Unabhängige Provider gründen Alternative zum DE-CIX

Der F-IX in Frankfurt soll den zentralen Knotenpunkt des deutschen Internet DE-CIX ergänzen, doch dessen Betreiber eco sieht Probleme auf die Branche zukommen.

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Der Zoff um das Herz des deutschen Internet geht in eine weitere Runde: Eine Gruppe unabhängiger Netzprovider hat am heutigen Freitag einen neuen Austauschpunkt für Internet-Traffic ins Leben gerufen. Der F-IX steht am Standort Frankfurt am Main, an dem zahlreiche deutsche Internetanbieter ihren Sitz haben. Er soll eine Alternative zum DE-CIX darstellen, der bisher als Hauptdrehscheibe des gesamten deutschen Internetverkehrs fungiert. Über 80 Prozent des Datenverkehrs, den Nutzer hierzulande verursachen, läuft momentan über den Frankfurter Stammknoten. Von dort werden sie an die anvisierten Empfänger weitergeleitet.

Die Betreiber des neuen Frankfurt Internet Exchange wollen diesem manchmal etwas schwer pumpenden Netzherz einen Bypass legen. Er soll nach Angaben der Gründer zur Erhöhung der Kapazitäten des Internet in Deutschland beitragen und höhere Ausfallsicherheit bieten. "Der DE-CIX braucht Redundanz", begründet Marc Keilwerth, Geschäftsführer der sich noch in Gründung befindlichen F-IX Service GmbH mit Sitz in Minden, den Vorstoß gegenüber heise online. Dass die Initiative auch einen politischen Hintergrund hat, will er aber nicht verleugnen. Im Sommer hatten 15 Mitglieder des Arbeitskreises DE-CIX mit dem "Auszug" aus dem eco Forum gedroht, das den Frankfurter Netzknoten verwaltet. "Das ganze Gezerre gefiel uns nicht mehr", sagt Keilwerth.

Im Boot für den F-IX hat er nun die ersten fünf Provider, zu denen die Mindener Firma MK Netzdienste, der DSL-Anbieter Celox aus Bonn sowie der Darmstädter Funknetz-Spezialist toplink plannet gehören. Weitere Kunden möchte Keilwerth vor allem mit Angeboten locken, die der DE-CIX momentan nicht bietet. Dazu zählt die Möglichkeit, private Verbindungen in Form so genannter VLAN (Virtual LAN) zwischen zwei Teilnehmern zu knüpfen. "Darüber können die Kunden zusätzliche Dienste verkaufen", erläutert Keilwerth. IPv6-Peering und Multicast seien geplant.

Harald Summa, Geschäftsführer des eco Forums, betrachtet die Entwicklung mit Sorge. Sie sei "für die Branche nicht gut". Für ihn ist ein "zentraler Knotenpunkt", über den das Peering des Datenverkehrs erfolgt, nach wie vor "unschlagbar" für die Bewältigung des ständig wachsenden Internet-Traffic. "Sonst müssen sich die einzelnen Provider ihren Verkehr an mehreren Punkten zusammensuchen", benennt Summa die Nachteile eines dezentralen Managements der ausgetauschten Internetdaten. In London sei bereits eine solche Entwicklung zu beobachten, wo es inzwischen sechs bis sieben Alternativen zum dortigen Zentralknoten gebe. "Dabei steht das Peering gar nicht mehr im Mittelpunkt", weiß Summa. Es gehe um neue Geschäftsmodelle und das "Dealen mit Leitungen und Bandbreiten." Es werde sich zeigen müssen, ob dies "im Sinne der Erfinder" des Internet sei. Letztlich erhöhe sich der Aufwand für alle Beteiligten im Basisgeschäft rund ums Netz.

Angst um die Stabilität des deutschen Teils des Internet hat Summa zunächst nicht. Jeder an den DE-CIX angeschlossene Provider habe ohnehin immer schon zusätzliche Routen parat, sodass das Netz notfalls auch ohne den zentralen Peering-Point laufe. "Die meisten alternativen Knoten kommen zudem nicht über einen kritischen Markt hinaus", weiß der eco-Frontmann. Bereits existierende DE-CIX-Alternativen wie der Berliner BCIX oder der Düsseldorfer ECIX fristeten lediglich ein Nischendasein, meint Summa.

Um Lastprobleme beim "Original" zu verhindern und den DE-CIX "zukunftssicher" zu machen, habe eco selbst gerade noch einmal für rund eine Million US-Dollar neue Switches gekauft. Zudem werde die Hardware momentan auf zwei, in absehbarer Zeit auf drei Standorte verteilt. Die wirtschaftlichen Aktivitäten des eco Forums sollen vom neuen Jahr an in einer gesonderten Gesellschaft abgewickelt werden. Doch auch beim F-IX wird anscheinend nicht gekleckert: Mit einer Kapazität von 80 Gigabit/s verfügt der Knoten nach Angaben Keilwerths bereits zum Start über die mehrfache Kapazität des gesamten aktuellen Internetverkehrs in Deutschland. (Stefan Krempl) / (uma)