Musikindustrie bietet internationale Lizenz für Webradios
Webcaster, die Radiostreams im Internet anbieten, sollen in allen Ländern, in denen sie lizenzpflichtig wären, eine einheitliche Erlaubnis für ihre Angebote bekommen.
Die International Federation of the Phonographic Industry (IFPI) will eine einzige, weltweit gültige Lizenz für Webradios anbieten. Dadurch sollen Webcaster, die Radiostreams im Internet offerieren, in allen Ländern, in denen sie lizenzpflichtig wären, eine einheitliche Erlaubnis für ihre Angebote bekommen. Damit wären auch alle Ansprüche abgegolten, die Rechteinhaber in unterschiedlichen Ländern gegenüber einem lokalen Webradio erheben könnten. Bislang mussten die Webanbieter eigentlich in den einzelnen Ländern separate Vereinbarungen treffen.
Eine ähnliche internationale Lizenz gibt es bereits für Radios, die zusätzlich zur On-Air-Aussendung auch Webcasts betreiben. Laut IFPI hätten sich dieser so genannte "Simulcast"-Lizenz bereits 33 nationale Musikindustrie-Verbände angeschlossen. Nun erwartet die Organisation, dass bis zum Ende des Jahres ähnlich viele Verbände, darunter diejenigen aus den USA, Frankreich, Deutschland, Indien, Spanien und Großbritannien, die neue Lizenz für reine Webcaster offerieren. Um welche Beträge es bei der Lizenz gehen soll, darüber ließ sich die IFPI noch nicht weiter aus.
In den USA gibt es allerdings einen schon lange anhaltenden Streit über die Lizenzabgaben, die Webradios zahlen müssen. Die ursprünglich von den US-Copyright-Behörden festgelegte Gebühr von 70 US-Cent pro Song und 1000 Hörer wurde von den Internetradios energisch bekämpft, da die damit fälligen Ausgaben die Einnahmen vor allem von kleinen Webcastern bei weitem übersteigen würden.
Inzwischen haben sich die US-Verbände der Musikindustrie und die größeren Internet-Radios sowie die nicht-kommerziellen Stationen auf geringere Lizenzzahlungen geeinigt; die Webcaster Alliance der kleineren Web-Stationen liegt mit der RIAA dagegen noch im juristischen Clinch über die Höhe der Abgaben. Laut IFPI gibt es in den USA bereits 1.250 reine Webcaster, die mit Lizenzen der Musikindustrie arbeiten.
Ob sich bei der internationalen Lizenz ebenfalls unterschiedliche Bedingungen für unterschiedliche Typen von Webcastern aushandeln lassen, ist bislang nicht bekannt -- dies dürfte wohl auch noch von den weiteren Gesprächen mit den nationalen Verbänden abhängen. In Deutschland hat die Verwertungsgesellschaft GEMA seit Juni 2001 eine pauschale, unter anderem nach Empfängern gestaffelte Monatsgebühr zwischen 25 und 3000 Euro für Webradios eingeführt. (jk)