Gewinner und Verlierer in der IT-Branche
Die Investmentexperten von Goldman Sachs erwarten 2010 eine Erholung bei den IT-Ausgaben. Insbesondere bei Hardware gebe es einen deutlichen Nachholbedarf. Profitieren werden davon vor allem Server- und Storageanbieter wie Hewlett-Packard, Cisco und NetApp.
Das Jahr 2009 ist gekennzeichnet von deutlicher Investitionszurückhaltung in den Unternehmen – vor allem auch im Hinblick auf die Informationstechnik. Auf Basis einer Umfrage im Rahmen der "IT-Studie 2009" hatte die Unternehmensberatung Droege im Frühjahr festgestellt, dass ein Großteil (42 Prozent) der Firmen hierzulande ihre IT-Investitionen zurückfahren wollen. Die Investmentexperten von Goldman Sachs sehen für 2010 inzwischen allerdings erste Anzeichen für eine Trendwende.
Nach rund zweijährigem Abwärtstrend weist der von den US-Bankern erhobene "IT Capital Spending Index" seit Oktober 2009 erstmals wieder deutlich aufwärts. Mit einem Wert von knapp 55 Prozent liegt der Goldman-Sachs-Index nun wieder über der 50-Prozent-Schwelle, die einer Stagnation der IT-Ausgaben gleich kommt. Ähnlich wie bereits die Marktforscher von Gartner geben sich auch die Analysten von Goldman Sachs nur gedämpft optimistisch für die Entwicklung des IT-Geschäfts im kommenden Jahr.
Die Rezession sei jedoch überwunden und das Wachstum der weltweiten Investitionen in IT könne 2010 wieder auf bis zu 4 Prozent klettern. Als die drei wichtigsten Investitionsbereiche nennt Goldman Sachs die Anwendungsentwicklung, Systemintegration und IT-Infrastruktur. Denn immer mehr IT-Verantwortliche in den Unternehmen betrachten den Einstieg in neue Technologien wie Virtualisierung oder Cloud Computing als nächsten notwendigen Schritt an.
Markanten Nachholbedarf sieht der aktuelle "Goldman Sachs IT Spending Survey" aber auch in Sachen Hardware – vor allem bei Speichersystemen, Servern sowie im PC-Umfeld. Neue Desktop-Rechner und Notebooks dürften demnach vor allem im Zuge der Einführung von Windows 7 neu gekauft werden. Immerhin 94 Prozent der von Goldman Sachs befragten CIOs haben den Umstieg auf Windows 7 fest eingeplant. Knapp ein Drittel will diesen Schritt noch 2010 vollziehen – weitere 28 Prozent im Jahr darauf.
Von den Investitionen in neue Computer werden nach Einschätzung von Goldman Sachs besonders Hewlett-Packard, Lenovo und Dell profitieren. Spitzenreiter in dieser Kategorie ist aber zum mittlerweile siebten Mal in Folge Apple. Der Mac-Hersteller erreiche immer mehr Käufer außerhalb seiner traditionellen Klientel – und das offenbar auch mit Rechnern, deren Durchschnittspreise deutlich höher liegen, als jene der "Windows-Konkurrenten".
Bei Serversystemen für den Unternehmenseinsatz gesteht Goldman Sachs ebenfalls HP und Dell beste Chancen zu, während Sun Microsystems und IBM eher "auf dem absteigenden Ast" sitzen. Auf dem Spitzenplatz sehen die Investmentbanker allerdings einen Hersteller, der bisher noch gar nicht als Anbieter von Servern in Erscheinung getreten ist: Cisco tritt aber seit diesem Jahr mit seinen Unified Computing Systems (UCS) gegen die etablierte Konkurrenz an.
Nicht zu Letzt aufgrund von Ciscos dominanter Stellung in Sachen Netzwerkinfrastruktur für Rechenzentren räumen die Analysten dem Hersteller auch mit seiner neuen Server-Plattform gute Chancen ein. Cisco hat zudem enge Partnerschaften mit Herstellern geschlossen, die es möglich machen sollen, komplette Rechenzentrumslösungen aus einer Hand anzubieten. So zielt beispielsweise die Kooperation mit EMC und VMware auf die Wachstumsmärkte Virtualisierung und Cloud Computing ab.
In Sachen Storage-Hardware liegen NetApp und Hitachi Data Systems noch vor EMC an der Spitze, Sun Microsystems und Dell zählen im aktuellen Goldman Sachs-Ranking allerdings zu den Verlierern. Während EMC nicht nur als Hersteller von Speichersystemen, sondern unter anderem auch bei Software und Security (beispielsweise über die Unternehmenssparte RSA) als einer der potenziellen Gewinner im kommenden Jahr gilt, liegt der Virtualisierungsspezialist VMware erneut auf der Spitzenposition in der Kategorie Software-Hersteller. Trotz wachsender Konkurrenz – etwa durch Citrix und Microsoft – verteidigt VMware die Führungsposition aus dem vergangenen Jahr. Ebenso bleibt Red Hat als Linux- und Middleware-Experte aus Sicht der Investmentbanker eines der erfolgversprechenden Unternehmen.
Die Analysten von Goldman Sachs sehen unterdessen auch in dem SaaS-Pionier Salesforce.com sowie dem Backup- und Storage-Management-Spezialisten CommVault – der gerade seine Vertriebsstrukturen auf ein reines Fachhandelsmodell umstellt – zwei aussichtsreiche Kandidaten, die 2010 und in den Jahren danach von der wieder erstarkenden Investitionsbereitschaft in den Unternehmen überdurchschnittlich profitieren könnten. Eher schwierige Zeiten dürften demgegenüber auf CA und Tibco zukommen. Während CA nach Einschätzung der Goldman Sachs-Analysten von der Expertise und Marktstellung im Mainframe-Umfeld zehrt, soll SAP Interesse an einer Übernahme des Middleware- und SOA-Spezialisten Tibco zeigen. (map)