Eclipse Summit 2008: Community-Treffen der Eclipse Foundation in Ludwigsburg
Auf dem familiär geprägten europäischen Eclipse-Summit ging es in diesem Jahr unter anderem um vertikale Märkte, OSGi/Equinox und Modeling.
- Alexander Neumann
Es gibt Konferenzen, die deutlich durch ihren familiären Charakter geprägt sind. Jeder scheint jeden zu kennen. Grüppchen finden sich schnell. Es wird viel – gerne auch kontrovers – diskutiert. Allerorten stellen die Teilnehmer Weichen für die nahe und ferne Zukunft. Man kommt gerne wieder. Zu diesen Events gehört auch der Eclipse Summit Europe, der am 19. und 20. November zum dritten Mal stattfand.
Dieses Jahr fanden sich mit rund 400 Teilnehmern etwa so viele wie im Vorjahr ein. Sie konnten sich ihr Programm aus rund 80 englischsprachigen Sessions zusammenstellen und erhielten in diesen einen guten Überblick darüber, wo die Eclipse-Plattform und ihr viel zitiertes Ökosystem rund 10 Jahre nach Beginn der Entwicklung an der IDE einzusortieren ist. Ziel der Veranstaltung ist es, ausgewählte Eclipse-Projekte vorzustellen, Hilfestellungen für den Projektalltag mitzugeben sowie in Symposien die Zukunft der Projekte festzulegen. Des Weiteren gibt es Vorträge mit Industriebeispielen für den Einsatz der Eclipse-Technik oder dazu, wie sich ein Open-Source-Business-Modell mit dieser Software realisieren lässt.
Eine neue Ausrichtung für Eclipse sieht Veranstalter Ralph Müller darin, dass es sich zunehmend in so genannten vertikalen Märkte etabliert. Hierfür stehen beispielhaft Projekte wie die Open Financial Market Platform (OFMP), deren Ziel es ist, Eclipse ausgehend von seinem OSGi-Framework Equinox um eine Open-Source-Plattform für aufeinander abgestimmte und erweiterbare Finanzmarktsysteme zu erweitern. Auch zeigten die vielen neuen europäischen Mitglieder der Eclipse Foundation, die sich auf der Veranstaltung in der Ausstellung präsentierten, dass die Eclipse Public Licence (EPL) ein für Unternehmen attraktives Open-Source-Geschäftsmodell ermögliche. Dies untermauerte auch Keynote-Speaker David Wood von Symbian, der Symbians angekündigten Umstieg auf ein Open-Source-Modell erläuterte und die Vorzüge der EPL hervorhob.
Diskussionen löste gleich zu Beginn der Veranstaltung die Keynote von David Thomas aus. Er ist Eclipse-Kennern als Gründer von Object Technology International Inc. (OTI), dem Vorgänger der IBM OTI Labs, die wiederum maßgeblich für die Entstehung von Eclipse verantwortlich zeichnen. Sein Vortrag beschäftigte sich mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Applikationsentwicklung für Embedded Devices. Er zeigte sich den überwiegend aus Java-Entwicklern bestehenden Zuhörern kämpferisch mit provokanten Thesen wie "Java is Legacy" und "Javascript is next generation embedded applications technology". Seine zentrale These lautete, Javascript und eine Virtual Machine seien alles, was man zum Entwickeln qualitativ hochwertiger Embedded-Software benötige.
Außerdem ging es auf der Konferenz in Vorträgen und Diskussionen um OSGi/Equinox und Modeling. Bei Letzterem scheint zumindest in der Java-Welt kein Weg mehr an Eclipse vorbeizugehen, zumal beim neuen Eclipse e4 (final im Sommer 2009), unter der Workbench jetzt ein EMF-Modell liegt, das zusätzliche Metadaten integriert. Sie erlauben unter anderem Scripting-Funktionen. Überwiegend zeichneten sich die Vorträge durch hohe Qualität aus. Das verwundert nicht, dürfen die rund 100 Speaker des Summits doch als Crème de la Crème der Eclipse-Community gelten, die über viel Erfahrung besitzt und tief in die Weiterentwicklung eingebunden ist.
Die Chancen für einen weiteren Summit im nächsten Jahr stehen gut. Wie bei Konferenzen der Eclipse Foundation üblich, stehen die Vorträge auf der Konferenz-Website zum Herunterladen bereit. Die nächste mit dem Eclipse Summit vergleichbare Veranstaltung ist die EclipseCon. Sie findet im kalifornischen Santa Clara vom 23. bis 26. März statt. (ck)