Telefonica befürchtet steigende Preise für DSL-Tarife

Die Regulierungsbehörde hat einen Zuschlag zu den Interconnection-Gebühren für DSL-Anbieter genehmigt. Telefonica befürchtet nun höhere Preise für T-DSL-Tarife.

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Die Telekom darf nach einem Beschluss der Regulierungsbehörde für die Datendurchleitung von DSL-Anschlüssen zu einem Backbone-Anbieter ab dem 1. Dezember einen monatlichen Zuschlag von 63,25 Cent pro 10 kBit/s Bandbreite von den Internet-Providern verlangen, die auf Basis des ZISP-Tarifs angeschlossen sind. Bislang war diese Leistung in den Grundgebühren für den T-DSL-Anschluss enthalten, die Telekom hat die entsprechenden AGB für ihre Kunden geändert. Größter davon betroffener Provider ist offensichtlich die Telefonica Deutschland, die ihr Backbone an allen 74 Breitband-PoP mit dem Netz der Telekom verbunden hat.

Angesichts des Preisaufschlags befürchtet die Telefonica nun, dass die höheren Einstandspreise an die Kunden weitergereicht werden müssen. Telefonica vertreibt Flatrates als Vorprodukt über verschiedene Service-Provider wie beispielsweise Expressnet oder TLink, die Endkundenpreise liegen in der Regel um 20 Euro im Monat und sind damit deutlich günstiger als das T-Online-Angebot für derzeit rund 30 Euro im Monat.

Für die Telekom-Reseller wie 1&1 oder T-Online und für kleinere Provider, die mit dem Telekom-Netz nicht flächendeckend verbunden sind, wie etwa MK-Netzdienste oder Kamp Netzwerkdienste, ändert sich hingegen nichts. Diese werden nach einem anderen Interconnection-Tarif abgerechnet und bezahlen für die Leistungen der Telekom bereits um ein Mehrfaches höhere Entgelte, die nach der gleichen Formel wie nun bei Telefonica berechnet werden.

Die Berechnung der Bandbreite ist kompliziert: Die maximale Anzahl der gleichzeitigen Verbindungen wird mit dem Datenvolumen aller Nutzer multipliziert und durch die Online-Zeit geteilt. Das Ergebnis stellt die annähernd maximal genutzte Bandbreite pro Zeiteinheit als Grundlage für die Berechnung dar. Diese Formel trieb schon seltsame Blüten: Ein Provider verlangte von seinen Kunden gar, mindestens 75 Prozent der Zeit online zu bleiben, um die Kosten zu senken; wer zu kurz online blieb, musste deutlich teurere Grundgebühren bezahlen.

Es lässt sich anhand der Formel sogar ausrechnen, wieviel ein Flatrate-Nutzer einen Provider, der nach dem ZISP-Tarif abrechnet, bei voller Ausnutzung der Bandbreite zusätzlich kosten kann: Rund 55 Euro plus Mehrwertsteuer monatlich fallen im schlimmsten Fall an. Für die Power-User ist das ein dramatischer Zuschlag; für Otto Normalsurfer, der im Monat nur ein Gigabyte bezieht, fallen hingegen nur rund 25 Cent an. Die Änderungen im Tarifsystem dürften also dazu beitragen, dass die Preisschere zwischen Flatrates einerseits und Zeit- und Volumentarifen andererseits weiter aufgeht und Power-User stärker zur Kasse gebeten werden. (uma)