Bankkunden streben ins Internet
"Bankfilialen sind wie Telefonzellen im Handyzeitalter", meint der Vorstand der größten Direktbank Diba, Ben Tellings.
Um die Zukunft der Banken und Sparkassen steht es schlecht, glaubt man einer interaktiven Meinungsumfrage auf der Cibi, einem alljährlichen Kongress des Lehrstuhls für Bankinformatik der Universität Regensburg. Er gilt mittlerweile als Trendbarometer der Branche. Immerhin knapp 50 Prozent der dort vertretenen Banker sehen das Ende der Krise noch lange nicht in Sicht und rechnen mit einem weiteren dramatischen Stellenabbau in der bis vor kurzem noch als krisensicher geltenden Branche. Knapp 75 Prozent der Teilnehmer schätzt, dass der Stellenabbau in dem Bereich um 15 Prozent und mehr liegen wird.
Doch Bankkunden sollen sich keine Sorge machen, dass sie ihre Konten zukünftig selbst führen müssen. Ganz im Gegenteil, sie werden von der Radikalkur profitieren, entweder durch gute Konditionen oder durch innovative Zugangswege, so der Tenor. Der Veränderungsprozess in der Finanzindustrie zeige auch, dass es Wege gibt, in dieser Krise nicht nur zu überleben, sondern auch profitabel zu arbeiten. Der Einsatz des Internet spielt in diesem Zusammenhang eine maßgebliche Rolle. So kann die weltweit größte Direktbank Diba AG allein in Deutschland knapp 4 Millionen Kunden ohne Filialen betreuen. "Bankfilialen sind wie Telefonzellen im Handyzeitalter", bringt es Diba-Vorstand Ben Tellings auf den Punkt. "Immer mehr Kunden sagen ihrer Filiale leise ade!", so seine Einschätzung.
Citibank-Vorstand Peter Buschbeck schlägt in die selbe Kerbe. Das Institut, das schon seit jeher auf neue Technologien setzt, hatte in Deutschland das Telefonbanking lange vor den Wettbewerbern eingeführt und vertraut Innovationen wie der Videoberatung im Internet und TV-Banking. Diese Kombination aus Innovationsführerschaft, Kostenbewusstsein und Kundenfreundlichkeit führe zum Erfolg, so seine Einschätzung.
Das Outsourcing von gesamten Geschäftsprozessen scheint für viele Institute ein wesentlicher Teil ihrer Überlebensstrategie zu sein. Mit EasyCredit zeigt die mittlerweile an die DZ-Bank verkaufte Norisbank, wo die Reise hingehen kann. Banken sind auf dem Weg ins Industriezeitalter, so Theophil Graband, Chef der Norisbank. Kredite werden nicht mehr länger gewährt, sondern verkauft und das sogar über das Internet. Vorbei seien die Zeiten, als man voller Demut im Sonntagsstaat zur Bank ging, um einen Antrag auf Kredit zu stellen, der dann nach tagelangen Beratungen gewährt oder abgelehnt wurde. Dieser Prozess dauere heute bestenfalls wenige Minuten und könne zunächst in anonymer Form über das Internet durchgeführt werden. Und auch für die Auszahlung des Kredites brauche man eine Bankfiliale heute längst nicht mehr zu betreten. (Jörg Birkelbach) / (anw)