Microsoft bindet Verbraucher bei der Piratenjagd ein

Mit dem internationalen Consumer Action Day will Microsoft über Software-Piraterie aufklären und Verbraucher dazu animieren, verdächtige Produkte überprüfen zu lassen. Wer Fälschungen mit Rechnung vorlegen kann, erhält ein lizensiertes Originalprodukt.

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Von
  • Monika Ermert

Microsoft will seine Kunden zum Partner im Kampf gegen illegale Softwarekopien machen. Immer mehr Kunden kämen zum Hersteller, weil sie nicht sicher seien, ob sie legale Produkte erworben hätten, sagte Microsoft-Justiziarin Swantje Richters am Mittwoch in München zum Hintergrund des Consumer Action Day. Microsoft bietet in München und einer Reihe anderer Städte weltweit einen "Produktidentifikationsservice" (PID) an, über den Kunden innerhalb eines Tages prüfen lassen können, ob sie Fälschern aufgesessen sind. Eine eigens eingerichtete Website gibt zudem Tipps, wie Fälschungen zu erkennen sind.

Die Kunden hätten da einen guten Riecher, sagte Richters: 90 Prozent der in den vergangenen zehn Jahren überprüften Produkte hätten sich tatsächlich als gefälscht herausgestellt. Wer einen Kaufbeleg, eine eidesstattliche Versicherung über den Kauf und die Software selbst auf den Tisch legen kann, der erhält von Microsoft ein lizenziertes Produkt. Man sei allerdings rasch davon abgekommen, Händlern, die Fälschungen eingereicht hätten, jedes einzelne gekaufte Paket zu ersetzen, sagte Richters. Auch wer sich Online Software beschafft, ist ausgeschlossen.

"Wir wollen, dass Verbraucher nein sagen zum Kauf von Fälschungen", sagte auch Doris Möller vom Deutschen Industrie und Handelskammertag (DIHK). Wenn die Kunden wüssten, dass sie durch den Kauf von Raubkopien oder Fälschungen der organisierten Kriminalität in die Hände spielten, würden manche Verbraucher vielleicht die Finger davon lassen. Den "Verbrauchertag" will der Software-Riese auch nutzen, um auf "Hunderte" von Projekten zur Aufklärung – etwa an deutschen Schulen – ebenso hinzuweisen wie auf die zahlreichen Gerichtsverfahren "in über 70 Ländern auf sechs Kontinenten".

Ohnehin schätzen die Piratenjäger, dass Kunden, die nur 50 Euro für ein eigentlich 600 Euro teures Betriebssystem bezahlen, sich darüber im Klaren seien, dass da etwas nicht stimme. Wer Fälschungen meldet, muss aber laut Richters nicht mit zivilrechtlichen oder strafrechtlichen Konsequenzen rechnen. Die Justziarin verwies auf aktuell zehn laufende zivilrechtliche und zwei strafrechtliche Verfahren des Unternehmens gegen Anbieter gefälschter Microsoft-Produkte übers Internet in Deutschland und 200 Verfahren weltweit.

Um die Verbraucher davon zu überzeugen, dass sie selbst durch Softwarepiraterie zur Kasse gebeten werden, verweist Microsoft auf die mögliche Dreifachbezahlung für raubkopierte Software: der Kunde zahle für den Kauf der illegalen Kopie, die mögliche Inanspruchnahme durch das geschädigte Unternehmen und die anschließende Nachlizenzierung. Richters verwies auch auf Gefahren für die IT-Sicherheit und zitierte verschiedenen Studien, die hohe Infektionsraten der raubkopierten Software mit Viren oder Schadsoftware festgestellt hätten. (vbr)