Jazoon 2009 gebärdet sich als JavaOne "light"
Sun und die Java-Community nutzten die Jazoon-Konferenz, rund drei Wochen nach der JavaOne die frisch vorgestellten und kĂĽnftig zu erwartenden Techniken der Java-Plattformen vorzustellen.
- Alexander Neumann
Sun und die Java-Community nutzten die Jazoon-Konferenz, rund drei Wochen nach der JavaOne, um die frisch vorgestellten und kĂĽnftig zu erwartenden Techniken der Java-Plattformen vorzustellen.
Die Jazoon, eine zum dritten Mal in der Schweiz stattfindende Java-Konferenz, zieht mittlerweile etwas mehr als 1000 Teilnehmer an – und hat sich damit unter den europäischen Java-Konferenzen etabliert. Das unterstreicht auch der Anspruch der Veranstalter, die Neuigkeiten der kurz zuvor durchgeführten JavaOne erstmals in Europa zu präsentieren. Da verwundert es nicht, dass Sun als bisheriger Statthalter der Java-Entwicklung prominent im Programm vertreten ist und eine exponierte Position;auf der Züricher Konferenz einnimmt. Fast alle Entwickler, die Schlüsselpositionen in relevanten Java-Techniken inne haben, waren geladen, um einen Einblick in den Status quo zu Java, Enterprise-Java und Mobile-Java zu geben. Selbst Java-Vater James Gosling hatten die Veranstalter locken können, zum einen als Referenten für die Eröffnungs-Keynote, zum anderen als Jury-Mitglied für den durch den Veranstalter ausgelobten Jazoon Rookie Award.
Goslings Erfolgsgeschichte
Etwas uninspiriert und nicht sonderlich tiefgehend präsentierte Gosling einen Rundumschlag zu seinem "Zögling". Sun zählt 10 Milliarden Geräte, die mit Java-Technik laufen, darunter 3 Milliarden Telefone und 5 Milliarden Smartcards. Des Weiteren verzeichnet die Java-Schmiede 15 Millionen Downloads der Java-Laufzeitumgebung pro Woche. Rund sechs Millionen Java-Entwickler scheint es weltweit zu geben. Das sind immerhin 2 Millionen mehr, als die Firma 2005 auf der JavaOne zählte. Die Java-Erfolgsgeschichte geht weiter und hat anscheinend noch kein Ende gefunden. Dafür spricht für Gosling, dass Java mittlerweile in Benchmarks als schneller geltende Sprachen wie C und C++ bei der Performance nicht selten und das superschnelle Fortran manchmal übertrifft.
Java als Sprache hat sich klar verändert. So propagiert Sun spätestens seit 2006 die Java Virtual Machine als Runtime-Technik nicht mehr nur für Java, sondern für viele Sprachen. Gosling stellte als aufstrebende Beispiele Scala, JRuby, Groovy und Clojure heraus – und damit war er auf der Jazoon beileibe nicht der einzige. Er wollte es zudem nicht ausschließen, dass in naher Zukunft eine auf der Java-Laufzeitumgebung funktionierende Technik Java als bedeutendste in die JVM zu integrierende Sprache ablösen werde.
Ein Aspekt, der in letzter Zeit in der Java-Community immer wieder für Aufsehen sorgte, sind die Bemühungen innerhalb des Java Community Process (JCP) hinsichtlich der Modularisierung der Java-Plattform. Sun fühlt sich durch die OSGi-Architektur unter Druck gesetzt, für den insbesondere die auf ihr basierende Eclipse-Entwicklungsumgebung sorgt und die Tatsache, dass es heute kaum eine neu entwickelte oder überarbeitete Java-Software gibt, die nicht OSGi implementiert. Zu nennen seien alle wichtigen Java EE Application Server, die entweder bereits modular auf OSGi-Basis sind oder es sich für die nahe Zukunft auf die Fahnen geschrieben haben. Suns Antwort ist das http://openjdk.java.net/projects/jigsaw/ Project Jigsaw], das eine weniger komplexe Modularisierung als OSGi sein soll. Pikanterweise wendete sich einer der Teilnehmer der Jazoon und maßgeblicher Betreiber der OSGi-Technik, Peter Kriens, während der Konferenz in einem offenen Brief an Gosling.
