FAQ: Hochauflösendes Fernsehen (HDTV)
Auflösung
Ich habe lange geglaubt, dass es nur ein HDTV-Format gibt. Nun lese ich aber immer wieder von besseren und schlechteren Formaten. Wie viele verschiedene Auflösungen gibt es denn?
Es gibt zwei verschiedene HDTV-Formate: Die meisten der bereits gestarteten Sendern strahlen in der Auflösung „1080i“ mit (aus technischen Gründen) 1088 aktiven Zeilen und 1920 Abtastwerten pro Zeile aus. Das „i“ zeigt an, dass dabei das von PAL und NTSC bekannte Zeilensprung-Verfahren verwendet wird („interlaced scanning“). In Europa werden dabei 50 Halbbilder pro Sekunde ausgestrahlt – in Anlehnung an den PAL-Standard, um Probleme beim Herunterrechnen auf das Standardformat zu vermeiden. Die öffentlich-rechtlichen Sender ARD, ZDF und Arte haben sich hingegen für den Modus „720p“ entschieden, der nur eine Auflösung von 1280 x 720 Pixel bietet, dafür aber mit 50 Vollbildern („progressive“) pro Sekunde arbeitet.
Bei dafür produziertem Material kann das kleinere HDTV-Format durch eine bessere Bewegungsdarstellung punkten. Bei Spielfilmen und Serien, die mit 24 beziehungsweise 25 Bildern pro Sekunde aufgenommen wurden, kann 720p diesen Vorteil gegenüber 1080i hingegen nicht ausspielen: Die 50 Vollbilder bei 720p entstehen durch einfache Verdoppelung der Ausgangsbilder, die 50 Halbbilder bei 1080i durch Teilung jedes Vollbilds in zwei Halbbilder (Interlacing), die zeitlich nicht auseinanderliegen. Arbeitet der Videoprozessor im Fernseher korrekt, setzt er diese im letzten Fall wieder zu Vollbildern zusammen. Die Auflösung 1080p mit Vollbildern im Format 1920 x 1080 Pixel, die auf Blu-ray Discs anzutreffen ist, wird bislang nicht als Sendeformat genutzt.
Wer sendet was?
Warum haben sich ARD und ZDF bei ihrer HDTV-Ausstrahlung für das Format 720p entschieden und strahlen nicht gleich im höher aufgelösten Vollbildformat 1080p aus? Schließlich arbeitet die Blu-ray Disc ja auch mit 1080p, also muss es doch auch die passenden Kameras geben.
Auch wenn sich die European Broadcasting Union (EBU) als Dachorganisation der öffentlich-rechtlichen TV-Sender in Europa dem Thema 1080p-Ausstrahlung bereits angenommen hat und erste 1080p-Fernsehkameras verfügbar sind, decken die aktuellen Lösungen noch nicht alle Einsatzgebiete, wie beispielsweise die drahtlose Bildübertragung bei Sportveranstaltungen, ab. Zudem ist es mit den Aufnahmen alleine noch nicht getan, vielmehr ist eine komplette Produktionskette bis zur Ausstrahlung nötig. Und hier sind ebenfalls noch Fragen offen – nicht zuletzt, weil ein 1080p-Broadcasting-Signal mit 50 Vollbildern pro Sekunde (1080p50) unkomprimiert eine Bandbreite von rund 3 GBit/s beansprucht. Auch der Vergleich mit Blu-ray Disc ist nicht ganz korrekt: Hier liegen zwar Filme im Format 1080p mit 24 beziehungsweise 25 Vollbildern pro Sekunde vor, Material mit 50 oder 60 Hertz (1080i50/60) ist aber auch nur interlaced abgespeichert.
HDTV-Empfang allgemein
Ich habe gehört, dass ARD und ZDF ihre Hauptprogramme künftig auch in High Definition ausstrahlen. Auf welchen Wegen und mit welchen Geräten kann ich diese HDTV-Programme empfangen und aufzeichnen? Ich würde vor allem gerne bis zur Umrüstung meines Heimkinos einen gewöhnlichen DVB-Receiver nutzen.
