Noch keine Entwarnung von Siemens

Für den Elektrokonzern Siemens hat die Bewährungsprobe erst begonnen. Jetzt muss sich zeigen, wie tragfähig die milliardenschweren Einsparungen in Vertrieb und Verwaltung und die von Konzernchef Peter Löscher vorangetriebene Verschlankung des Konzerns sind.

vorlesen Druckansicht 16 Kommentare lesen
Lesezeit: 3 Min.
Von
  • Christine Schultze
  • Stefan Bauer
  • dpa

Für den Elektrokonzern Siemens hat die Bewährungsprobe erst begonnen. Jetzt muss sich zeigen, wie tragfähig die milliardenschweren Einsparungen in Vertrieb und Verwaltung und die von Konzernchef Peter Löscher vorangetriebene Verschlankung des Konzerns sind. Löschers verhaltener Ausblick auf das neue Geschäftsjahr sorgte am Donnerstag erst einmal für schlechte Stimmung an den Börsen, machte aber auch deutlich, dass die Konjunktur nach der schwersten Krise der Nachkriegsgeschichte noch anfällig ist. "Wir stehen am Fuße eines hohen Berges, und der Aufstieg steht uns noch bevor. Weitere gemeinsame Anstrengungen sind notwendig", mahnte der Siemens-Chef.

Sehr rasch dürfte es allerdings trotz aller Bemühungen nicht wieder nach oben gehen. Zwar will Siemens in seinen Kerngeschäftsfeldern als Erster oder mindestens Zweiter der jeweiligen Branche wieder obenauf sein, Löscher räumt aber ein: "Dazwischen haben wir gewisse Bergtäler zu durchwandern: Das ist das Jahr 2010." Zum größten Sorgenkind hat sich mittlerweile der Telekommunikationsausrüster Nokia Siemens Networks entwickelt, der Siemens im Schlussquartal 2008/09 (30. September) unter dem Strich tief in die roten Zahlen drückte. Das vor zwei Jahren mit großen Erwartungen gegründete Joint Venture verliert Marktanteile und hatte auch kürzlich dem weltgrößten Handyhersteller Nokia schon die Bilanz verhagelt.

Aber auch das wichtige Industriegeschäft schwächelt weiter: Hier brach der Auftragseingang im vierten Quartal um ein Fünftel ein, eine durchgreifende Belebung lässt noch auf sich warten. Einen Grund für neue harte Einschnitte sieht Löscher aber noch nicht: "Wir haben immer noch einen sehr hohen Auftragsbestand von gut 81 Milliarden Euro. Das ist mehr als im Jahr vor Beginn der Krise." Auch schlage sich Siemens besser als viele Wettbewerber. Wichtigste Konkurrenten des Elektrokonzerns sind der US-Mischkonzern General Electric sowie Philips und ABB.

Das konjunkturelle Umfeld dürfte derweil labil bleiben. "Es wird noch einige Zeit dauern, bis sich die Weltwirtschaft wieder vollständig stabilisiert hat", erwartet Löscher. Auch die derzeitige Lage in Dubai zeige, dass die globale Immobilien- und Finanzkrise noch längst nicht überstanden sei. Umso erleichterter ist die Siemens-Führung, dass nach der Einigung mit dem früheren Vorstand um Ex-Konzernchef Heinrich von Pierer eine weitere Altlast aus dem Korruptionsskandal abgearbeitet ist. "Das ist ein wichtiger Schritt, um dieses dunkle Kapitel zu schließen", sagte Löscher.

Fortschritte hat Siemens in den vergangenen Monaten auch bei der Optimierung seines Einkaufs gemacht. Die Zahl der Lieferanten wurde deutlich reduziert, und das Unternehmen kauft jetzt verstärkt im günstigeren Ausland ein. "Die Erfolge im Einkauf haben ausgereicht und dazu beigetragen, um die Preisverfälle im Markt aufzufangen", sagte Finanzvorstand Joe Kaeser.

Analysten sahen in der Bilanz des Konzerns am Donnerstag Licht und Schatten. Vor allem für den skeptischen Ausblick wurden die Papiere des Elektrokonzerns abgestraft. Nach einem schon schwachen Auftakt lag der Kurs der Siemens-Papiere am späten Donnerstagnachmittag gut 3,3 Prozent unter dem Vortag bei rund 65,30 Euro.

Siehe dazu auch:

(jk)