Stiefkind elektronisches Publizieren

Die digitalen Medien spielen bei der diesjährigen Buchmesse nur eine kleine Rolle. Das war in den vergangenen Jahren ganz anders, als es noch eine eigene Halle für Digitales gab.

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Von
  • Dr. JĂĽrgen Rink

Statt einer eigenen Halle fĂĽr digitale Medien wie in frĂĽheren Jahren auf der Frankfurter Buchmesse gab es dieses Jahr wenig mehr als eine Veranstaltung des Arbeitskreises fĂĽr elektronisches Publizieren (AKEP). Die Euphorie um digitale Inhalte ist bei den Verlagen verflogen, ĂĽbrig bleiben moderate Erwartungen an die Zukunft.

Das bestätigt eine Umfrage des Arbeitskreises. Wie schon im letzten Jahr hat der AKEP ein Branchenbarometer für alle Arten des digitalen Publizierens erstellt. Danach haben sich die Erwartungen der Verlage bei weitem nicht erfüllt. Von den einzelnen Bereichen konnten nur CD-ROM, Internet-Buchhandel und Medienneutrale Datenhaltung mehr als 30 Prozent der Verlage zufriedenstellen. Schlusslicht waren E-Books und M-Commerce. Auch für die Zukunft sehen die Verlage eher den Internet-Buchhandel, das Online-Publishing und unter anderem E-Learning im Fokus des Interesses.

Die diesjährige Buchmesse hat gezeigt, wie stiefmütterlich Verlage beispielsweise mit E-Books umgehen. Außer einer Download-Station von pdassi eBooks am Stand des Campus-Verlags für ein Kapitel von "Simplify your Life" war so gut wie nichts zu sehen. Und das, obwohl die Infrastruktur steht. Ein Portal für deutschsprachige E-Books bündelt die Angebote der wichtigsten E-Book-Shops, Lese-Software gibt es für alle Plattformen von PDA über Smartphones bis zu PC-Betriebssystemen. Auch viel kostenloses Material steht im Netz bereit.

Doch die Verlage tun derzeit wenig bis nichts, um das Lesen von E-Books zu fördern. Eigentlich verwunderlich, denn der Buchmarkt steckt nach Branchenangaben nach wie vor in der Krise. Da könnte mit E-Books als zusätzlichem Geschäftszweig durchaus Geld in die Kassen kommen, zumal die Investitionen gering wären. Dennoch entscheiden sich Verleger gegen elektronische Bücher. Schade, denn E-Books sind als Ergänzung zum gedruckten Werk vor allem unterwegs praktisch. Einen Überblick über das Angebot an deutschsprachigem digitalen Lesestoff inklusive Lese-Software gibt c't 22/2003 (ab 20. Oktober im Handel). (jr)