Magnetisch und anfassbar

Microsoft-Wissenschaftler arbeiten an einer Computerschnittstelle, die ganz neue Möglichkeiten eröffnen soll.

vorlesen Druckansicht
Lesezeit: 3 Min.
Von
  • Duncan Graham-Rowe

Microsoft-Wissenschaftler arbeiten an einer Computerschnittstelle, die ganz neue Möglichkeiten eröffnen soll.

Seit mehr als 20 Jahren benutzen Menschen Rechner auf die gleiche Art: Mit Maus und Tastatur. Ein experimentelles neues Interface, das gerade bei Microsoft Research entwickelt wird, verspricht nun neue Bedienmöglichkeiten, die auch über die derzeit viel gehypten Oberflächen mit Bewegungssteuerung oder Multitouch hinausgehen sollen.

Die neuartige Bedienfläche soll sich unter anderem quetschen, ausdehnen, rollen und sogar reiben lassen. Sie basiert auf einer so genannten "Sensor Tile", einer Sensorenfläche, die sich im Fuß des Gerätes befindet und verschiedene magnetische Felder auf seiner Oberfläche generiert. Durch die Messung von Veränderungen dieser Felder kann das System die Bewegungen von Metallobjekten erkennen.


Im Experiment nutzbar sind beispielsweise Kugellager, deren Bewegung sich dann zur Cursorsteuerung verwenden lässt. Noch interessanter ist jedoch ein Ball, der mit Eisenspänen oder einer magnetischen Flüssigkeit gefüllt werden kann: Der Nutzer darf ihn beliebig manipulieren und lässt das 3D-Abbild dann zeitnah in den Rechner einlesen.

Stuart Taylor von Microsoft Research im britischen Cambridge betont, dass sich die Oberfläche leicht umkonfigurieren lässt, um verschiedene Eingabearten zu ermöglichen. In Zusammenarbeit mit anderen Forschern bei Microsoft und an der Newcastle University schuf er Arrays aus insgesamt 64 Magnetspulen, von denen jede in einen Spulendraht gewickelt ist. Die Sensorenfläche ist nur 100 Quadratzentimeter groß. "Grundsätzlich orientiert sich unser Modell an einer elektrischen Gitarre", sagt Taylor, "wenn man das Feld stört, wird Strom in der Spule induziert".

Die Forscher experimentierten außerdem mit dem Anlegen verschiedener Ströme an die Spulen, um physikalische Effekte auf den darauf liegenden Metallobjekten zu induzieren, die oberhalb der Sensorenfläche lagern. Das könnte beispielsweise ein Eingabegerät sein, das ein haptisches Force-Feedback bietet, sagt Taylor.

"Es ist ein interessantes Konzept, dass Multi-Touch zu etwas anfassbarem erweitert", meint Anthony Steed, Professor in der "Virtual Environments and Computer Graphics"-Gruppe am University College in London. Eine Oberfläche, auf der die Nutzer verschiedene Objekte manipulieren könnten, sei für die IT-Branche von großem Interesse.

Problematisch sei höchstens der direkte Wechsel zwischen Eingabe- und Ausgabegerät. Die Bewegung von Kugellagern durch magnetische Felder sei nicht sehr schwer, "die einer mit Eisenflüssigkeit gefüllten Kugel dagegen schon".

Taylor räumt ein, dass sein Design noch in einer frühen Phase ist. Wie die ersten kapazitiven Berührungssensoren, die einst experimentell für elektronische Instrumente verwendet wurden und nun in jedem iPhone stecken, muss sich die Technik weiterentwickeln. Niemand weiß, welchen Einfluss sie auf längere Sicht haben wird. "Wir stehen noch ganz am Anfang, über breitere Anwendungen nachzudenken." (bsc)