TK-Branche zeigt sich zuversichtlich

"FĂĽr Wachstum ist noch jede Menge Luft", glaubt E-Plus-Chef Uwe Bergheim. Chef-Regulierer Matthias Kurth sieht eine Voraussetzung fĂĽr den Erfolg in der Ăśberschreitung der Netzgrenzen.

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Von
  • Christiane Schulzki-Haddouti

Auf einer Podiumsveranstaltung der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) zum Thema "Was können wir tun, um die TK-Branche wieder zum entscheidenden Wachstumsmotor in Deutschland zu entwickeln?" zeigte sich E-Plus-Chef Uwe Bergheim gestern optimistisch: "Die Depression ist hinter uns, der Markt wächst wieder". Zwar habe der Mobilfunk in Deutschland eine Penetrationsrate von mehr als 60 Prozent erreicht, doch europaweit sei Deutschland nur auf Platz zehn. Für Wachstum sei also noch jede Menge Luft.

Die Portale der Mobilfunknetzbetreiber und -diensteanbieter, aber auch die WLAN-Netzzugänge sind keine offenen Plattformen, sondern "walled gardens", also geschützte Bereiche, die nur die eigenen Kunden nutzen dürfen. Diese Nutzungsbeschränkungen verfolgt die Regulierungsbehörde kritisch. Debitel-Chef Peter Wagner forderte eine Zugangsregulierung, um "die Marktvielfalt zu schaffen". Die Netzwerkbetreiber sollten unabhängigen Diensteanbietern einen Zugang zum Netzwerk schaffen, denn nur so könnten sie überhaupt ihre Dienste wie etwa einen Cityführer oder einen Radarfallen-Warner anbieten.

Als Vorbild pries RegTP-Präsident Matthias Kurth den Erfolg von SMS. Er sei nur möglich gewesen, "weil die Dienste über Netzgrenzen hinaus funktionierten". Diese Interoperabilität habe das "atemberaubende" Wachstum ermöglicht. Manche Telekommunikationsbetreiber generieren laut Kurth bereits 23 Prozent ihres Umsatzes mit SMS. Norbert Quinkert, Geschäftsführer der Motorola GmbH verspricht sich nun vom multimedialen Kurznachrichtendienst MMS eine Fortführung der SMS-Erfolgsgeschichte.

"Die Branche sollte nicht den Fehler der Software-Industrie wiederholen, mit einem Standard den Markt zu dominieren", warnte jedoch Kurth. Sie solle sich bemühen, die "Any-zu-Any-Kommunikation" zu erhalten. Früher habe Interoperabilität eher im Hintergrund gestanden. Inzwischen sehe auch die EU-Kommission in ihr ein wichtiges Mittel, um den Medienpluralismus und den Zugang zu kultureller Vielfalt zu gewährleisten.

"Handsets müssen wie Fernseher funktionieren, die alle erreichbaren Kanäle erschließen", forderte Nikesh Arora, Marketingleiter bei T-Mobile International. Er machte darauf aufmerksam, dass der Nutzer die Vielfalt bislang nicht vermisse. Eine Marktumfrage habe ergeben, dass nur etwa 20 Prozent der Nutzer über ihr Handy im Internet surfen -- und das nur weniger als zwei Minuten, um News und Sportergebnisse abzurufen. Die größten Barrieren beständen neben den Kosten darin, per Handy überhaupt ins Internet zu kommen und dort zu navigieren. E-Plus-Chef Uwe Bergheim hielt ihm entgegen, dass Inhalte überall verbreitet seien. Die Kundenbindung müsse deshalb auf eine andere Ebene verlagert werden.

Im Hinblick auf den Start der UMTS-Netze sieht Kurth nur dann Wachstumspotenziale, wenn offene Plattformen entwickelt werden. Die Industrie müsse hier aus der Erfahrung mit WAP lernen. Auch das Wireless Applikation Protocol sei zwar früh standardisiert worden, doch "die Branche brachte es nicht über die Netzwerkgrenzen hinaus zum Fliegen", sagte der Chef der Regulierungsbehörde. (Christiane Schulzki-Haddouti) / (anw)