Mobilfunk stützt Wachstum auf Telekommunikationsmarkt
VATM-Präsident Peter Wagner sieht eine "weiterhin ungebrochene Bedeutung von Call-by-Call und Preselection für den Wettbewerb".
Der Gesamtmarkt für Telekommunikationsdienste in Deutschland wächst in diesem Jahr voraussichtlich um fast 5 Prozent auf 62 Milliarden Euro. Zu diesem Ergebnis kam eine Marktanalyse, die der Branchenverband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) und die Duisburger Unternehmensberatung Dialog Consult heute in Bonn präsentiert haben. Die Marktanalyse basiert auf einer Befragung unter etwa 20 Verbandsmitgliedern, die 75 Prozent des Umsatzes im alternativen Telekommunikationsmarkt (die Konkurrenzfirmen der Deutschen Telekom) ausmachen.
Getrieben wurde das Wachstum vor allem von den Mobilfunkdiensten. Nach den Ergebnissen der Studie werden in diesem Jahr zwei Drittel oder 17,5 Milliarden Euro auf die drei Betreiber Vodafone D2, E- Plus, O2 sowie die verschiedenen Diensteanbieter entfallen. Die Zahl der Mobilfunkkunden werde Zum Jahresende bei rund 63,5 Millionen liegen.
Im Ortsnetz konnten die Wettbewerber ihren Anteil nach der Marktöffnung für Call-by-Call bei den Gesprächsminuten deutlich steigern. Die Marktmacht der Telekom im Ortsnetz macht jetzt noch 83 Prozent der lokalen Minuten aus, 2002 waren es noch 93 Prozent.
VATM-Präsident Peter Wagner sieht darin die "weiterhin ungebrochene Bedeutung von Call-by-Call und Preselection für den Wettbewerb". Denn diese Dienste machen immer noch den höchsten Anteil an der Nutzung der Angebote der Wettbewerber aus und verzeichnen weiter wachsende Kundenzahlen. Auch die Kundenzahlen bei Komplettanschlüssen sind stark angestiegen, da viele City-Carrier neben den klassischen TAL-basierten Anschlüssen zunehmend auch große Objekte wie Altenheime, Studentenwohnheime, große Liegenschaften von Wohnungsbaugesellschaften sowie komplette Neubaugebiete mit eigenen Leitungen erschlossen haben.
Bei DSL-Anschlüssen liegt der Marktanteil der Deutschen Telekom unterdessen bei weiterhin deutlich über 90 Prozent. Wagner sieht das als Konsequenz von "gravierenden Versäumnissen der Regulierungspolitik sowie der Dumpingpreisstrategie der Deutschen Telekom". Die eigenen DSL-Anschlüsse der Wettbewerber auf Basis eigener Infrastruktur werden sich 2003 auf 400.000 verdoppeln, was Ende 2003 einem Marktanteil von 8,5 Prozent entspräche. Ohne den "Sündenfall der Regulierung" wären 8 Millionen Anschlüsse möglich gewesen, sagte Wagner. Hier setzt er aber durchaus Hoffnung auf die Novellierung des Telekommunikationsgesetzes. "Die Regelung für Vor- und Endprodukte müssen konsistent sein", forderte Wagner. Bislang sei jedoch zu beobachten, dass die vom Bundeswirtschaftsministerium eingebrachten Vorschläge vom Bundesfinanzministerium zum Nachteil der Wettbewerber und zum Vorteil der Deutschen Telekom verwässert worden seien.
Die Zahl der Mitarbeiter bei Telekom-Konkurrenten liegt Ende 2003 voraussichtlich mit 48.500 Mitarbeitern um 7 Prozent niedriger als im Vorjahr. Für das kommende Jahr erwartetet der VATM keinen weiteren Stellenabbau. (Christiane Schulzki-Haddouti) / (tol)