"Agile 2009"-Konferenz in Chicago
Die nordamerikanische "Agile"-Konferenz ist die weltweit größte Veranstaltung zu agilen Vorgehensmethoden.
- Jutta Eckstein
Die nordamerikanische "Agile"-Konferenz ist nicht nur die weltweit größte Veranstaltung zu agilen Vorgehensmethoden, sie wird mehr und mehr auch zu einer internationalen Konferenz, die zudem mit 1300 Teilnehmern der allgegenwärtigen Krise auf beeindruckende Weise getrotzt hat.
Die Agile 2009 in Nordamerika hat vom 24. bis 28. August in Chicago wieder bewiesen, dass sie die weltweit größte Konferenz auf dem Gebiet agiler Vorgehensweisen ist. Gerade weil es sich um eine unkommerzielle Konferenz handelt, die die gemeinnützige "Agile Alliance"-Organisation ausrichtet, ist es beeindruckend, dass die Konferenz trotz der allgegenwärtigen Wirtschaftskrise über 1300 Teilnehmer angezogen hat. Die Agile ist nicht nur die größte Konferenz zum Thema, sondern sie wird mehr und mehr auch zu einer wirklich internationalen Konferenz, mit Teilnehmern aus nahezu 40 Ländern. Das Programm enthielt zirka 300 Vorträge, die in bis zu 20 parallele Tracks gegliedert waren.
Zum dritten Mal in Folge konnten sich die Teilnehmer während der Konferenz an der Durchführung eines agilen Projekts beteiligen, in dem sie für das Hilfsprogramm Mano-a-Mano ein Portal entwickelten. Sie lernten nicht nur, eine iPhone-Applikation zu programmieren und agile Methoden einzusetzen, sondern unterstützten mit ihrer Arbeit auch das Programm zur Verbesserung der Gesundheit der Bevölkerung in Bolivien.
Großen Anklang fand zudem das "Programming with the Stars"-Konzept, bei dem Teilnehmer mit Koryphäen aus der agilen Szene zusammen via Pair Programming ihre Kenntnisse vertiefen konnten – und das teils auf witzige Art und Weise. In der Open-Jam-Session gab es für alle die Optionen, Ad-hoc-Sessions zu initiieren, sich intensiv mit einigen "Agile-Gurus" zu unterhalten und Beratung für eigene Projekte zu erhalten oder anzubieten. Auch konnte man Open-Source-Werkzeuge für die agile Entwicklung vorstellen oder über sie diskutieren lassen.
Alistair Cockburn fasste in seiner die Konferenz eröffnenden Keynote die Geschichte der agilen Entwicklung zusammen, um klarzustellen, dass agile Entwicklung inzwischen Normalität ist. Er meinte jedoch, dass Entwickler sich den Anforderungen des 21. Jahrhunderts stellen sollten und nicht in den Überzeugungen der agilen Anfänge verharren dürften, sprich Agilität auch für große und verteilte Projekte nutzbar zu machen. Damit schlug er gekonnt den Bogen zum diesjährigen Motto der Konferenz "Making Agile Real".
Auffallend viele Beiträge behandelten das Thema Coaching. Das liegt wohl daran, dass sich selbst organisierende Teams Unterstützung durch Coaching benötigen, wie Joseph Pelrine in der Session "Coaching self-organizing Teams" herausstellte, und andererseits Agilität durch den Anspruch "Making Agile Real" mehr und mehr als Unternehmensstrategie verstanden wird. Um das umzusetzen, ist es jedoch nicht nur mit der Unterstützung einzelner Projekte getan (das klärten etwa Rachel Davies und Liz Sedley in "What does an Agile Coach do"), sondern durch Coaching sind in den Unternehmen auch Multiplikatoren, das heißt neue Coaches, auszubilden, was Alan Padulas Thema in "Organically Growing Internal Coaches" war.
Den abschließenden Vortrag hielt Jared M. Spool zum Thema "The Dawning of the Age of Experience". Er verdeutlichte, warum beispielsweise der iPod viel erfolgreicher im Markt ist als der Zune, und das obwohl der Zune technisch und funktional wesentlich besser einzuschätzen sei – die User Experience mache den Unterschied aus. Die Erfahrung oder vielmehr das Erlebnis, das ein Anwender beim Verwenden eines Tools hat beziehungsweise ihm über schlaues Marketing vermittelt werde, sei entscheidend.
Auch 2009 vergab die Agile Alliance Auszeichnungen für besondere Leistungen im Bereich der agilen Entwicklung. Simon Baker und Gus Power erhielten eine für die konsequente Umsetzung ihres "Concept to Cash every Week", was für die Freigabe von Software vom Entwicklungsbeginn an steht. David Hussman wurde für seinen unermüdlichen Einsatz, die agile Gemeinschaft über Konferenzen und Universitätsprogramme zu vergrößern, ausgezeichnet. Weiterhin ehrte die Konferenz Corey Haines für seine Pair-Programming-Tour.
Nächstes Jahr findet die Konferenz vom 9. bis 13. August in Nashville, Tennessee, statt. Mehr finden Interessierte unter unter www.agile2010.org.
Jutta Eckstein
ist seit über zehn Jahren Beraterin und Trainerin im In- und Ausland. Sie verfügt über eine große Erfahrung bei der erfolgreichen Umsetzung agiler Prozesse in mittleren bis großen unternehmenskritischen Projekten.
(ane)