Neues Konzept fĂĽr Brandenburger Chipfabrik liegt Bund vor

Wirtschaftsverbände aus Ostbrandenburg haben Bundeskanzler Gerhard Schröder um Unterstützung bei der Finanzierung der Chipfabrik Frankfurt (Oder) gebeten.

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  • dpa

Wirtschaftsverbände aus Ostbrandenburg haben Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) um Unterstützung bei der Finanzierung der Chipfabrik Frankfurt (Oder) gebeten. Mit einer ganzseitigen Anzeige in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung warben sie am Donnerstag zugleich für das überarbeitete Konzept. "Die Betreiberfirma Communicant braucht umgehend eine klare Aussage des Bundes zur noch ausstehenden Bürgschaft für das Fremdkapital", hieß es in der Anzeige. Wie das Bundeswirtschaftsministerium mitteilte, liegt dort jetzt das neue Konzept vor. "Wir befinden uns in konstruktiven Gesprächen. Es liegt allerdings noch ein schwieriger Weg vor uns", sagte ein Sprecher dpa am Donnerstag.

Der Bund-Land-Bürgschaftsausschuss wird dem Vernehmen nach frühestens an diesem Freitag zusammentreten. Er muss über eine 80-prozentige Bürgschaft für einen 650-Millionen-Euro-Kredit entscheiden. Dubai als Hauptfinanzier der ursprünglich für 1,3 Milliarden Dollar geplanten Fabrik macht von dieser Entscheidung die zweite Rate von 105 Millionen Dollar abhängig. Stichtag für die Überweisung war Mittwoch.

Communicant, die niederländische ABN Amro Bank und das US-Marktforschungsinstitut Gartner gehen im neuen Konzept davon aus, dass sich die Frankfurter Technologie von bekannten und erwarteten Technologien deutlich abhebt. Sie sei eine gute Basis für eine starke Positionierung im Wettbewerb, lautete es dazu im Anzeigentext. Die zu erzielenden Umsätze seien realistisch und basierten auf erreichbaren Marktanteilen. Communicant könne mit seiner Kompetenz eine führende Rolle am Markt spielen.

Das Konzept räumte Probleme aus, die Gartner in seinem zuvor erstellten Gutachten zur Wirtschaftlichkeit der Chipfabrik angemerkt hatte. Communicant geht jetzt von mehr als 1000 Arbeitsplätzen aus. Der Businessplan sei minimal verkleinert worden, sagte ein Sprecher. Bisher war von 1300 Arbeitsplätzen die Rede.

Die Wirtschaftsverbände drängten auf eine Entscheidung, sagte Wolfgang Pohl vom Frankfurter Hanse Club, einem Mitunterzeichner der Anzeige. Zugleich betonte er, mit den erheblichen Steuermitteln und dem kaufmännischen Risiko müsse sorgsam umgegangen werden. Das Konzept werde von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PWC geprüft. "Nur mit einer eindeutig positiven Entscheidung zur Bürgschaft wird der Aufbau Ost ernst genommen", betonen die Befürworter in der Anzeige, die auch die Eko Stahl GmbH (Eisenhüttenstadt) unterschrieben hat.

Die Chipfabrik muss nach Ansicht des Frankfurter BĂĽrgerbĂĽndnisses auch im Zentrum der Stadt "sichtbar" sein. Als "Stein des AnstoĂźes" solle die Info-Box, die an der Baustelle vor den Toren der Stadt steht, ins Stadtzentrum geholt werden, schlug das BĂĽndnis vor. Jeder, der nach Frankfurt komme, solle auch sehen, dies sei die Stadt von Communicant. (dpa) / (boi)