Neues Gutachten: Konzept für Chipfabrik unrealistisch

Die Marktforscher von Gartner gehen zwar von einer Erholung des Halbleiter-Marktes aus. Doch bedient Communicant nach ihrem Urteil nur einen kleinen Spezialmarkt, auf dem keine steigende Nachfrage zu erwarten sei.

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  • dpa

Das US-amerikanische Marktforschungsunternehmen Gartner hält das derzeitige Konzept für die Chipfabrik in Frankfurt (Oder) für unrealistisch. Nach Informationen des Tagesspiegel sieht das Institut nur Chancen für das 1,3-Milliarden-Projekt, wenn an den Planungen der Communicant AG wesentliche Abstriche vorgenommen werden und eine Marktanpassung erfolgt.

Das ist dem Bericht zufolge einem noch nicht veröffentlichten Gutachten zu entnehmen, das Gartner im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums zu den Marktchancen des Projekts angefertigt hat. Das Ministerium hatte auf der Krisensitzung am Montag für eine "abgespeckte" Variante der Chipfabrik plädiert.

Zwar gehen die Marktforscher von einer Erholung des Halbleiter-Marktes in den nächsten Jahren aus. Doch bedient Communicant nach ihrem Urteil mit seiner Technologie nur einen kleinen Spezialmarkt, auf dem keine steigende Nachfrage zu erwarten sei. Das Unternehmen müsse sich als Neuling auf einem hart umkämpften Markt gegen eine etablierte Konkurrenz mit verbesserten Technologien behaupten. Der bisher prognostizierte Vorteil der vom Institut für Halbleiterphysik (IHP) in Frankfurt für Communicant entwickelten Chip-Technologie sei nicht mehr gegeben.

Gartner geht dem Bericht zufolge außerdem davon aus, das der Produktionsbeginn wegen der eingetretenen Bauverzögerung in eine Zeit abgeschwächter Nachfrage fallen wird. Auch die Ausschussquoten für die Anlaufphase seien zu gering angesetzt. Eine grundsätzliche Überarbeitung des Konzepts einschließlich der Finanzierung sei unumgänglich.

Hohe Risiken sieht nach Angaben der Zeitung auch das ebenfalls von der Bundesregierung beauftragte Wirtschaftsprüfungsunternehmen PwC Deutsche Revision AG. Es sehe nicht nur die Zeit bis zum Produktionsbeginn als sehr risikoreich an, sondern moniere auch die geringen finanziellen Reserven der Communicant AG für die mehrjährige Anlaufphase. Wegen der nicht gegebenen wirtschaftlichen Tragfähigkeit ist nach Tagesspiegel-Informationen die 600-Millionen-Euro-Bürgschaft von Bund und Land für die Chipfabrik "nicht genehmigungsfähig".

Rund 1000 Bürger nahmen unterdessen heute an dem vom Frankfurter Bürgerbündnis initiierten Richtfest teil. "Wir wollen, dass die Fabrik gebaut wird; wir brauchen Arbeit, sonst sitzen wir auf der Straße", sagte Steffen Miodecki, einer von gut 130 Auszubildenden, die sich auf die künftige Fabrik vorbereiten, am Rande der Veranstaltung. Am Abend ging die Unterschriftenaktion der Stadt zu Ende. Die Listen sollen an diesem Mittwoch im Bundeskanzleramt abgegeben werden. (dpa) / (anw)