Gosling hatte sich in einem eWeek-Interview und vergleichbar während seiner Keynote despektierlich geäußert, dass OSGi aus einer anderen Welt gekommen wäre und sich der Modularität annehme, allerdings Java etwas brauche, das viel leichtgewichtiger sei. Kriens hingegen zählt in der OSGi-Kern-API 27 Klassen, die unter anderem Sicherheit, Modul-, Lifecycle- und Service-Schicht, Ausnahmen, Rechtekontrolle und Interfaces abdecken. Allein die Modul-Schicht in Jigsaw habe mehr Klassen, so Kries, und Sun hätte kein Problem damit gehabt, das Jigsaw-Projekt zu starten. Suns Politik zur Modularität in Java habe in den vergangenen Jahren eine Menge Geld gekostet und viel Ärger bereitet. Der Programmierer stehe schließlich vor dem Dilemma, eine Wahl zu treffen, ob er OSGi oder Jigsaw nehmen soll. Eine spontan einberufene Podiumsdiskussion auf der Konferenz wäre sicherlich spannend gewesen.
Suns relativ neue Webpräsentationstechnik JavaFX, die mit viel Brimborium auf der JavaOne im Mittelpunkt stand, kam natürlich auch zur Sprache. Danny Coward, Chefarchitect von Suns Client-Software, stellte einige Merkmale heraus. Es läuft auf mindestens vier Plattformen (Windows, Mac, Linux und Solaris) und vor allem in drei Welten (Web/Desktop, TV und Mobile). Spannend war ein Performancevergleich mit dem Bubblemark Benchmark, der JavaFX als Sieger vor vergleichbaren Techniken wie Microsofts Silverlight und Adobes Flash dastehen ließ. Um sich nicht zu wiederholen, sei an dieser Stelle auf den JavaOne-Bericht auf heise Developer hingewiesen, der sich ausführlich den Neuerungen von JavaFX widmet. Ergänzend ist zu erwähnen, dass Coward noch für 2009 eine weitere größere Release versprochen hat. Sun scheint Gas geben zu wollen, um nicht noch mehr ins Hintertreffen gegenüber den Platzhirschen Flash und Silverlight zu geraten.
Pro und Contra
Trotz aller Bemühungen, über bekannte Namen ein tolles Programm anbieten zu können, haben die Veranstalter nicht verhindern können, dass die Qualität der einzelnen Vorträge sehr unterschiedlich war. Nicht selten präsentierten die Referenten ihre Themen zu seicht, nicht selten in rasendem Tempo vorgetragen oder mit einer großen Menge an textlastigen Slides. Hier hätte der Jazoon Rookie Award ein Muster für Vortragstechniken geben können. Gesucht waren junge Entwickler, deren Vortragstalent und Thema von Jury und Plenum bewertet wurden. Die drei Finalisten waren eines Finales allerdings nur mit großen Abstrichen würdig. Der eine hetzte durch seine Tool-Vorstellung, die andere reicherte ihren Vortrag mit zu textlastigen Slides an, und der dritte lieferte eine konzeptionell und wirr vorgetragene Produktmarketing-Show.
Ein Muster für eine gute Präsentation lieferte Adrian Colyer, einer der Betreiber des AspectJ-Projekts, der in seiner Keynote das Auditorium darauf hinwies, dass die jetzige Zeit die richtige Ausgangssituation für das Durchstarten mit neuen aufregenden Ideen sein könne. Die Krise sei mit einem reinigenden Regenwaldschauer vergleichbar, auf den Sonnenschein folge, der die Natur zum Explodieren bringe. Die Situation rund um Java komme ebenfalls einer Krise gleich – es sei zu alt, kompliziert und langsam beziehungsweise führe zu viele Funktionen mit sich. Es liefere aber den Nährboden für neue Techniken wie aufkommende Sprachen und Frameworks. Colyer sieht eine Menge Chancen, die aus dem Chaos heraus entstehen können: "Wir leben in einer sehr interessanten Zeit", so sein Credo.
Die Jazoon findet auch 2010 statt, und zwar vom 21. bis 24. Juni – wieder in Zürich. Der Call for Papers startet im Herbst 2009. (ane)