Ein Pinguin macht Reklame

Der französische Linux-Distributor Mandrake will in der kostenlosen Download-Variante seiner kommenden Ausgabe 9.2 bezahlte Werbung unterbringen.

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Von
  • Hans-Peter SchĂĽler

Der französische Linux-Distributor Mandrake will in der kostenlosen Download-Variante seiner kommenden Ausgabe 9.2 bezahlte Werbung unterbringen. Das seit Jahresanfang in wirtschaftliche Schwierigkeiten geratene Unternehmen konnte zwar durch den Verkauf der aktuellen Ausgabe 9.1 gute Gewinne machen und plant nun fürs Jahresende die Aufhebung des Gläubigerschutzes, doch zusätzliche Einnahmequellen können die Franzosen immer noch gut gebrauchen.

Laut Medienberichten soll eine Werbeanzeige in Mandrake Linux ab 7000 US-Dollar zu haben sein und auf Wunsch ganzseitig an Stelle eines Screensavers erscheinen. Als vorrangige Werbemöglichkeit offeriert der Distributor, Werbeseiten in sein Linux-Installationsskript einzubetten oder den mitgelieferten Browser mit Reklame zu spicken. Dort kann man die voreingestellte Startseite "mieten" oder sich zu Werbezwecken auch in die Lesezeichenliste eintragen lassen.

Die Werbepläne haben Mandrake offenbar zahlreiche Proteste beschert; mittlerweile hat der Vertreiber sogar eine eigene Rechtfertigung ins Netz gestellt. Dort heißt es unter anderem ausdrücklich, es solle keine Reklame in Screensavern geben, es sollten prinzipiell nur ausgewählte und "unaufdringliche" Anzeigen zugelassen werden, und überhaupt gebe es schon seit Jahren Werbung in Mandrake Linux, von der die Anwender aber vermutlich gar nichts bemerkt hätten. Damit meinen die Mandrake-Macher offenbar Hinweise auf GNU-Projekte und andere Open-Source-Pakete. Ob die nun angestrebten Anzeigen vom selben Schlag sein werden oder so, wie es sich in anderer Ad-Ware eingebürgert hat, mit Erfolgsmeldungen "nach hause telefonieren" sollen, ist dem Mandrake-Statement nicht zu entnehmen. (hps)