Für Business by Design beginnt der Ernst des Lebens

Seit 2007 geht SAP nun schon mit Business by Design schwanger, der SaaS-Lösung für KMUs von 10 bis 50 Mitarbeitern. Zwischenzeitlich einsetzende Geburtswehen erwiesen sich doch immer wieder als Fehlalarm. Bei einem Treffen von SAP-Kunden und -Partnern war jetzt heraus zu hören, dass sie der neuen Version Mitte 2010 endlich eine gute Chance einräumen.

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Von
  • Jakob Jung/Evi Hierlmeier

"Unternehmen ohne große individuelle Bedürfnisse sind die geeignete Zielgruppe für gehostete ERP-Lösungen wie Business by Design", SAP-Manager Andreas Naunin

(Bild: SAP)

SAP und der Mittelstand ist generell ein Thema, das immer wieder gerne genommen wird – zum Meckern, Kritteln, Tadeln: Es will einfach nicht so richtig zum Hauslieferanten weltweiter Großkonzerne passen. In den vergangenen Jahren hat es SAP aber nun doch belegbar geschafft, Marktanteile im Mittelstand zu ergattern. Beteiligt daran ist in erster Linie die Lösung All in One für den gehobenen Mittelstand, die durch das Fast-Start-Programm Sympathien gewinnt. Die Bastionen der Unternehmen in der Klasse darunter sollen Business One und jetzt Business by Design stürmen.

Vor allem dem neuen Baby Business by Design kommt dabei eine gewichtige Rolle zu, die es auch in Zukunft überfordern könnte, wie bereits in der Vergangenheit geschehen: Denn SAP hat ihm zu früh zu viel aufgebürdet – und die Schwierigkeiten der technischen Implementierung unterschätzt. Jetzt aber geben sich auch die Partner optimistisch.

Einer der größten SAP-Systemhauspartner, die Itelligence AG, erklärt es gar zu einem von zwei Standbeinen des Unternehmens. "Die Hosting-Lösung Business by Design ist die Zukunft für kleinere Unternehmen", prognostiziert Wolfgang Kröner, Geschäftsbereichsleiter Mittelstand bei Itelligence. Vor allem bei neuen Unternehmen macht er gute Chancen aus, die er zielgerichtet und emotional angehen will. "Business by Design ist ein ideales System für Söhne der Unternehmensgründer, die junge Generation also, die mit größerer Selbstverständlichkeit an Cloud Computing herangeht." Als erster deutscher SAP-Partner kann Itelligence einen Referenzkunden für Business by Design vorweisen, nämlich die Uwe Braun GmbH. Weltweit setzen bislang 100 Kunden die Lösung ein, die Hälfte davon ist damit produktiv.

Martin Dolling, Geschäftsführer Uwe Braun GmbH: "40 Mitarbeiter an zwei Standorten erwarten von Business by Design spürbare Verbesserungen."

(Bild: Uwe Braun)

Die Hoffnungen liegen klar auf den Systemhauspartnern, die die Lösungen verstärkt implementieren sollen. Andreas Naunin, Leiter Unternehmensbereich Mittelstand und Mitglied der Geschäftsführung von SAP Deutschland: "Wir operieren seit vier Jahren mit unseren Partnern erfolgreich im Mittelstand und führen jetzt gemeinsam auch Business by Design erfolgreich ein." Die Partner müssen allerdings gleich mehrere kniffelige Aufgaben lösen: Die deutschen Skeptiker von der Zuverlässigkeit und dem Nutzen von Cloud-Lösungen überzeugen und von einer neuen SAP-Software, die sich bisher nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat. "Cloud Computing und damit das Produkt Business by Design wird sich im Mittelstand durchsetzen, wenn erkannt wird, dass es kostengünstiger ist", verkündet jedoch Naunin vollmundig. Ob er da möglicherweise die Innovationsfreudigkeit deutscher Unternehmenskunden überschätzt, die den Anbietern ihre Software-as-a-Service-Lösungen bislang nicht gerade aus den Händen reißen, wird sich weisen.

Nichtsdestotrotz knüpft SAP-Partner Werner Hölzl, Geschäftsführer des Systemhaus Versino AG, an Business by Desing gute Zukunftsaussichten, also "mehr Umsatz und neue Kunden". Referenzkunde Uwe Braun GmbH steht die Stunde der Wahrheit direkt bevor: "Wir werden nächsten Monat in den Produktiv-Betrieb gehen. 40 Mitarbeiter an zwei Standorten erwarten dann bessere Geschwindigkeit, Dokumentation und Zusammenarbeit in den Teams", schildert Geschäftsführer Martin Dolling. Im Vorfeld wurden gemeinsam mit dem Hasso-Plattner-Institut alle Prozesse durchforstet und ein durchschnittliches Einsparpotenzial von 30 Prozent ermittelt. "Wir haben uns die Entscheidung nicht einfach gemacht und gründliche Vorbereitung für Business by Design getroffen. Dafür erwarten wir jetzt mehr Sicherheit." Dollings Unternehmen gehört zu 100 Prozent SAP-Gründer Hasso Plattner und war damit sozusagen das ideale Versuchskaninchen.

Die bereits eingeführte Mittelstandslösung All-in-One erhielt einen Schub durch das Fast-Start-Programm. Paketierung, Standardisierung und das Versprechen, das Budget zu halten – mit Festpreisgarantie – schaffen laut Kröner Vertrauen im Mittelstand. Ein Update könne über das Wochenende eingeführt werden. "Dank Fast Start ist All-in-One binnen drei Monaten für den produktiven Einsatz bereit. Die Kunden kommen auf uns zu, um ihre ERP-Landschaft zu erneuern", bestätigt auch Stefan Eller, Geschäftsführer des Systemhauses ITML GmbH.

Gerd Ludwig, Geschäftsführer der INTEC International GmbH und ITML-Kunde, ist jedenfalls damit zufrieden. "Zwar schießen wir mit unseren 24 Mitarbeitern mit All-in-One im Moment noch mit Kanonen auf Spatzen, aber es passt in unsere Wachstumsstrategie." Da INTEC sich als globaler Player etablieren will, sei die Entscheidung für SAP auch im Hinblick auf die Finanzierung gefallen: "Wer SAP einsetzt, genießt bei den Banken eine ganz andere Reputation im Vergleich etwa zu einer Software von Sage", berichtet Ludwig. Ein gewichtiges Argument: Schließlich besteht das größte Problem im Mittelstand derzeit in der Kapitalbeschaffung. Nicht nur der Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft sieht den Mittelstand in der Kreditklemme, auch eine Studie (PDF) der KfW-Bankengruppe und des Bitkom machen das Dilemma deutlich. (map)