Das universelle Buch

Renommierte Verlage bringen ihre Bücher als E-Book-Editionen, gleichzeitig kommt Amazon mit einem Schwung aktueller US-Bestseller nach Deutschland. E-Book-Lesegeräte, die ganz aufs Lesen von langen Texten ausgerichtet sind, vereinen die Vorteile von gedruckten Büchern und digitalen Inhalten.

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Von
  • Achim Barczok

Der E-Book-Reader Kindle hat in den USA vor zwei Jahren den Startschuss ins digitale Lese-Zeitalter gegeben. Oprah Winfrey schwört auf ihn, Stephen King hat exklusiv für den Kindle eine Horrorgeschichte geschrieben. Schätzungsweise zwei Millionen Kindles in verschiedenen Versionen hat Amazon in zwei Jahren verkauft, offizielle Zahlen gibt es nicht. Laut Amazon-Chef Jeff Bezos liegt der Anteil der verkauften E-Books für Werke, die es sowohl als E-Books als auch als Buch gibt, im Schnitt schon bei einem Drittel.

Seit Oktober gibt es den Kindle 2 auch in Deutschland, Amazon verkauft ihn weltweit in einer internationalen Version. Er ist nicht nur ein Buch ohne Papier, sondern auch ein Buch ohne (Länder-)Grenzen: In über 100 Ländern kann der Anwender über UMTS direkt auf dem Kindle E-Books, Zeitungen und Magazine von Amazon laden. Die Auswahl ist in jedem Land unterschiedlich. Im deutschen Kindle-Shop bekommt man rund 300 000 der in den USA angebotenen 360 000 Bücher. Die Zahl steigt rasant, jeden Tag kommen neue hinzu. Bisher gibt es bis auf ein paar mäßig formatierte deutsche Klassiker allerdings ausschließlich englischsprachige Bücher im Shop: Amazon hat es nicht geschafft, zum Start deutschsprachige Bestseller bereitzustellen.

Die gibt es durchaus bereits als E-Book-Editionen, nur sind sie nicht mit dem Kindle kompatibel. Denn die erste E-Book-Welle in Deutschland ist ohne den US-Marktführer Amazon gestartet. Vor einem halben Jahr zog Sony mit seinem E-Book-Reader PRS-505 auch eine ganze Reihe von renommierten Verlagen mit sich, die seitdem kontinuierlich Bestseller und zunehmend auch die Backlist – ältere Werke, die man schon nicht mehr in allen Buchhandlungen findet – digitalisieren und als E-Book-Editionen zur Verfügung stellen.

Mehrere tausend Romane gibt es bereits, mit Sachbüchern und populärer Fachliteratur kommt man auf etwa 10 000 E-Books. 25 Prozent der Spiegel-Bestsellerlisten der vorletzten Oktoberwoche bekommt man derzeit als E-Book, darunter die Werke von Starautoren wie Stephenie Meyer und Stieg Larsson.

Einige Anbieter kommen sogar auf 40 000 Bücher, wobei das Mehrangebot hauptsächlich aus Sachbüchern und Special Interest besteht. Bis zum Jahresende soll die Zahl noch einmal stark ansteigen. So haben beispielsweise die Verlage der Holtzbrinck-Gruppe angekündigt, ihr Angebot von derzeit rund 800 E-Books auf 1500 fast zu verdoppeln.

Die deutschen Verlage haben sich auf ein eher konservatives Preismodell geeinigt: Die E-Book-Editionen kosten so viel wie die aktuelle Auflage, teilweise sind sie bis zu 20 Prozent gĂĽnstiger. Ein aktueller Roman, der als gebundene Ausgabe auf den Markt kommt, kostet also als E-Book um die 20 Euro und wird erst mit Erscheinen des Taschenbuchs gĂĽnstiger. Anders bei Amazon: Da in den USA keine Preisbindung herrscht, drĂĽckt der Buchhandelsriese die Preise der meisten Bestseller auf pauschal 10 US-Dollar; in Deutschland kommt ein Zuschlag von einigen Dollar dazu.

Auch wenn die Bestseller den Markt erst so richtig wachgerüttelt haben, neu ist das Lesen auf mobilen Geräten nicht. Seit es die ersten PDAs gibt, lesen viele Anwender E-Books unterwegs. Lange bevor Werke von Ken Follett, Henning Mankell und Stephenie Meyer legal zum Verkauf angeboten wurden, hatten Leseenthusiasten in relativ abgeschlossenen Zirkeln wie DocGonzo oder Frauensteiner Kreis selbst Hand angelegt: Eingescannt, per OCR eingelesen, nachbearbeitet, getauscht. Auch wenn die so bereitgestellten E-Books meist Fehler enthalten und nicht an die Qualität der legalen Inhalte heranreichen, genügt sie den meisten.

Bis heute hat sich die Szene gehalten, doch längst findet man die Inhalte auch dort, wo sie neben Musikalben und Filmen stehen: via BitTorrent, auf PirateBay, im Usenet, bei One-Time-Hostern wie Rapid Share und auf frei zugänglichen Servern im Ausland. Tausende Bücher sind dort verfügbar, von Dan Brown bis Douglas Adams findet man vieles, was es bis heute nicht zu kaufen gibt.

AuĂźer dem illegalen Angebot gibt es im Netz aber auch legale kostenlose BĂĽcher in HĂĽlle und FĂĽlle. Plattformen wie das Projekt Gutenberg-DE oder Zeno.org stellen deutschsprachige gemeinfreie Werke als HTML zur VerfĂĽgung, auf der amerikanischen Seite Project Gutenberg und auf Feedbooks.com steht auĂźerdem Englischsprachiges in diversen Formaten bereit. Daneben bietet Google Books mehrere 100 000 Editionen von BĂĽchern mit abgelaufenen Verbreitungsrechten zum Download an. Lesestoff in elektronischer Form gibt es also reichlich.

Den vollständigen Artikel finden Sie in c't 25/2009.

Artikel zum Thema "Das universelle Buch" finden Sie in der c't 25/2009:
Lesestoff, Lesegeräte und Formate S. 134
Reader mit E-Ink-Displays im Test S. 140
E-Books im Epub-Format selbst erstellen
S. 146


(acb)