Für den Empfang von hochaufgelösten TV-Programmen benötigen Sie stets einen HDTV-tauglichen Receiver; mit Modellen für Fernsehen in Standardauflösung können Sie nichts anfangen. Eine Ausnahme gibt es lediglich bei PC-Empfangslösungen für digitales Kabelfernsehen. Hier genügt es, eine TV-Anwendung auf dem Rechner zu installieren, die auch die Dekodierung von HDTV-Material erledigt. Genauere Beschreibungen hierzu finden Sie in c’t 6/08 auf Seite 172.
Die öffentlich-rechtlichen HDTV-Programme werden ab Februar 2010 über die Astra-Satelliten auf 19,2 Grad Ost ausgestrahlt. Auch wenn es bislang noch wenige konkrete Aussagen zu diesem Thema gibt, dürften die Sender auch ab dem Start über viele Kabelnetze verfügbar sein. Lediglich Unitymedia hängt beim Thema HDTV so hinterher, dass Zweifel an eine zeitnahe Einspeisung der öffentlich-rechtlichen HDTV-Sender angebracht sind. Auch über das IPTV-Angebot T-Home Entertain der Deutschen Telekom dürften Das Erste HD und ZDF HD künftig empfangbar sein – allerdings nur für Kunden, die einen VDSL-Zugang haben. Im Zweifel sollten Sie aber von Ihrem Provider eine konkrete Aussage zur Einspeisung verlangen. Generell kein HDTV-Empfang ist in Deutschland über das digitale Antennenfernsehen DVB-T möglich.
Das Erste HD und ZDF HD werden unverschlüsselt ausgestrahlt und lassen sich folglich mit jedem DVB-Receiver empfangen; dies schließt PC-Empfangslösungen ein. Nutzer des IPTV-Angebots T-Home Entertain können über einen Rechner im lokalen Netz mit einem Software-Player wie dem VLC media player auf den HDTV-Datenstrom zugreifen.
HD+-Empfang
Da ich mich für HDTV interessiere, habe ich mich bei einem Elektronikhändler über DVB-S2-Receiver beraten lassen. Der Verkäufer hat mir ein Modell empfohlen, mit dem sich HDTV-Sendungen auch aufnehmen lassen und auch für HD+ per Modul nachrüstbar sein soll. Kann ich damit tatsächlich alle HDTV-Angebote problemlos nutzen?
Nicht wirklich – aber der Reihe nach: Unverschlüsselt ausgestrahlte HDTV-Programme wie Das Erste HD, Anixe HD, Arte HD und ZDF HD lassen sich mit dem Gerät problemlos empfangen und speichern. Da Sky nach seinen allgemeinen Geschäftsbedingungen aber nur zertifizierte Receiver als Empfangsgeräte zulässt, können Sie mit einem Gerät ohne Siegel des Pay-TV-Senders Probleme beim Abschluss eines Abos bekommen.
Technisch betrachtet ist es aber mit dem CI-Receiver ebenfalls möglich, Skys HDTV-Kanäle anzuschauen und aufzuzeichnen. Benötigt wird hierfür ein sogenanntes Conditional Access Module (CAM) vom Typ Alphacrypt (Light), in das eine gültige Sky-Abokarte gesteckt wird. Letztere muss allerdings Nagravision als Verschlüsselungsstandard unterstützen, da es für das mittlerweile von Sky parallel auch eingesetzte NDS-Videoguard kein CA-Modul gibt.
Vor einigen Monaten wurde für einige Receiver mit CI-Slot eine Nachrüstlösung für HD+ angekündigt, die mit sogenannten Legacy-CAMs funktionieren soll. Plattform-Betreiber Astra hält nach eigenen Angaben an diesem Plan fest, obwohl ihn einige Hersteller mittlerweile aus Kostengründen für gescheitert erklären. Insofern ist es eine gute Idee, sich schriftlich vom Händler ein Rückgaberecht einräumen zu lassen, falls das HD+-Update nicht bis zu einem bestimmten Zeitpunkt verfügbar ist. Zudem ist bislang unklar, ob es mit den nachgerüsteten Receivern möglich sein wird, Mitschnitte von HD+-Sendungen anzufertigen. (nij)