandidaten 1000 Euro kostet, können sie künftig für eines der 29 gemeinsam mit der Industrie entwickelten Spezialistenprofile aus den sechs Funktionsgruppen "Software Developer", "Coordinators", "Solutions Developer", "Technicians", "Administrators" und "Advisors" einen anerkannten Befähigungsnachweis erbringen. Geprüft wird die Befähigung anhand eines vorher eingereichten und dann eigenständig abgeschlossenen, arbeitsprozessorientierten Praxisprojektes.

"Die Firmen haben ein Rieseninteresse daran, dass sie aus der zerklüfteten Weiterbildungslandschaft herauskommen", betonte Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. Neben dem Bitkom und der Fraunhofer-Gesellschaft sind die Gesellschaft für Informatik (GI), der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI), die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und die IG Metall als Träger am Cert-IT beteiligt.

Für die IG Metall unterstrich deren Vertreter Michael Ehrke den Modellcharakter der neuen Einrichtung und stellte sie als "echte Bildungsinnovation" heraus. "Produktgebundene Zertifikate, die wie bei Microsoft oder SAP nach proprietären Standards erteilt werden, haben keine Zukunft", erklärte Ehrke. "Wer redet heute noch vom Novell-Zertifikat?" (Richard Sietmann) / (anw)