Hightech gegen Hautalterung
Japanerinnen setzen beim täglichen Kampf gegen Alterserscheinungen ihrer Haut immer mehr auf Hightech. LEDs und Ionen sollen gegen Falten und andere Alterserscheinungen helfen.
- Martin Kölling
Wie ich bei meiner jüngsten Tech-Patrouille durch Japans Elektronikwelt feststellen konnte, sind technische Warenhäuser längst nicht mehr nur ein Magnet für technikverliebte Männer. Auch Frauen werden inzwischen magisch angezogen, weil die Industrie sie bei der Suche nach ewiger Jugend nicht mehr nur mit Salben und Cremes, sondern verstärkt auch mit E-Technik unterstützt.
Im ersten Kellergeschoss von Bic Camera in Tokio-Yurakucho drängt sich allerlei Hightech für die Hautbehandlung fast so dicht wie Rasierer für Herren. Eine kleine Flut von Produkten verspricht, mit LEDs und zusätzlich mit Ionen, Vibrationen und/oder elektrischer Muskelstimulierung Falten zu glätten – und vor allem die ungeliebten Hautflecken auszuradieren. Gegen die soll "Photokosmetik" – wie die Bestrahlung der Haut mit Licht wohl auf Neudeutsch heißen dürfte – nämlich Wunder wirken.
Die elektronische Aufrüstung des kosmetischen Arsenals hat einen guten Grund: die asiatische Haut. Inzwischen hat auch die Wissenschaft belegt, was weibliche und männliche bleichgesichtige Asienkenner seit langem scharfäugig wie (beiderseitigen Geschlechts) neidvoll beobachtet haben: Die Haut von Asiatinnen wirft weit weniger in Falten als die ihrer westlichen Geschlechtsgenossinnen. Chinesinnen sehen zehn Jahre jünger als gleichaltrige Französinnen aus, hat eine im Jahr 2005 veröffentlichte Studie des Kosmetikkonzerns L'Oreal festgestellt. (Dies gilt anderen Studien zufolge wohl auch für andere Asiatinnen, wobei es innerhalb des Kontinents regionale und soziokulturelle Unterschiede gibt.)
Doch was die meisten Neider nicht wissen: nichts auf der Welt ist umsonst, auch die glatte Haut hat ihren Preis. Erstens runzelt asiatische Haut ab dem 50. Lebensjahr offenbar rascher als die europäische. Zweitens – und das ist für den Boom der häuslichen Lichttherapie entscheidend – leiden Asiatinnen weit früher als Europäerinnen an einer unschönen Pigmentierung der Haut (weshalb das deutsche Wort "Altersflecken" in Asien wahrscheinlich nicht in Mode kommen wird).
Schon Anfang-Mitte 30 treten sie bei vielen Frauen auf. Und gegen die farblichen Veränderungen helfen einfache Salben und Cremes nicht, weshalb frau verstärkt zur portablen Lichttherapie greift. Denn Hautexperten wollen herausgefunden haben, dass die Belichtung der Haut mit Wellenlängen zwischen 515 bis 1200 Nanometern (grün/gelber bis nahinfraroter Bereich) nicht nur Falten mindert, sondern auch Pigmentierungen schwächt. Rotes Licht soll gegen Tränensäcke und Falten helfen, gelbes gegen die Pigmentierung und grün-blaues die Poren öffnen. Obendrauf darf natürlich die Stimulierung der Haut durch seit Jahren hippe positiv und negativ geladene Ionen in kaum einem der Geräte fehlen. Inzwischen stoßen selbst Ventilatoren und Föhne die geladene Teilchen aus.
Die Lichttherapie für den Hausgebrauch ist zumindest den Japanerinnen viel Geld wert. Einfache Geräte wie der "Hikari Roller" (besetzt mit roten LEDs sowie "Platinum" und "Gold" genannten Metallnoppen) beginnen bei 120 Euro. Der "Photo Roller" (rote LEDs, Minus- und Plus-Ionen und elektrische Stimulierung der Muskeln) kostet genauso um 300 Euro wie der "TriPhoto", der mit grün-blauen, gelben und roten LEDs und einem Ionisatorkopf und zwei Töpfen Salbe ausgeliefert wird. Ich bin mal gespannt, ob oder besser wohl wann dieser Trend auch Europa in seiner vollen Breite erfasst. Hier in Japan interessieren sich nämlich auch westliche Damen für die Hightech-Hautbehandlungen.
(bsc)