MPF: AMD gibt sich einspurig

Neuheiten hatte AMD auf dem diesjährigen Microprocessor Forum nicht zu bieten. Dafür geriet der Keynote-Vortrag ihres Chefarchitekten Fred Weber zu einer Werbeveranstaltung für die x86-Technologie.

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Von
  • Erich Bonnert

Wenn es nach AMDs Chefarchitekten Fred Weber geht, sollte es am besten überhaupt keine Weiterentwicklung bei Befehlsarchitekturen geben -- und schon gar keine neuen Ansätze mehr. Die Masseträgheit der vorhandenen Software sei so groß, die Computerindustrie könnte beim besten Willen nicht von x86 weg. Und es gäbe sowieso keinen Grund dazu, sagte er in seiner Keynote auf dem Microprocessor Forum.

Die x86-Technologie -- eine Erfindung des Erzrivalen Intel, auf die AMD eingeschworen ist wie keine andere Firma -- ist nach seiner Darstellung die beste Prozessorarchitektur, die es je gab, und wird es auch bleiben. Vernünftig seien bestenfalls noch Erweiterungen für die Vektor- und Medienverarbeitung sowie Innovationen in der Mikroarchitektur, insbesondere Variationen der Cache-Größe und der Taktfrequenz, Multiprocessing und schnellerer I/O-Verbindungen. Weber bot eine Unmenge historischen Zahlenmaterials auf, um nachzuweisen, dass alle wichtigen Parameter für Leistung, Stromverbrauch und Kosten in der Mikroarchitektur reguliert werden und agnostisch in Bezug auf die Befehlssätze sind.

Der Trend zur Konsolidierung der Befehlssatzarchitektur sei klar erkennbar und unwiderstehlich, plädierte Weber. Seine Argumentation stützte er auf zwei Kronzeugen: Ein AMD-Kunde beispielsweise betreibt seine verstaubten VMS-Anwendungen nicht mehr auf VAX-Rechnern, sondern per Emulation auf x86-Servern, um die Software behalten zu können. Zweitens will der Handheld-Hersteller Tiqit mit Pentium-basierten PDAs den bisher nicht vorhandenen Markt für Windows-XP-Handrechner erobern. Es war nicht zu übersehen, das dieser Teil von Webers Präsentation der Auftakt zu einer Kampagne für die von National erworbene Geode-Plattform -- ebenfalls eine x86-Architektur -- war. Dabei ließ Weber aus, dass AMD durch den Kauf von Alchemy auch noch eine MIPS-Architektur im Portfolio hat.

So wenig wie alle Chipentwickler nach der Prophezeiung von Suns Technologiechef Papadopoulos einfach aufhören werden, diskrete CPUs zu entwickeln, werden wohl sämtliche Computeranwendungen dieser Welt schlicht auf dem heutigen Stand verharren, nur damit die gleiche Prozessorplattform beibehalten werden kann. Selbst AMD-Designer Andy Glew, der zum Abschluss des Forums an einer Podiumsdiskussion mitwirkte, mochte sich seinem Chefarchitekten hier nicht anschließen. Für eine Reihe neu auftauchender Anwendungen, die teilweise Extremleistungen verlangten, müssten die effektivsten Prozessoren erst noch erfunden werden. (Erich Bonnert) / (anw)