Uneinigkeit über Gefahr für Infrastruktur durch Cyber-Attacken
Europäische Sicherheitsexperten sehen derzeit keine Gefahr, dass durch Angriffe auf Computer Katastrophen oder ein Krieg ausgelöst werden könnten; US-Wissenschaftler sind da anderer Ansicht.
Europäische Sicherheitsexperten sehen derzeit keine Gefahr, dass durch Angriffe auf Computer Katastrophen oder sogar ein Krieg ausgelöst werden könne. Damit stehen sie allerdings im Gegensatz zu zahlreichen US-Wissenschaftlern. Nach deren Einschätzung könnten Terroristen nach dem aktuellen Stand der Technik durchaus in der Lage sein, durch Cyberwar wichtige Strukturen wie Energieversorgung oder Kommunikation mit Hilfe des Internet außer Funktion zu setzen. Dies wurde am Dienstag auf einem Fachkongress Netz- und Computersicherheit an der Universität Düsseldorf deutlich.
Erkenntnisse der Nachrichtendienste sprächen "jedenfalls aktuell nicht dafür", dass Extremisten das Internet "in einem als reale Bedrohung zu empfindenden Maße" als Waffe gegen technische Systeme nutzen könnten. Dies betonte Nordrhein-Westfalens Innenminister Fritz Behrens (SPD). Auch hätten moderne Informationstechnologien keine wirklich neuen Formen von Kriminalität geschaffen, sagte Behrens. Allerdings würde natürlich diese Technik häufig für herkömmliche Straftaten genutzt.
Allein rund 500.000 "Angriffe" monatlich auf den digitalen Informationsfluss der Bundesbehörden zwischen Bonn und Berlin zeigten, wie ernst die Sicherung des Datennetzes zu nehmen sei, sagte Ute Vogt, Staatssekretärin im Bundesinnenministerium. Hierzu sei eine enge Kooperation von Forschung, Politik und Unternehmen nötig, betonten Sicherheitsexperten vor rund 400 Zuhörern.
Friedensforscher warnten, durch größere Sicherheitsvorkehrungen beim Datennetz die Freiräume der Bürger einzuschränken. Entsprechende Gesetze sollten alle zwei Jahre auf ihre Wirksamkeit überprüft und gegebenenfalls wieder abgeschafft werden, "sonst ersticken wir in einem Wust von Gesetzen". (dpa) / (jk)