Computex: Von Turbinen, Kofferträgern und Wasserkisten
Zubehör für Modder, Overclocker und LAN-Partygänger gabs auf der Computex in Taiwan in nicht unbeträchtlicher Zahl.
Nachdem es als cool und natürlich auch einträglich gilt, Produkte zum Aufmotzen von PCs anzubieten, darf entsprechendes Equipment auf der diesjährigen Computex in Taiwans Hauptstadt Taipei natürlich nicht fehlen. Nahezu jeder Gehäusehersteller bietet mehr oder weniger schick designte Gehäuse an. Klar im Trend liegen abgerundete Ecken bei den Frontverkleidungen, Alu und natürlich diverse Sonderfunktionen. So bietet beispielsweise Enermax bei seiner Alu-Gehäuseserie CS-800TA verschiedenfarbig eloxierte Frontblenden an, die mit ihrem betont runden Design stark an frühe Apple-Entwürfe erinnern. Als besonderen Clou preist der Hersteller einen etwa handtellergroßen Drehknopf an der linken Gehäuseseite, über den sich die Drehzahl der Gehäuselüfter einstellen lässt.
Unvermeidlich natürlich auch die vorgelochten und mit Plexiglas versehenen Seitenteile, die es als Zubehör zu beinahe allen angebotenen Alu-Gehäusen gibt. Sie erlauben freien Einblick in das vom Anwender fantasievoll illuminierte Innere des PCs, gestatten es elektrischen und magnetischen Feldern aber auch, ungedämpft aus dem Gehäuse auszutreten -- CE und EMV Fehlanzeige. Spricht man die Hersteller auf dieses Problem an, so erntet man zumeist nur ein müdes Lächeln. Die Folgen eventueller Funkstörungen muss schließlich der Anwender ausbaden. Als löbliche Ausnahme erwies sich hier Casetek. Dort entdeckten wir eine metallbedampfte Seitenwand, die laut Hersteller auch die Felder eines 3,2-GHz-Systems im Gehäuse halten soll. Den Blick ins Innere behindert die Beschichtung dank elipsenförmiger Aussparungen nicht all zu sehr.
Apropos Behinderungen: Eine auf den ersten Blick nette Zusatzfunktion entdeckten wir beim Modell CS-A66AT von der zum Enermax-Verbund gehörenden Firma CoolerGiant/WaveSonic. Das Alu-Gehäuse bietet nicht nur ein blau beleuchtetes Display zur Gehäuse-Innentemperatur-Überwachung und eine Möglichkeit zum Einstellen der Lüfterdrehzahl, sondern verfügt auch über eine motorisch betriebene Frontabdeckung. Diese lässt sich auf Knopfdruck hoch- und herunterfahren, und verdeckt so entweder die vier 5,25"-Einschübe oder die beiden 3,5"-Schächte und das Display. Wehe dem, der seine CD hier bei geschlossener Abdeckung automatisch auswerfen lässt ...
Wer sich die Mühe macht, seinen PC richtig aufzumotzen, der möchte ihn natürlich auch rumzeigen. Also bieten einige Hersteller wie beispielsweise Casetek oder Thermaltaker jetzt auch Tragegurte für ihre Gehäuse an, mit denen sich die dicken Brocken mehr oder weniger bequem schultern lassen. Thermaltaker schickte gleich eine ganze Armada entsprechend beladener Schüler durch die Hallen, um auf sich aufmerksam zu machen.
Zum Glück verzichtete man darauf, den Kofferträgern -- pardon, PC-Trägern -- auch noch das hauseigene Wasserkühlaggregat aufzuladen. Die externe Box mit Namen Aquarius III (A1861) soll, erweitert um entsprechendes Zubehör, jeden beliebigen PC in ein wassergekühltes Modell verwandeln. Zwei LC-Displays an der Gerätefront überwachen die Wasser- und die Prozessortemperatur, eine Überwachungselektronik schlägt optisch und akustisch Alarm, wenn die vom Anwender gewählten Grenzwerte überschritten werden. Eine dritte Anzeige -- dieses Mal in Form einer vierstelligen LED-Anzeige -- informiert über die Lüfterdrehzahl, denn ohne diesen Krachmacher funktioniert Aquarius III nicht. Ein Sichtfenster an der linken Gehäuseseite ermöglicht die Überwachung des Wasserstands. Schade nur, dass Thermaltaker nicht daran gedacht hat, diesen automatisch zu kontrollieren. Im Falle eines Falles merkt man also erst an der Pfütze unter dem PC, wenn irgendetwas schief gegangen ist.
Optisch was her macht auch das auf dem CoolerMaster-Stand gezeigte System: Den WaveMaster-Tower TAC-T01 hat man mit einer gelochten Seitenwand versehen, die einen Blick auf das blau beleuchtete Innenleben des Geräts erlaubt. Dort entdeckt man dann den Turbinenkühler ACB-V81, alias Jet 7. Das an eine Flugzeugturbine im 60er-Jahre-Stil erinnernde Kühlmonster eignet sich für Duron- und AthlonXP-Prozessoren bis hin zum Athlon XP 3200+. Es arbeitet mit einem Radiallüfter, der auf einem klassischen Lamellenkühlkörper sitzt. Stilecht blinkt auf der Turbine eine LED. Die Lärmentwicklung gibt der Hersteller je nach Drehzahl mit 29,3 bis 42,6 dBA an, das Gewicht des Klotzes soll 490 Gramm betragen. Das Intel-Pendant Jet 4 (ICB-V83) besitzt einen Lamellenkühler aus Kupfer und darf laut CoolerMaster auch auf einem Pentium 4 mit 3,2 GHz sitzen. Sein Gewicht beträgt stolze 700 Gramm.
Kaum zu überblicken ist das Angebot an mehr oder minder sinnvollen Einsätzen für 5,25"- und 3,5"-Schächte. Neben den üblichen Kombinationen aus Anschlussfeldern für USB, Audio, FireWire und Card-Readern offerieren viele Anbieter jetzt auch Einschübe mit Displays zur Temperatur- und Drehzahlüberwachung (Thermaltaker "Hardcano 12"). Der Renner scheinen aber mehr oder minder nützlich blinkende und flackernde Einschübe zu sein, in denen sich analoge Messinstrumente befinden, die neben der Anzeige von Spannung und Temperatur auch wild im Rhythmus der via Soundkarte ausgegebenen Musik zucken (CoolerMaster "The Musketeer").
Wer's eher beschaulich mag, der kann seine Wohnung demnächst mit Wizard Frames von PQI pflastern. Die kleinen bilderrahmenartigen LC-Displays im 5,6-Zoll-Format haben einen integrierten 6fach-Card-Reader und optional auch integrierten Flash-Speicher (16 oder 32 MByte), der sich via USB ansprechen lässt. Per On Screen Display programmiert gibt der Rahmen dann die vorher geladene Diashow wieder. Nie wieder langweilige Bilder an der Wand, möchte man da ausrufen und sich gleich ein Bild der auf der Computex zuhauf auftretenden Nvidia-Elfen in den Rahmen laden. Doch der geradezu horrende Preis dürfte die meisten davon abhalten: PQI strebt einen Endkundenpreis von 150 bis 250 Euro an. (gs)