Europäisches Satellitensystem Galileo trifft auf wachsende Skepsis

Das nach monatelangem Streit auf den Weg gebrachte europäische Satellitennavigationssystem trifft bei potenziellen Anwendern bislang auf wenig Begeisterung, schreibt "Technology Review".

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Von
  • Wolfgang Stieler

Das nach monatelangem Streit im Mai auf den Weg gebrachte europäische Satellitennavigationssystem Galileo trifft bei potenziellen Anwendern bislang auf wenig Begeisterung. Experten sind der Ansicht, dass die Ausgaben von 3,6 Milliarden Euro nicht gerechtfertigt seien und stellen zudem die wirtschaftliche Rentabilität infrage, schreibt das Technologiemagazin Technology Review in seiner aktuellen Ausgabe 11/03.

Mit dem System, das 30 Satelliten umfassen und bis 2008 installiert sein soll, tritt die Europäische Union in Konkurrenz zum US-amerikanischen Global Positioning System (GPS). Das System sei genauer als GPS, höchst rentabel und Garant für viele neue Arbeitsplätze. "Unter der Hand", so Technology Review, sei jedoch zu erfahren, dass es für die vorgebrachten Gründe gar nicht gebraucht werde. Die beschworene höhere Genauigkeit sei für die meisten Privatnutzer "genauso unwichtig wie eine Zehn-Gramm-Anzeige bei einer Personenwaage".

Tatsächlich, schreibt Technology Review, dürfte bei der Entscheidung für Galileo eher "eine Mischung aus europäischer Eitelkeit, Förderung der eigenen Raumfahrt-Industrie und Sorge vor dem weiteren Ausbau der US-Vormachtstellung" den Ausschlag gegeben haben. Auch eine militärische Nutzung von Galileo wird nicht ausgeschlossen. Die deutsche Automobilindustrie sieht jedenfalls keinen Grund, sich zu engagieren. Statt ihrer erhofften Beteiligung soll jetzt angeblich China planen, das Projekt mit mehr als 200 Millionen Euro zu unterstützen. (wst)