Polizei kämpft gegen rasanten Anstieg der Computerkriminalität
Die Polizei in Baden-Württemberg will ihre "virtuellen Streifen" verstärken.
Die Polizei in Baden-Württemberg kämpft gegen einen rasanten Anstieg der Internet- und Computerkriminalität. Die Zahl der registrierten Straftaten erhöhte sich im vergangenen Jahr von 2724 auf 4321 Fälle. Dies gab der Landespolizeipräsident Erwin Hetger nach einer Fachtagung in Villingen-Schwenningen bekannt. Die Zahl umfasse "Straftaten quer durch das Strafgesetzbuch".
Besonders stark nahmen Betrugsfälle, etwa bei Internet-Auktionen, zu. Deren Zahl stieg um 115 Prozent auf 2843 Fälle. Bei Online-Versteigerungen würden Waren billig gegen Vorkasse angeboten, ohne dass diese später ausgeliefert würden. Dieser Trend setzte sich im ersten Halbjahr 2003 fort. Die Aufklärungsquote liege bei nahezu 100 Prozent, sagte Hetger. Die Dunkelziffer sei aber hoch.
Die Polizei setzt zur Bekämpfung solcher Straftaten auf Internet-Spezialisten. Das Innenministerium habe für das laufende Jahr 900.000 Euro zur Einrichtung von speziellen Auswerteplätzen bereitgestellt. Mit dem Geld werden 80 derartige Arbeitsplätze eingerichtet, sagte der Landeskriminaldirektor Dieter Schneider. Neben den Spezialisten soll jeder Beamte im Zuge der Fortbildung mit dem Internet vertraut gemacht werden: Die Polizisten sollen das "Tatmittel Internet genauso selbstverständlich in ihre Ermittlungen einbeziehen wie klassische Tatwaffen", sagte Hetger.
Der Polizeipräsident kündigte eine deutliche Stärkung der "virtuellen Streifen" im Internet an, um "potenziellen Straftätern klar zu machen, dass das Internet kein rechtsfreier Raum ist". Hetger forderte eine engere Zusammenarbeit sowohl zwischen den Bundesländern als auch weltweit. Zudem müsse das Telekommunikationsgesetz geändert werden, damit Internet-Provider ihre Daten zu Ermittlungszwecken länger aufbewahren müssen. (anw)