Eröffnungsveranstaltung der ruhrjug am 22. Januar 2009

Letzte Woche fand die Kick-off-Veranstaltung der ruhrjug - der neuen Java User Group in Essen - statt. Beim Thema "Hochperformante Websites" zauberten die Veranstalter neue Erkenntnisse aus dem alten Hut.

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Von
  • Torsten Friebe
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(Bild: ruhrjug.de)

Gibt es Gründe, von Köln nach Essen zu fahren? Ja, einige – und am 22. Januar war einer dieser Gründe: die Eröffnungsveranstaltung der neuen Java User Group in Essen – kurz ruhrjug.

Das Event der ruhrjug, die letzten Dezember die IT-Experten Peter Roßbach und Heiko Sippel gründeten, fand im Unperfekthaus in der Essener Innenstadt statt. Die Wahl für das Unperfekthaus als Veranstaltungsort ist als perfekt zu bezeichnen. Allein der Aufstieg zum Wintergarten in der vierten Etage war ein kleines Abenteuer. In dem verschachtelten Gebäude eines ehemaligen Franziskanerklosters präsentieren auf 4000 qm über 150 Künstler, Handwerker und Wissenschaftler ihre Werke und Produkte in den ehemaligen Klosterzellen. Mit so einer kreativen Umgebung kann keine der beiden Java User Groups (Köln, Düsseldorf) im Rheinland aufwarten.

Zu Anfang der Veranstaltung begrüßte Heiko Sippel die 85 Teilnehmer und stellte kurz die Motivation für die Gründung der ruhrjug vor. Wie die vielen anderen Java User Groups, die weltweit in den letzten Jahren als Forum zum Erfahrungsaustausch rund um die Java-Technik gegründet wurden, will die ruhrjug der Community interessante Veranstaltungen zu den Themen Java und Open Source anbieten.

Nachdem die Teilnehmer in einer kurzen Pause Zeit hatten, sich aus den Kühlschränken mit Kaltgetränken und an Kaffee-Automaten mit des Entwicklers liebstem Heißgetränk zu versorgen (Sponsor der Veranstaltung war das LinuxHotel), gab es beim folgenden Java-Quiz das Buch "High Performance Websites" von Steve Souders zu gewinnen. Der Titel des Buches diente dann als Überleitung zum Vortrag von Peter Roßbach.

Peter Roßbach, freiberuflicher IT-Systemarchitekt und vielen bekannt als Autor der TomC@-Kolumne in früheren Java Magazinen, eröffnete seinen Vortrag zum Thema Web-Beschleuniger ("Regeln zur Erstellung hochperformanter Websites") mit der provokanten These, dass die Erstellung von hochperformanten Websites eigentlich ein alter Hut sei. So stellte er mehrere Regeln vor, die dabei helfen können, schnelle Webseiten zu entwickeln. Die von ihm genannten Regeln beruhen unter anderem auf den Erfahrungen des Yahoo!-Performance-Teams.

Neben der Vorstellung von technischen Details, zum Beispiel wie das Gespann aus Apache-httpd- und Apache-Tomcat-Server helfen kann, und einigen Anekdoten aus dem Projektgeschäft gab Roßbach auch Tipps, welche Tools für die Analyse und Optimierung von Websites eingesetzt werden können. Dabei haben unter anderem JAWAR – ein Tool zur Komprimierung von Javascript- und CSS-Dateien – und FireBug – ein Debug- und Analyse-Werkzeug für den Firefox – mein Interesse geweckt.

Roßbach analysierte zum Abschluss seines Vortrags die Websites der 30 im DAX notierten Unternehmen hinsichtlich der Erfüllung der zuvor genannten Regeln. Dabei schnitten die deutschen Unternehmen im Vergleich zu den Websites von Yahoo! und Apple deutlich schlechter ab. Kaum eine von ihnen ist so entwickelt, dass alle Methoden zur Optimierung – so zum Beispiel – Kompression und Caching zum Einsatz kommen.

In der anschließenden Fragerunde beantwortete Roßbach Fragen der Teilnehmer, so zum Beispiel, inwieweit sich Webanwendungen, die mit JavaServer Faces (JSF) entwickelt werden, optimieren lassen, wenn es doch gerade ein Merkmal von JSF ist, dass die Technik den HTML-Code dynamisch zur Laufzeit generiert. Jedem JSF-Entwickler ist das Problem bekannt, dass schon einfache JSF-Anwendungen im Vergleich zu Webanwendungen, die mit JSP und Servlets entwickelt wurden, nicht selten in puncto Performance schlechter abschneiden. Die typischen Flaschenhälse sind die Größe der Http-Session, hohe CPU-Belastung und eine hohe Auslastung der Bandbreite bei schon wenigen Benutzern. Die Antwort des Experten, dass hier das Entwickler-Team zwischen den Anforderungen hinsichtlich der Performance und der vermeintlichen Einfachheit für den Entwickler bei der Anwendungsentwicklung von Webanwendung abwägen muss, zeigt, dass nicht immer alle nichtfunktionalen Anforderungen ohne Kompromiss zu erfüllen sind.

Nach dem Vortrag nutzten einige Teilnehmer die Gelegenheit, über das Thema zu diskutieren. Die kalten und heißen alkoholfreien Getränke standen noch bis Torschluss um 23 Uhr allen Teilnehmern kostenlos zur Verfügung.

Die nächste Veranstaltung findet am 19. Februar 2009 wieder im Unperfekthaus statt. Thema ist Spring 3.0, Vortragender Eberhard Wolff. Ich werde mir überlegen, ob ich wieder nach Essen fahre, denn neben dem Fachvortrag ist die interessante Umgebung ein großer Anreiz, die Reise anzutreten. Weitere Informationen zu den kommenden Veranstaltungen und zum Veranstaltungsort sind auf der Website der ruhrjug abrufbar. (ane)