Harte Bandagen im Streit um deutsche Internet-Drehscheibe

Das eco Forum hat die Firma Interxion abgemahnt, weil diese neben dem Internetknoten DE-CIX auch den Konkurrenten F-IX hostet.

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Das eco Forum hat die Frankfurter Firma Interxion abgemahnt. Man habe dem Hosting-Spezialisten eine Unterlassungserklärung zukommen lassen, erläuterte eco-Geschäftsführer Harald Summa das Vorgehen gegenüber heise online. Der inzwischen strafbewehrte Streitpunkt: Interxion hostet nicht nur den DE-CIX, den von eco betriebenen wichtigsten Austauschpunkt für Internetdaten in Deutschland. Seit kurzem beherbergt der Frankfurter Großbetreiber von Datenzentren auch den F-IX -- eine Konkurrenzveranstaltung zum DE-CIX, die hauptsächlich auf eine Initiative der Mindener Firma MK Netzdienste (http://www.mk-netzdienste.de/) zurückgeht und mit "Mehrwertdiensten" beim Datentausch im großen Stil ("Peering") wirbt. Interxion soll eco nun Schadensersatz zahlen.

"Interxion hat da ein vertragliches Problem", sagt Summa. eco habe eine "Exklusiv-Vereinbarung" in seine Geschäftsgrundlage mit dem Frankfurter Privatunternehmen eingebaut. Demnach dürfe Interxion in seine Räumlichkeiten keine direkten Wettbewerber aufnehmen. "Das wäre sonst so, als ob man im ALDI einen Lidl aufmachen würde", findet Summa. Gemäß der Devise "Wehret den Anfängen" habe eco daher juristische Schritte eingeleitet. Sein Verein wolle den DE-CIX nicht mit einem "Billigaustausch" unter einem Dach wissen. Denn für den F-IX hätten sich schließlich "nur ein paar Kollegen zusammengeschlossen, um privat Geschäfte abzuwickeln".

Die sich nicht erst mit dem F-IX abzeichnende Tendenz, das Peering zunehmend auf kommerzieller Basis abzuwickeln, sieht Summa insgesamt immer kritischer. Mehr und mehr Provider würden Dienste wie Voice over IP anbieten und bräuchten daher ein hohes Maß an Servicequalität über zahlreiche Netze hinweg. Die sei mit mehreren zentralen Peering-Punkten gefährdet. Nicht mehr verschließen kann der eco dagegen die Augen vor den unterschiedlichen regionalen Netzknoten, die in den vergangenen Jahren beispielsweise in Berlin, Düsseldorf, Enschede, Hamburg, Köln, München, Münster und Nürnberg aus dem Boden geschossen sind. Mit ihnen will sich der Providerverband Anfang Dezember zusammensetzen, "um gewisse Standards festzusetzen", kündigte Summa an. Das sei nötig, da das Peering auf absehbare Zeit die wichtigste technische Grundfunktion in der Internet-Landschaft bleibe.

Interxion sieht sich derweil ohne eigenes Verschulden in den schon länger gärenden Zoff um die zentrale deutsche Netz-Drehscheibe hineingezogen. "Unser Kunde hat nur einen weiteren Schrank bei uns untergestellt", erklärte Geschäftsführer Peter Knapp die Sache mit dem F-IX gegenüber heise online. Sein Haus agiere wie ein Flughafenbetreiber, der unterschiedlichen Linien kommerzielle Dienste anbiete. "Wir stellen nur die Infrastruktur zur Verfügung", meint Knapp, zu dessen besten Kunden der eco mit dem DE-CIX gehört. Zur Unterlassungserklärung wolle er sich nicht äußern, da man sich in seinem Hause "nicht an geschäftlichen Spekulationen" beteilige und "Einzelheiten vertraglicher Kundenbeziehungen" nicht öffentlich diskutierte. Als Zeichen einer nach wie vor guten Geschäftsbeziehung mit dem eco wertete Knapp die Tatsache, dass der Kölner Verein gerade erst den DE-CIX-Vertrag mit Interxion verlängert habe. (Stefan Krempl) / (jk)