Durchsuchungen und Festnahmen gegen professionelle Software-Fälscher
Der Polizei sei es gelungen, die Strukturen organisierter Kriminalität im Softwarehandel zu identifizieren und ihnen erfolgreich entgegen zu wirken, erklärte Microsoft zu der Polizeiaktion gegen illegalen Software-Handel.
Mit einer bundesweiten Razzia ist die Polizei am Montag gegen professionelle Software-Fälscher vorgegangen. Sechs Verdächtige wurden in Haft genommen, mindestens drei weitere vorläufig festgenommen, berichteten die beteiligten Ermittlungsbehörden. Die mutmaßlichen Software-Piraten stehen unter dem Verdacht des gewerbsmäßigen Betrugs und des Verstoßes gegen das Urheber- und Markenrecht. Sie sollen vor allem dem US-Konzern Microsoft Schäden in Millionenhöhe zugefügt haben.
Schwerpunkt der Razzia war dem Bundeskriminalamt zufolge das Bundesland Nordrhein-Westfalen, wo unter anderem ein Haus in Remscheid durchsucht wurde. Das BKA ließ im Auftrag der Staatsanwaltschaft Bochum mit rund 200 Beamten 30 Objekte in Nordrhein-Westfalen, Hamburg, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz überprüfen. Dazu kamen laut Polizei noch Ermittlungsverfahren in Hessen, Thüringen, Bayern und Baden-Württemberg. Im oberschwäbischen Wilhelmsdorf wurde der 32 Jahre alte Geschäftsführer einer Computer-Firma in Haft genommen.
Die Beschuldigten sollen Raubkopien hergestellt und gehandelt, aber auch Original-Software-Pakete geteilt und mit Microsoft-Sicherheitsmerkmalen versehen haben. Billige Schüler- und Studentenversionen der Software seien zudem in weitaus teurere Vollversionen verfälscht worden.
Das BKA bezifferte den bislang errechneten Schaden auf rund 16 Millionen Euro. Die tatsächliche Schadenssumme dürfte aber weit höher liegen, hieß es in Wiesbaden. Besonderes Ziel der Ermittlungen sei es, die illegalen Gewinne der Täter abzuschöpfen. Allein bei den Durchsuchungen der hessischen Generalstaatsanwaltschaft hat Microsoft Ansprüche von 17,5 Millionen Euro gegen die Beschuldigten erhoben.
Die hauptgeschädigte Firma Microsoft begrüßte die Polizeiaktion. Der Polizei sei es gelungen, die Strukturen organisierter Kriminalität im Softwarehandel in Deutschland zu identifizieren und ihnen erfolgreich entgegen zu wirken, erklärte Unternehmenssprecher Hans-Jürgen Croissant in München. Sein Unternehmen werde die Ermittler bei der Auswertung des Beweismaterials weiterhin unterstützen.
BSA: Augen auf beim Softwarekauf
Der Branchenverband BSA (Business Software Alliance) nahm die Polizeiaktion zum Anlass, Verbrauchern beim Software-Kauf zur Vorsicht zu raten. Immer trickreicher agierende Softwarepiraten machten es Computer-Nutzern oft schwer, reguläre von illegaler Ware zu unterscheiden. "Man ist immer wieder überrascht über die Professionalität in diesem Bereich", sagte Georg Herrnleben von der BSA der dpa.
Der Verband rät den Verbrauchern deshalb, auf einige Merkmale besonders zu achten. Eine illegal produzierte CD erkenne man längst nicht mehr ohne weiteres auf einen Blick. Die meisten Piraterieprodukte seien zwar immer noch selbst gebrannte und mit einem Filzstift beschriftete CDs. "Es gibt aber inzwischen Fälschungen, bei denen selbst Experten Probleme haben, sie zu erkennen", sagte Herrnleben. Bei überraschend billigen Angeboten von Markenprodukten sollte der Verbraucher deshalb besonders vorsichtig sein, rät die BSA. Am besten sollte man sich beim Kauf von Software an den etablierten Fachhandel wenden. Bei neu gekaufter Software sollte der Kunde sicherstellen, dass er auch die dazu gehörige Lizenzvereinbarung erhält. Vorsicht ist nach Meinung der BSA geboten, wenn es sich um eine Zusammenstellung verschiedener Software unterschiedlicher Hersteller handelt. Solche so genannten Compilation-CDs seien in der Regel unüblich, heißt es. Der Käufer kann sich direkt beim Hersteller über offizielle Angebote informieren.
Der Verkauf illegaler Software erfolgt nach Erkenntnissen des BSA vermehrt auch in speziellen Online-Auktionen und Katalogen. Generell empfiehlt der Verband beim Online-Kauf entgegen vieler Warnungen mit Kreditkarte zu zahlen. Sollte der Kunde illegale Software erhalten und diese nicht zurückbringen können, könne er anhand der Kreditkartenabwicklung die Transaktion oft zurückverfolgen und rückgängig machen.
Das illegale Kopieren von Software ist längst kein Kavaliersdelikt mehr, sondern wird vielfach von kriminellen Händler-Ringen in großem Maßstab organisiert. Als rechtswidrig gilt aber bereits, wenn ein Anwender ein nur für den Eigenbedarf gekauftes Software-Paket wie etwa Microsofts Office auf mehr als einem Rechner installiert, ohne dafür entsprechende Lizenzen erworben zu haben. Das illegale Kopieren von Software fügt nach Schätzungen von Branchenverbänden allein in Deutschland der Software- Branche Verluste in Milliardenhöhe zu. Mehr als ein Drittel der in Westeuropa verwendeten Software-Pakete soll nach Angaben der BSA illegal sein.
Die Software-Piraterie ist ein internationales Problem. Bei der Nutzung raubkopierter Software erreicht Vietnam nach einer im Sommer veröffentlichten BSA-Studie mit 94 Prozent den weltweit höchsten prozentualen Anteil. Auf Herstellerseite muss Chinas Software-Industrie mit rund 2,4 Milliarden US-Dollar die größten Umsatzeinbußen durch illegales Kopieren verkraften. (dpa) / (jk)