Der große Sprung des Jaguar
Im dritten Anlauf hat er es jetzt endlich an die Spitze der Top500-Liste der Supercomputer geschafft, der Supercomputer am National Center for Computational Science in Oak Ridge. Ein Gastkommentar von Hans W. Meuer, Prometeus & Universität Mannheim.
- Jürgen Kuri
Ein Gastkommentar von Hans W. Meuer, Prometeus & Universität Mannheim
Im dritten Anlauf hat er es jetzt endlich geschafft, der Supercomputer am National Center for Computational Science in Oak Ridge namens Jaguar. Mit 1.759 PFlop/s dominiert er nun die 34. TOP500-Liste der Supercomputer. Er war ja in den letzten beiden Listen dem Spitzenreiter Roadrunner von IBM (und dem ersten System in der Welt, das im Sommer 2008 die PFlop/s Grenze übertraf) sehr nahe gekommen, wobei die Differenz weniger als 4 Prozent Linpack-Leistung betrug.
Wieso hat es jetzt so hervorragend geklappt mit 69 Prozent mehr Linpack-Leistung gegenüber dem Roadrunner? Im Vergleich zum Juni wurde beim Jaguar die Gesamtanzahl der Compute Cores von 129.600 auf 224.162 gesteigert, und, was ganz wesentlich ist, es wurden die neuen, erst seit Herbst verfügbaren AMD-Sechskern-Prozessoren Istanbul mit 2 GByte Memory per Core eingebaut. Jeder Compute Node verfügt über zwei Opterons mit 12 Cores und 16 GByte Shared Memory. Das gesamte System hat 300 Terabytes Speicher und 10 Petabytes Festplattenplatz. Schließlich wurden vom Roadrunner 2 CUs (Connecting Units) jetzt für andere Verwendung abgezweigt und damit dessen Linpack Leistung von 1105 TFlop/s auf 1042 TFlop/s gegenüber Juni reduziert.
Der Hinweis im Juni von Oak Ridge und Cray, keine wertvolle Computer-Ressourcen für den Linpack zu verschwenden und dafür lieber wirkliche wissenschaftliche Probleme auf dem Jaguar zu bearbeiten, erweist sich im Nachhinein als geschickter (Bluff-) Schachzug. Man nahm in Kauf, nicht schon im Juni knapp die Position 1 zu erreichen, um jetzt im November mit einem wirklich überzeugenden Abstand zum Roadrunner den Rest der Welt zu überraschen. Denn dass bereits im Juni die Spitzenposition möglich gewesen wäre, bezweifelte niemand. So sprach Adolfy Hoisie von Los Alamos auf der ISC'09 Conference vom "Wunder von Hamburg", dass Roadrunner nochmals die Position 1 erreicht hatte und nicht Jaguar. Jaguar erzielte jetzt die Leistung von 1.759 PFlop/s beim Lösen eines linearen Gleichungssystems mit N =5474272, die Rechenzeit dafür waren 17 Stunden und 17 Minuten.
Bemerkenswert ist, dass die bekanntlich nur auf Supercomputer spezialisierte Firma Cray ("The Supercomputer Company") zum aller ersten Mal die Spitzenposition in den bisherigen 34 TOP500-Listen erringen konnte. Cray war in den Anfängen der TOP500 und auch schon davor seit 1976 der Marktführer bei Supercomputern. So weist die erste TOP500 Liste vom Juni 1993 den Marktanteil von Cray mit 41 Prozent der Systeme aus. Unglaublich, denn die zweite Firma in der Liste, Fujitsu, hatte seinerzeit gerade mal 13.8 Prozent.
Aber nach nunmehr 16 Jahren TOP500 Liste hat sich der sehr dynamische HPC Markt total verändert: Cray wurde vom klaren Marktführer im Laufe der Jahre zum Nischen-Anbieter für High End Regierungs-Laboratorien und akademische Anwender. Andere Firmen, vor allem IBM und HP, haben in der Liste klar die Führung übernommen. Cray war in eine schwere Krise durch den totalen Einbruch der Vektorrechner geraten. Diese Krise ist bei Cray noch nicht überwunden. In der aktuellen Liste - Nov/ 2009 - hat Cray nur noch 19 Systeme, das entspricht einem Anteil von 3.8 Prozent . Allerdings sind 14 dieser Systeme in den TOP100 und hervorragende 2 sogar in den TOP3 vertreten. Es könnte also sein, dass der frühere Leader Cray jetzt wieder im Kommen ist, nicht zuletzt auch angespornt durch den Erfolg die Nummer Eins in der TOP500 Liste zu sein. Diese Position werden sie auf jeden Fall behalten, bis dann zur ISC'10 vom 31.05. bis 03.06.2010 in Hamburg die 35. TOP500-Liste publiziert wird.
Siehe dazu auch:
(jk)